[Kiew/WIEN] „Das Finale in Kiew nicht zu gewinnen, das wäre wie ein Rom-Besuch ohne den Papst zu sehen", hatten die Spanier vor dem großen Endspiel der Euro 2012 gemeint. Jetzt befinden sie sich wieder im siebenten Fußball-Himmel. Der Titelverteidiger bleibt weiter das Maß aller Dinge im Fußball, die Iberer prägen seit einigen Jahren das Geschehen auf höchstem Niveau. Die Mannschaft von Vicente del Bosque ist Europameister 2008, Weltmeister 2010 - und nun hat man auch noch Geschichte geschrieben. Noch nie hat ein Team einen EM-Titel erfolgreich verteidigen können, noch nie hat eine Auswahl drei große Turniere in Serie gewinnen können. Die Ballkünstler haben also eine historische Dimension erreicht, endgültig prägen sie eine ganze Epoche.
Die Spanier zeigten vor dem Endspiel eine Menge Respekt vor den Italienern, die Deutschland auf die Heimreise geschickt haben. Die Squadra Azzurra hatte dem Favoriten in der Vorrunde ordentlich zugesetzt, beim hochklassigen 1:1 den einzigen Gegentreffer bei diesem Turnier zugefügt. Die Statistik hätte obendrein ein wenig Angst einflößen können, der letzte Sieg nach der regulären Spielzeit datierte aus dem Jahr 1920 (Olympische Spiele). Aber diese spanischen Ballkünstler kümmerte das im nicht ganz voll besetzten Olympiastadion zu Kiew alles nicht.
Keine Systemfrage, zehn Italiener
Das Finale hatte es in sich, es gab eine Vielzahl an Tormöglichkeiten, auch die beiden besten Torhüter Europas, Casillas und Buffon, standen mehrmals im Mittelpunkt. Die einen probierten es - wie schon fast über das gesamte Turnier über - mit einer breiten Masse an offensiven Mittelfeldspielern, die anderen mit zwei Spitzen (Cassano, Balotelli), die nicht mit normalen Maßstäben zu messen sind. Wer ohne echte Spitze agiert, muss aber noch lange nicht sturmlos angreifen.
Die Spanier übernahmen das Kommando, da wurde kombiniert, dass es nur so eine Freude war. Für den ersten entscheidenden Pass war der berauschende Andres Iniesta zuständig. Der Barcelona-Superstar setzte Fabregas ideal ein, der spielte ideal und uneigennützig auf David Silva ab - 1:0 (14.).
Italien stand vor einer neuen Situation, erstmals mussten sie bei dieser EM einem Rückstand nachlaufen. Aber vorne hatten sie kein Glück, in der Abwehr kam Verletzungspech dazu. Chiellini konnte nicht mehr, Balzaretti musste einspringen. Während Balotelli bei Sergio Ramos gut aufgehoben war, entwickelten die Italiener über die linke Seite immer wieder gefährliche Situationen. Aber wenn Cassano zum Abschluss kam, dann war Iker Casillas zur Stelle.
Für die Entscheidung in diesem Finale sorgte der künftige Barcelona-Verteidiger Jordi Alba durfte sich nach einen Xavi-Zuspiel als Torschütze feiern lassen (41.). Nach einem Bonucci-Hands hätte es auch Elfmeter für Spanien geben können, nach der Verletzung von Motta war Italien nur zu zehnt - und auch darum chancenlos. Der eingewechselte Fernando Torres nützte das zunächst mit dem 3:0 (84.) schamlos aus, Juan Mata setzte den Schlusspunkt (89.).
Matchdaten:
Spanien: Casillas; Arbeloa, Pique, Ramos, Alba; Xavi, Busquets, Alonso; Silva (59. Pedro), Fabregas (75. Torres), Iniesta (87. Mata).
Italien: Buffon; Abate, Barzagli, Bonucci, Chiellini (21. Balzaretti); Marchisio, Pirlo, Montolivo (57. Motta), De Rossi; Balotelli, Cassano (46. Di Natale).
Tore:1:0 (14.) Silva, 2:0 (41.) Alba, 3:0 (84.) Torres, 4:0 (88.) Mata
Besonderes Vorkommnis: Italien ab der 61. Minute nach Verletzung von Motta nur noch zu zehnt.
Kiew, Olympiastadion, 64.000, SR Pedro Proenca (POR)
Torschüsse: 9 bzw. 6
Schüsse: 14 bzw. 11
Fouls: 17 bzw. 10
Eckbälle: 3 bzw. 3
Abseits: 3 bzw. 3
Ballbesitz: 52 bzw. 48 Prozent
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