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Fußball-EM: Gastgeber sind nicht mehr in Partylaune

23.06.2012 | 18:04 |   (Die Presse)

Seit dem Ausscheiden ihrer Teams bemühen sich die Ausrichterländer Polen und Ukraine verzweifelt, noch ein bisschen Feierstimmung zu verbreiten. Doch die Fanzonen und Stadien leeren sich.

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Jetzt unterstütze ich Spanien“, meint der 18-jährige Olexander pragmatisch. „Viele Ukrainer haben jetzt das Interesse verloren, aber ich finde die K.-o.-Phase immer noch spannend“, meint er zur Nachrichtenagentur Reuters. Nicht viele denken so wie er. Der Jugendliche ist einer der wenigen, der immer noch die blaugelbe Flagge der Ukraine auf der Wange trägt. Überhaupt ist die Fanzone in Kiew am Donnerstagnachmittag gähnend leer. Es könnte natürlich auch an der Hitze liegen, doch auch an den Autos sieht man kaum die vorher allgegenwärtigen Flaggen des Co-Gastgeberlandes. Seit dem unglücklichen Ausscheiden der Blochin-Elf nach der Gruppenphase ist Ernüchterung eingekehrt. Nach der Partystimmung gibt es nun Katersorgen.

Die Ukraine, die immer noch mit dem Internationalen Währungsfonds über ein Rettungspaket diskutiert, hatte mehr zu kämpfen als das andere Gastgeberland und EU-Mitglied Polen, um die von der Uefa verlangte Infrastruktur zu schaffen. Auch die politischen Schwierigkeiten drängen nun wieder ins Bewusstsein, nachdem sie nicht mehr von den sportlichen Erfolgen übertüncht werden. Die politische Kluft um die ehemalige Premierministerin Julia Timoschenko konnte zwar so weit überbrückt werden, dass es keine Massenproteste in der Ukraine gab, die die Regierung noch mehr in Verlegenheit gebracht hätten als die zahlreichen Boykottmaßnahmen westlicher Politiker. Doch die Fußballbegeisterung in der Bevölkerung ist nun nicht mehr aufrechtzuerhalten.


Tickets zu haben. Leere Plätze gibt es aber nicht nur dort, wo eigentlich hochrangige Politiker sitzen sollten. Bei immer mehr Spielen in der Ukraine gibt es Lücken auf den Tribünen. Die Verantwortlichen behaupten zwar, diese Plätze würden wegen schlechter Sicht absichtlich frei gelassen. Doch auf der offiziellen Uefa-Ticketseite gibt es immer noch ausreichend Karten für das Semifinale in der Donbass Arena von Donezk zu kaufen.

Ticketprobleme hat man in Polen zwar nicht, doch auch hier ist die Euro-Euphorie stark abgeebbt. Die Fußballeuropameisterschaft ist von den Titelseiten der Zeitungen verschwunden. Die Organisatoren haben hart zu kämpfen, um die Partyzonen am Laufen zu halten, in denen seit EM-Beginn immerhin drei Millionen Fans zu Gast waren. Auch in Warschau endete die Begeisterung nach der Niederlage des Nationalteams gegen Tschechien rasch. „Als Polen verloren hatte, waren binnen 15 Minuten alle weg. Sogar ihre Getränke haben sie zurück gelassen“, sagte eines der Mädchen vom Coca-Cola-Stand in der Fanzone zu Reuters. „Es war fast wie eine dieser Western-Szenen, wo diese Steppenhexen durch die Wüste rollen.“

Mit dem Phänomen der früh ausgeschiedenen Gastgeber hat die Uefa nun schon das zweite Mal in Folge zu tun. Bei der EM 2008 lief es ähnlich, als sich Österreich und die Schweiz schon nach der Gruppenphase aus dem Turnier verabschiedeten. Von dem Risiko, die EM an Nationen zu vergeben, die nicht unbedingt zur Elite des europäischen Fußballs gehören, hat die Uefa nun erst einmal genug, 2016 findet das Turnier in Frankreich statt.

Am Spielort Danzig ist die Lage ähnlich wie in Warschau. „Es ist traurig“, meint der 28-jährige Michal Nowosad, der hier eine der Fan-Botschaften leitet. „Es gibt weniger Menschen, die Polen-Trikots tragen, und in den letzten paar Tagen war die Fanzone ziemlich leer, vielleicht waren 2000 Menschen oder so da. Leider glaube ich, dass viele Polen jetzt das Interesse an dem Turnier verlieren.“

Im Bemühen, die Besucherzahlen hoch zu halten, wurde sogar Ex-Oasis-Sänger Noel Gallagher für ein Konzert am Mittwoch eingeflogen. Ein paar wenige Tickets konnten für 85 Zloty (rund 20 Euro) verkauft werden. Der Rest der Karten musste verschenkt werden.

Ein wenig weiter weg, am Rande der Danziger Werft, steht das Solidarnosc-Gebäude, wo Lech Walesa den ersten Nagel in den Sarg des osteuropäischen Kommunismus schlug. „Wir werden sowieso gewinnen“, steht auf einem Schild hier. Das deckt sich mit den Worten von Uefa-Chef Michel Platini. Der Franzose hatte gemeint, dass Polen und die Ukraine „schon gewonnen hätten“ durch die großen Fortschritte, die den Ländern das Turnier hinsichtlich Fußball-, Hotel- und Verkehrsinfrastruktur ermöglicht hätte.

Die Welt versprochen. Nicht jeder ist davon überzeugt, besonders nicht in den kleineren Veranstaltungsorten, in denen die EM nach der Vorrunde zu Ende ist. „Dieses Turnier ist eine Katastrophe für viele Unternehmen“, meint etwa der Breslauer Taxifahrer Wojciech Kaminski. „Warum hat man so viel Geld ausgegeben für nur drei Spiele? Man hat uns die Welt versprochen, doch seit die Russen weg sind (nach dem ersten Spiel in Breslau, Anm.), ist das Geschäft sehr sehr dünn.“

Polens Ministerpräsident Donald Tusk bemühte sich, positive Aspekte herauszustreichen: „Wir werden für die hervorragende Organisation der Euro und die Atmosphäre gelobt. Es ist nur schade, dass wir ausgeschieden sind – insbesondere im Hinblick auf die riesige Fan-Unterstützung für unser Team. Die Spieler haben ihr Bestes getan, aber sie waren nicht gut genug.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2012)

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2 Kommentare

bei Sportveranstaltungen

wo der Schiedsrichter die Partie entscheidet (siehe Ukraine oder Kroatien Spiel) geht das Interesse schnell verloren. das ist halt nur im Fussball so. mich wundert es ja noch immer das die UEFA es zugelassen hat das Griechenland 2004 Europameister geworden ist.