Mit einem 2:2 wären am Montagabend alle Beteiligten in Danzig zufrieden. Dann würde Spanien als Sieger der Gruppe C und Kroatien als Gruppenzweiter ins Viertelfinale der Fußball-EM in Polen und der Ukraine einziehen. Laut Reglement zählt bei Punktegleichheit mehrerer Teams erst der direkte Vergleich. Da Italien jeweils 1:1 gegen die „Selección“ und die „Vatreni“ gespielt hat, würden sie weniger Tore als die beiden Kontrahenten aufweisen.
Doch beide Mannschaften wollen von Absprachen auf Kosten Italiens nichts wissen. „Es gibt keinen Pakt zwischen Spanien und Kroatien“, betonte der spanische Verteidiger Raul Albiol. Er sagte aber auch: „Ein 2:2 ist ein Resultat, das immer passieren kann. Genauso wie ein 1:0, 0:1 oder 1:1.“
Die Italiener fürchten, zum zweiten Mal auf diese Art zum Handkuss zu kommen. Bereits bei der EM 2004 mussten sie aufgrund eines 2:2 zwischen Schweden und Dänemark die Heimreise antreten. Ein „Kuhhandel“ mit Kroatien ist für Titelverteidiger Spanien völlig abwegig, das betonte auch Spielmacher Xavi. „Wer denkt sich so etwas aus?“
Rechnen verboten!
Oft kam dabei auch die „Schande von Gijon“ bei der WM 1982 zur Sprache, als Deutschland und Österreich mit einem 1:0 für die Deutschen und einem Nichtangriffspakt Hand in Hand in die nächste Runde spazierten. Derartige Schandflecke bleiben jahrzehntelang in Erinnerung. Deshalb sind Rechnereien und unsportliches Verhalten laut Teamchef Vicente del Bosque tabu. „So ein Schwachsinn! Wir sind doch Sportler. Wir gehen in die Partie, um zu gewinnen. Das Einzige, was uns interessiert, ist der Sieg“, stellte Del Bosque klar.
So wie die Spanier auf den wiedererstarkten Stürmer Fernando Torres setzen, hoffen die Kroaten auf die Fortsetzung der Torserie von Mario Mandžukić. „Spanien ist ein großes Team, aber wir haben sicher keine Angst vor ihnen“, erklärte Mandžukić, der schon bei drei Turniertreffern hält. „Wir sind bereit, mit viel Herz ins Match zu gehen. Aber wir werden auch ein bisschen Glück brauchen“, sagte der Wolfsburg-Angreifer vor dem ersten Pflichtspiel der Geschichte zwischen Kroatien und Spanien.
Ähnlich sieht die Ausgangslage auch Teamchef Slaven Bilic: „Ich hoffe, das Glück wird auf unserer Seite sein. Meine Spieler müssen das Match ihres Lebens abliefern.“ Auf eine Abwehrschlacht sollten es die Kroaten dabei freilich nicht ankommen lassen, denn ein 0:0 wäre im Fall eines Erfolgs der Italiener im Parallelspiel gegen das bereits ausgeschiedene Irland zu wenig.
Für das Komplottgerede hatte Kroatiens Luka Modric nur Spott übrig: „Die Italiener haben doch immer vor irgendetwas Angst.“
Kroatien: 1 Pletikosa; 11 Srna, 5 Corluka, 13 Schildenfeld, 2 Strinic; 7 Rakitic, 8 Vukojevic, 10 Modric, 20 Perisic; 17 Mandzukic, 9 Jelavic.
Spanien: 1 Casillas; 17 Arbeloa, 15 Ramos, 3 Pique, 18 Alba; 16 Busquets, 14 Alonso; 8 Xavi, 6 Iniesta, 21 Silva; 9 Torres.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2012)
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