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Fußball-EM: Das einzigartige Kinderspiel

02.07.2012 | 18:32 |  von Johann Skocek (Die Presse)

Das Rätsel im Innersten der Welt: Spanien ist die beste Nationalmannschaft aller Zeiten. Sie kann mit dem vierten Titel en suite die Geschichte des Fußballs beenden.

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Wie stark wurden nicht die Italiener eingeschätzt, nachdem sie die Deutschen im Halbfinale aus dem Turnier geschossen hatten. Dann trafen sie im Finale auf eine spanische Mannschaft, und am Ende hatte Andrea Pirlo, das Genie der Squadra Azzurra, einen Blick in den Augen, als wäre er einem Geist begegnet. Im Fußball ist das Ergebnis die Wahrheit, sagt man, aber das 4:0 erzählt noch lange nicht alles über die Kräfte, die da am Werk waren?

Fred, der unpräzis formulierte Fragen antizipiert wie ein Spanier den Ball, schließt die Augen. Die Frage, murmelt er, muss lauten: Wozu sollen sich die Spanier um einen Plan B sorgen, wenn sie mit ihrem Plan A unbesiegbar sind?

Zugegeben, wende ich ein, aber haben wir nicht eine Euro lang räsoniert und eine alternative Methode Spaniens eingefordert?

Fred nickt. Diese Mannschaft hat keinen prägenden Spieler, weil sie nämlich keinen braucht. Anderslautende Beschreibungen sind bloß mediale Erzählfiguren. Spaniens Mannschaft verwirklicht die egalitäre Theorie der Arbeit, dass ein Kollektiv, also das Zusammenwirken verschiedener Kräfte, sich gleichsam zu einem Individuum verdichtet.

Ich kenne meinen Freund, er weicht nicht gern auf das unsichere Terrain der medialen Stilkritik aus. Daher drängt sich ein Rückpass in die Tiefe des taktischen Raumes auf. Die personalisierte Rollenbeschreibung mit Bezeichnungen wie „Stürmer“ oder „Verteidiger“ ist demnach in der spanischen Mannschaft aufgehoben?

Gute Frage. Würde ein Einziger abfallen, sagt Fred, er würde wie ein Nackter unter Bekleideten herausstechen. Das sind elf in feinsten Zwirn gekleidete Künstler, die keinen Plan B benötigen. Eine demokratische, ausgewogene, unprätentiöse Mannschaft, Trainer Vincente del Bosque ist ein Denkmal der Bescheidenheit. Er arbeitet nicht wie der italienische Coach Cesare Prandelli an der Linie. Weil es nämlich nicht notwendig ist, er weiß, dass seine Mannschaft stärker ist.

Aber was, lieber Fred, kann den Spaniern gefährlich werden?

Die eigenen Kritiker, sagt Fred, und es klingt fast nach einem Seitenhieb in meine Richtung. Sie fordern Dinge wie Plan B ein, die das Team nicht spielen will, weil es sie nicht zu spielen braucht. Es ist zu gut. Wenn du ein All-Star-Team der Euro aufstelltest: Welchen Spanier würdest du weglassen?

Mir fällt keiner ein, räume ich ein. Ich vermute, diese Mannschaft hat bloß einen einzigen Gegner: die biologische Uhr. Aber dank der exzellenten Nachwuchsarbeit könnte 2014 der vierte Titel in Serie herauskommen.

Und das noch dazu im Haus des fünffachen Weltmeisters Brasilien, setzt Fred fort. Dann wäre die große Fußballerzählung zu Ende geschrieben und der Rest eine bloße Fußnote.

Ich merke, dass Freds Analysegeist nach drei anstrengenden Wochen langsam in den Ruhemodus schaltet. Also noch eine letzte Frage: Wie beschreibst du das spanische Spiel?

Als Gegenentwurf zur theoretischen Physik, sagt Fred, die es nicht schafft, die wirkliche Welt und deren vier Grundkräfte, starke und schwache Kernkraft, elektromagnetische Kraft und Gravitationskraft, in eine einheitliche Erklärung zu fassen. Im Unterschied zu ihr hat Spaniens Mannschaft das Zusammenwirken der vier Grundkräfte des Fußballs – Kondition, Technik, Taktik, Kreativität – enträtselt.

Er hält inne und schlägt das Buch der Euro zu. Sie unterwerfen die Kräfte der Welt ihrem Willen. Freilich ohne einen Verrat am Innersten unseres Kosmos zu begehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2012)

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84 Kommentare
 
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Gast: Fagga
03.07.2012 12:59
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Einfach nur Penlich, "Iden des März",....


....sich auch noch etwas vom spanischen Erfolg abschneiden zu wollen. DIe Ösis einfach nur minderbemittelt (wie im Fussball-Leben)!

Ironie- schon mal gehört?

Der "Österreich-Bezug" war eine "Hommage" an einen legendären ORF-Kommentator. Macht aber nix, wenn sie den nicht kennen.

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Re: Einfach nur Penlich, "Iden des März",....

oh a neidiga pifke ;)

und das schöne Schruns in Vorarlberg, wo sich die Spanier

auf die EM vorbereitet haben, hat auch einen Anteil an diesem Erfolg - somit hätten wir einen nicht unwesentlichen Österreichbezug hergestellt;-)
Bravo Spanien, in alter Klasse und Schönheit gewonnen!

und die Italiener dürfen sich trotz der Niederlage am Sonntag ebenfalls freuen - denn mit dieser neuen starken Mannschaft und dem sympathischen Trainer Prandelli werden sie bei der WM 2014 beim Kampf um den Titel mitmischen.

schlechteste EM überhaupt!

permanentes rückpass spiel, keine ideen, keine dynamik, fast keine spannung bis auf ein paar kleine ausnahmen. schlechte schiedrichterleistungen mit wieder einmal gravierenden fehlentscheidungen und das bei mittlerweile schon 5 herrschaften. komisches system beim torverhältnis! ich hoffe beim nächsten mal und 24 manschaften wirds besser !

Gast: Gost
02.07.2012 19:55
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Super Spanien

Naja, da verlier ich lieber im Halbfinale 2:1 wie die Deutschen, als im Finale eine historische 4:0 Klatsche zu kassieren. Italien war nicht nur ein bisschen schlechter als Spanien, sondern sie waren schlicht chancenlos und erbärmlich!

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Re: Super Spanien

schade,das die Spanier nicht so gut haushalten können wie sie Fußball spielen.

Re: Super Spanien

ich würd trotzdem lieber bis ins Finale kommen als bis zum HF.

"...als bis zum HF."

Was hat Heinz Fischer (HF) damit zu tun?

Gast: TT1
02.07.2012 19:41
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Pipifeiner Artikel

Genuß beim Lesen ;-)

Gast: Irgendwas wird zutreffen
02.07.2012 17:13
0 13

Was ist ein "ÖSSI" ?

Eine Mischung von Österreicher und Ötzi ?
Oder eine Mischung jener kriminellen Einheit im Reich III (bei der überpropozional viele "Ostmärker"dabei waren ) deren Bezeichnung abgekürzt aus "S..." bestand mit dem Begriff "Ösi" ..... ?

"überpropozional"

Die orthographischen "Propozionen" sind aus dem Lot geraten.

Antworten Gast: kruxipixli
02.07.2012 23:38
8 0

Re: Was ist ein "ÖSSI" ?

ganz schön krank,alles auf den nazionalsozialismus zu beziehen.sie sollten mal den arzt wechseln.

Antworten Gast: besserwessi
02.07.2012 23:35
0 1

Re: Was ist ein "ÖSSI" ?

frongs hoid irgendaan piefke,dea wiads wissn !

Gast: Gastone
02.07.2012 15:36
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Hochmut kommt vor dem Fall! Groß daherreden konnten die Itaker schon immer! Und nix dahinter, wie immer!

http://diepresse.com/home/sport/fussball/euro2012/1261016/Balotelli_Im-Endspiel-schiesse-ich-dann-vier-Tore?parentid=0&act=2&isanonym=1

Re: Hochmut kommt vor dem Fall! Groß daherreden konnten die Itaker schon immer! Und nix dahinter, wie immer!

Also dafür, daß sie "nur groß daher reden können und eh nix dahinter ist", haben die Italiener schon sehr viel erreicht. Sowohl auf Nationalteamebene wie auch bei den Vereinen auf der internationalen Bühne!

Vor dieser EM hat man der "Squadra Azzurra" aufgrund der zahlreichen Wettmanipulationsskandale und der darin involvierten Kicker eigentlich rein gar nichts erwartet. Und dann erlebten wir ein italienisches Team, welches die ganze vermaledeite Catenaccio-Vergangenheit auf den Misthaufen der Geschichte warf und sich mit temperamentvollem Angriffsfußball präsentierte, dem Anzusehen richtig Freude machte. Im Finale war der "blauen Schwadron" dann die Luft ausgegangen; offenbar hatte sie ihre letzten Kräfte beim heroischen 2:1 über Deutschland gelassen.

Daß Balotelli vielleicht etwas voreilig gegen Spanien "vier Tore" ankündigte, darf man nicht so furchtbar ernst nehmen. Wer ohne Selbstvertrauen ins so ein Finale geht, hätte dort nämlich eh nix verloren. Und daß einer allein ohnehin kein Match gewinnen kann, hat man auch schon bei Christiano Ronaldos Ausscheiden mit den Portugiesen gesehen.

Immerhin waren die Italiener fair genug, die eklatante Überlegenheit der Spanier hinterher neidlos anzuerkennen. Irgendwie waren die Iberer auch ziemlich schlitzohrig gewesen. Da haben sie bis zum Finale so getan, als seien sie - wenn auch auf hohem Niveau - über ihren Zenit hinaus. Und dann legten sie vom Start ein Tempo hin, welches ihrem Spitznamen "rote Furie" endlich entspricht...

Re: Re: Hochmut kommt vor dem Fall! Groß daherreden konnten die Itaker schon immer! Und nix dahinter, wie immer!

"dem Anzusehen" (sic!)
"daß" (sic!)
"Christiano Ronaldos" (sic!)
"vom Start ein Tempo" (sic!)

Re: Re: Hochmut kommt vor dem Fall! Groß daherreden konnten die Itaker schon immer! Und nix dahinter, wie immer!

Nun, vier Tore sind es ja tatsächlich geworden:)

Die Überschrift ist ein Schwachsinn!

Wären die Italiener die Sieger, hieße es dann:
Italien demütigt Spanien?
Die Spanier haben phantstisch gespielt.
Den Italienern hätte ich wenigstens ein Tor gegönnt.

Antworten Gast: Gastone
02.07.2012 18:40
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Re: Die Überschrift ist ein Schwachsinn!

Es war eine Demütigung und was für eine! Und auch eine verdiente! Der Dusel hält eben nicht ewig an!

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Re: Re: Die Überschrift ist ein Schwachsinn!

Ich finde es auch demütigend, ins Finale einer EM zu kommen, die Ö-Mannschaft erspart sich diese Demütigung daher lieber.

Re: Re: Die Überschrift ist ein Schwachsinn!

Der Bessere gewinnt. Die andere Mannschaft braucht sich in meinen Augen nicht gedemütigt fühlen.

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Bitte, rüstet ab in der Sportberichterstattung

Das ist in der "Presse" die Rede von "schießt ab", "demütigt", "Angst" machen, "schamlos". . .
Das haben werder die Spanier betrieben noch haben es sich die nItaliener verdient.
Aber es zeigt wohl der Geist, der in unhseren Fußballexperten-Kreisen herrscht, und weswegen man bei uns nichts zusammenbringt.

Re: Bitte, rüstet ab in der Sportberichterstattung/frisal

Jetzt mach'n se mal halblang! Diesa Ton herrscht auch bei den ollen Jermanen! Lesen se mal de Journaille dort! Und bei den' is um einjes mehr dufte, als bei "Kamradn Schnürschuh". ;o)))

Gast: fcb4ev
02.07.2012 12:57
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.

Das haben die Spanier(auch real Fans) Pep und FC BARCELONA \o/ zu verdanken. Ohne Barca Spieler wären die Spanier geliefert.

Antworten Gast: ido
02.07.2012 20:41
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Re: .

Das kann man zumindest teilweise unterschreiben, Iniesta, Xavi und Cesc sind für das offensive Spiel zuständig und haben wiedermal mehrfach Lehrstunden verteilt.
Ich bin selbst FCB Fan, und habe für Real nicht viel mehr als **** übrig (beliebiges passendes Wort einsetzen...), aber man trotzdem muss anerkennen, das mit Arbeloa, Ramos, Xabi, und Casillias auch ein sehr hochkarätiger Teil der Mannschaft nicht aus "unserem" Lager kommt.
Pique ist Weltklasse, Puyol wenn er fit ist soundso, aber ohne die Real Verteidigung wäre Spanien möglicherweise (wahrscheinlich?) nicht dort, wo sie seit gestern sind!

 
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