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Antreiber, Leithammel: Steven Gerrard weckt Emotionen

24.06.2012 | 15:32 |   (Die Presse)

Englands Teamkapitän Steven Gerrard wird ausgerechnet von heutigen Gegenspielern bewundert. Ihm selbst ist das vor dem Duell mit Italien ein wenig unangenehm.

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Es ist das Duell zweier Großmächte um die Rückkehr in die Fußballelite. Die Italiener, vor allem aber die Engländer, konnten in der jüngeren Vergangenheit nur selten die hoch gesteckten Erwartungen erfüllen, nun bietet sich im Olympiastadion von Kiew die Chance, das angekratzte Image aufzupolieren.

Englands bisher letzte Semifinal-Teilnahme bei einem großen Turnier liegt bereits 16 Jahre zurück, seither war für die „Three Lions“ der Einzug in die Runde der letzten acht das höchste der Gefühle. Dies soll sich nun ändern. „Bisher haben wir ein wirklich gutes Turnier gespielt. Wir wollen jetzt einfach Freude an der EM haben und schauen, wie weit uns die Reise noch führt“, erklärte Teamchef Roy Hodgson.

Wayne Rooney sieht in dem neuen Nationaltrainer den Hauptgrund für das überraschend erfolgreiche Abschneiden der Engländer in der Gruppenphase. „Bei ihm machen wir viele taktische Übungen. Seither ist es schwieriger, uns zu besiegen. Ich glaube nicht, dass irgendeine Mannschaft gern gegen uns spielt“, vermutete der Stürmerstar.

Sinnbild eines Universalspielers. Kapitän Steven Gerrard hob vor dem Duell mit den Italienern das positive Mannschaftsklima hervor. „Wir sind eine professionelle und konzentrierte Gruppe von Spielern, die eine totale Einheit bildet und hart arbeitet. Wir wissen, dass wir oft im Viertelfinale ausgeschieden sind, aber Dinge ändern sich. Angst haben wir vor keinem.“ Gerrards nächste Gegenspieler sind pikanterweise seine größten Fans. Für Italiens Mittelfeldstars Daniele De Rossi und Claudio Marchisio ist der Kapitän des FC Liverpool der Größte.

Vor allem beim Gedanken an den Kopf der englischen Nationalelf geraten die beiden Azzurri ins Schwärmen. „Er ist das Sinnbild eines universellen Fußballers – er kann gestaltend-offensiv spielen und ist auch defensiv stark“, adelt De Rossi den englischen „Skipper“ (Kapitän). Das Mittelfeld-Ass vom AS Rom geht noch weiter: „Ich würde mich freuen, wenn ich einmal so gut in der Defensive spielen würde wie Gerrard.“

Gerrard spielt bislang eine starke EM, bereitete in drei Spielen drei Tore vor. Der 32-Jährige ist Herz, Lunge und Gehirn des englischen Teams zugleich. „Er spielt wirklich durchgehend wie ein Kapitän“, lobt Englands Coach Roy Hodgson seinen Schlüsselspieler. Für Mitspieler und Mittelfeld-Nebenmann Scott Parker von Tottenham ist Gerrard „einer der besten Mittelfeldspieler der Welt. Das ist nun schon seit vielen Jahren der Fall und er war der beste in der Premier League.“

Euphorie nicht geheuer. Dabei hat Gerrards Klub FC Liverpool eine enttäuschende Saison in England hinter sich. Die „Reds“ wurden nur Achter, noch hinter dem großen Lokalrivalen Everton. Vor der EM wuchsen die Verantwortung und der Druck auf Gerrard gehörig an, da die im Mittelfeld ebenfalls gesetzten Gareth Barry vom Meister Manchester City und Frank Lampard vom Champions-League-Gewinner FC Chelsea verletzt ausfielen. „Wir haben wichtige Spieler verloren, was wirklich enttäuschend war. Aber wir haben die Herausforderung angenommen. Hoffentlich machen wir weiter so“, meint Parker.

Gerrard sind die Lobeshymnen eher peinlich. Hodgsons verlängerter Arm und Ratgeber bleibt bescheiden. Die neu entstandene Euphorie auf der Insel ist ihm nicht ganz geheuer. „Italien hat echte Siegertypen in ihren Reihen und wir haben Respekt vor ihnen“, meint der Kapitän.

Der Respekt einiger Italiener vor ihm selbst ist noch größer. Nicht nur De Rossi, auch dessen Mittelfeldkollege Marchisio von Juventus outet sich als großer Gerrard-Anhänger. „Gerrard war immer mein Idol. Er ist eine Legende in Liverpool. Er hat immer für diesen Verein gespielt und ist mit ihm verschmolzen. Und so etwas finde ich gut. Gerade in der heutigen Zeit, in der es so eine Treue kaum noch gibt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2012)

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