Minus in Milliardenhöhe: Verlustgeschäft Fußball-EM

30.05.2012 | 10:51 |   (DiePresse.com)

Das Ausrichten der EM könnte Co-Gastgeber Ukraine teuer zu stehen kommen. Analysten rechnen mit Verlusten von bis zu acht Milliarden Dollar. Auch die Nachhaltigkeit wird bezweifelt.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Die Euphorie wegen der Fußball-EM im Co-Gastgeberland Ukraine könnte ein jähes Ende finden. Analysten rechneten nun vor, dass das Land die Ausgaben in Milliardenhöhe wohl nicht mehr hereinholen wird. Es droht ein Minus von sechs bis acht Milliarden Dollar. Zudem würde die Ausrichtung des drei Wochen lang dauernden Turniers, die sich die Ukraine 13,4 Milliarden Dollar kosten lässt, das Land nicht einladender für ausländische Investitionen machen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

Auch die Hoffnungen von Reiseveranstaltern und Behörden, dass die Ukraine nach Ende der EM einen Tourismusboom erfahren wird, dürften unerfüllt bleiben.

Innenpolitik torpediert Imagegewinn

"Die Ukraine wird keine finanziellen Erträge oder größere wirtschaftliche Vorteile aus der Rolle als Co-Gastgeber der EM 2012 generieren", meint etwa Andriy Kolpakow, Managing Partner der Analystengruppe Da Vinci AG. "Und jede mögliche Image-Verbesserung wurde durch die Innenpolitik und die Reaktionen der EU darauf, erschwert."

Die Inhaftierung von Oppositionsführerin Julia Timoschenko hat das Vertrauen in die Kreditwürdigkeit der Ukraine verletzt und führte zu einem Boykott des Sportereignisses von einigen namhaften europäischen Politikern.

Das hohe Maß an Korruption in der Ukraine schreckt ausländische Investoren ab, während die explodierenden Hotel-Preise viele Fußball-Fans von der Anreise abhalten. Auf der offiziellen Uefa-Ticketseite sind immer noch zahlreiche Tickets zu haben - alle für Spielorte in der Ukraine. Sogar das Halbfinalspiel in Donetsk ist noch nicht ausverkauft.

Die Rechnung drückt noch lange

Laut Regierungsprogramm hat der Staat 6,6 Milliarden Dollar aus dem Budget in die EM-Vorbereitungen investiert. "Der Steuerzahler wird viele Jahre für diese Fußball-Feiertage zahlen müssen", sagte Erik Najman vom Brokerhaus Capital Times.

Ukrainische Behörden argumentieren, ein großer Teil der Ausgaben wäre ohnehin notwendig gewesen: "Ohne internationale Flughäfen und Verkehrsinfrastruktur gibt es keine ausländischen Investitionen", meinte der stellvertretende Ministerpräsident Borys Kolesnikov, der für die EM-Vorbereitung verantwortlich ist.

Ob das Geld gut angelegt wurde, ist auch ein strittiger Punkt. "Trotz jahrelanger Vorbereitung wurde keine anständige touristische Infrastruktur geschaffen, um die Fans in die Ukraine zurück zu locken", sagte Kolpakow.

(Ag./Red.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

24 Kommentare
Gast: rakk
31.05.2012 07:52
0

kloo

was kann man noch in negativem licht stellen?
haha
-notfalls erfinden

Kommt das jetzt unerwartet?

Wenn ein Land zumindest zwei Stadien neubauen muss, grundlegende Infrastrukturen schaffen muss und zusätzlich noch einen Aufputz durchführt, dann ist es wenig verwunderlich, dass der ein oder andere Dollar (um dabei zu bleiben) aufgewendet werden muss.
Dumm halt nur wenn diese Investitionen ohne dieses Sportereignis nie durchgeführt worden wären.
Eine EM/WM ist wohl nur dann finanziell lukrativ, wenn die Infrastruktur nur zielgerichtet ergänzt werden müsste. Aber in Europa fallen mir hierzu mit D,F und ENG nur drei Länder ein, die dafür geeignet wären.

Gast: Feuervögelchen
30.05.2012 18:14
1

Was hat uns eigentlich diese Fussball-EM gekostet?

Wie lange ist noch zu zahlen?


Gast: malfatti
30.05.2012 16:52
3

die UEFA

dessen oberster cheff blatter heist, ist eine zweigstelle der "cosa nostra!!sonst noch fragen?

Re: die UEFA

Blatter ist Präsident der FIFA, hat also mit der Euro nichts zu tun. Präsident der UEFA ist mr. Platini

Gast: mistaustria
30.05.2012 16:46
2

olympia

das selbe in grün..fragt mal wer in athen nach?

UEFA = Verbrecher

nichts sonst

Re: UEFA = Verbrecher

Können Sie das auch irgendwie belegen oder fantasieren Sie einfach eimal darauf los??

Auch hier wieder politisches Kalkül

Wenn es nach den westlichen Werten geht, so heißt die Parole - frei nach Lueger - wer korrupt ist, bestimmen wir. Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit so ungeheurer Selbstgerechtigkeit und Dreistigkeit mit Steinen werfen. Wenn man eine Wirtschaftskriminelle (die Möglicherweise auch mit Mord zu tun hat) zur Nationalikone und Märtyrerin stilisiert und damit indirekt die Außengrenzen Rußlands destabilisieren will (aus wirtschaftlich motivierten Gründen), vorerst das Ganze auf den Sport überschwappen läßt und sich unverhohlen ins Fäustchen lacht, daß nun ein erfolgreicher Konkurrent um die EM ebenfalls finanziell durch die Finger schaut, so ist das nichts, worauf man stolz sein könnte.

Re: Auch hier wieder politisches Kalkül

Ja, das sehe ich auch so. Die EU spielt dabei ein böses Spiel.

Gast: gasti
30.05.2012 15:38
5

Minus in Milliardenhöhe

sind diverse bauprojekte (z.b. tunnel, etc.) in österreich auch

nur schreibt die presse lieber über die ukraine

Gast: Arme Steuerzahler!
30.05.2012 15:07
8

Das ist bei allen Sportgroßereignissen so!

Die Verbände verscherbeln die Übertragungsrechte, schreiben Normen vor und lassen die Hauptsponsoren ebenfalls mitschneiden.

Die Bevölkerung zahlt zwar die Sportstätten, sieht aber weder

- Sportler, da abgeschottet
- noch die Sportstätten von innen, da enorme Ticketpreise
- weder TV-Übertragungen, da Pay-TV

Der Bevölkerung wird eingeredet, ein solches Event wäre ur supi und dann gäbe es den großen Geldregen. VIPS würden scharenweise herumlaufen, dank Tourismus wäre ein Folgeeffekt auf Jahre hinaus gesichert.

Damit wird jeder Widerstand planiert.

Leider aber sieht der Realist: Selbst Großereignisse sind kaum mehr interessant, weil sie sich für den Veranstalter nicht mehr rechnen.

Re: Das ist bei allen Sportgroßereignissen so!

Völlig richtig aufgelistet; bis auf die Sache mit dem Pay-TV: Selbstredend werden alle Spiele im Free-TV zu sehen sein! Aber wie gesagt: Der Rest stimmt absolut und total!

Alles falsch

Die sollten ein paar ganz unabhängige Analysten aus Österreich importieren. Aus einem Zeitungsartikel des Jahres 2002:
"Neben dem österreichischen Fußball wäre die heimische Wirtschaft der zweite große Nutznießer, sollte die Fußball-EM 2008 am Donnerstag im UEFA-Hauptquartier in Nyon an Österreich und die Schweiz vergeben werden. Der Zuschlag für das drittgrößte Sportereignis der Welt würde in den kommenden sechs Jahren rund 6.000 neue Arbeitsplätze schaffen, zudem fiele laut einer Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) vom März die heimische Wertschöpfung um 200 bis 240 Millionen Euro höher aus."
Wie der österreichische Fussball profitiert hat, wissen wir inzwischen. Was wir von unseren Wirtschaftsexperten zu halten haben, wohl auch.


Re: Alles falsch

Vor allem hat ja gerade Wien derart großartige Veranstaltungen, die teilweise sogar einzigartig sind sodass dafür Leute aus der ganzen Welt extra herkommen. Wir brauchen diese künstlich aufgeblasene "Event-Kultur" hier wirklich nicht.

Noch nie war der halbe Ring derart langweilig wie während der EM 2008. Noch nie gab es so viel so miserable und eintönige "Gastronomie" in Wien wie dort. Und selten ist der Platz vor dem Rathaus derart langweilig.

Re: Re: Alles falsch

Die von Ihnen völlig zu Recht kritisierte "Langeweile" auf den Fanmeilen und vor dem Rathaus beruhte darauf, daß für die Verköstigung der EM-Touristen und der Unterhaltung außerhalb der Matchbeobachtung ausschließlich die diversen UEFA-"Partner" verantwortlich zeichneten. Diese mußten Länge mal Breite abdrücken, um den Schutz vor lokaler Konkurrenz garantiert zu bekommen. Daß ihr Angebot, wie ich damals von verschiedenster Seite hörte, mehr oder weniger miserabel war, steht auf einem anderen Blatt. Unterm Strich waren sie jedoch ausgewiesene Stimmungstöter...

am Beispiel

EM Stadion Klagenfurt ,eine vor sich hinrostende Ruine die schon zig Millionen für nichts geschluckt hat
Imagegewinn?
wo bleiben die Scharen von Touristen ?

same old story

Profitieren werden einige schon. Und zwar jene, die die Fäden für dieses Event ziehen.

Das Budgetloch ist dann Staatsangelegenheit und muss von anderen gestopft werden.

Re: same old story

am meisten profitiert die uefa, die macht den meisten gewinn (fernsehrechte, werbung), nicht vergessen fifa und uefa haben ihren hauptsitz in der schweiz(steuerbegünstigt). und wieviel hat sie gezahlt damit die em ausgetragen werden kann?

Antworten Gast: vor dem arlberg
30.05.2012 13:11
1

Re: same old story

Neu: Nachbar in Not !

Wahnsinn

wie kann mann so einem korrupten Land überhaupt so ein Großereignis geben, wohl nur weil die meiste Korruption in der UEFA selbst herrscht!!!!

Re: Wahnsinn

werter helli 075,

ein land kann nicht korrupt sein, sondern höchstens menschen, die darin leben !

waren sie schon mal in der ukraine?

ich jedenfalls schon, und ich habe von dort einen sehr guten gesamteindruck von den menschen, bzgl. gastfreundschaft, ehrlichkeit, offenheit, kultur usw. nach hause gebracht.

die lähmende korruption bezieht sich auf die politische und wirtschaftliche elite, die sich in hohem ausmaß und wenn nötig mit absoluter rücksichtslosigkeit auf kosten der allgemeinheit bereichert.
dass sich diese herrscherschicht bestens mit der uefa-führung "arrangiert" hat, ist - wie sie richtig angedeutet haben - auch bezeichnend für das uefa/fifa system.

dafür können jedoch die "durchschnittsukrainer", die idr. "ihre" herrscherschicht verachten, herzlich wenig !

so freue ich mich sehr auf einen weiteren besuch in lemberg, der beeindruckenden hauptstadt von galizien, welches nebenbei gesagt von 1772 bis 1918 zu österreich gehört hat, und auf ein spannendes fußballfest mit tollen leuten.

mfg, t.

Re: Re: Wahnsinn

einer der wenigen lesenswerten comments im diepresse forum..........

Antworten Gast: lumpi
30.05.2012 13:45
2

Re: Wahnsinn

genau, so ist es !!!

AnmeldenAnmelden