2:2 gegen Irland: Alaba hält den WM-Traum am Leben

27.03.2013 | 13:24 |  von Markku Datler (Die Presse)

Nur ein Weitschuss von David Alaba rettete Österreich das 2:2-Remis in Dublin. Pogatetz und Arnautovic enttäuschten schwer, Teamchef Koller wechselte zu spät.

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David Alaba musste wieder einmal Österreichs Fußballteam retten. Die 1:2-Niederlage in Dublin schien schon besiegelt. Dem ÖFB-Team fehlten Ideen und Systeme, um der irischen Abwehr mit ihrem harten, kompromisslosen Stil beizukommen. Erst im Finish setzte Österreich alles auf eine Karte, riskierte und griff mit dem „Mut der Verzweiflung“ an. Alaba gelang mit einem Weitschuss das 2:2-Remis. „Ein wichtiger Punkt, es geht weiter“, sagte er. „Wir sind noch im Rennen.“

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Marcel Koller hatte sich für den Auftritt im „Aviva Stadium“ von Dublin etwas einfallen lassen. Er hatte nach dem 6:0 gegen die Färöer nur eine Veränderung vorgenommen – Martin Harnik durfte anstelle von Andreas Ivanschitz beginnen. Der Stuttgart-Spieler, so Koller, „bringt mehr Tempo über die Flanken“. Und damit bei Irlands Teamchef Giovanni Trapattoni keinerlei Nostalgie auflebt, blieben mit Leitgeb und Janko zwei weitere ehemalige Salzburg-Spieler anfangs auf der Bank.

Junuzovic mit Foul ausgeschaltet

Koller setzte gegen die Iren – sie bevorzugen plump hoch geschlagene Bälle, um ihr Offensivspiel zu gestalten –, auf Beweglichkeit. Die Achse Junuzovic-Hosiner im Zusammenspiel mit Harnik sollte Koller auch nicht enttäuschen. Der Bremen-Spieler luchste Clark den Ball ab, Hosiner lief weg und machte Platz, Junuzovic passte zu Harnik, der das 1:0 (11.) erzielte. Es hallten „Immer wieder“-Choräle durch das mit 40.000 Zuschauern gefüllte Stadion.

In letzter Minute: Österreich rettet Punkt in Irland

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Es sollte Junuzovics' letzte Glanztat bleiben. Irland hatte sein Talent erkannt und dieses Problem prompt gelöst: James McCarthy streckte bei einem Tackling sein Bein etwas härter durch. Junuzovic humpelte mit einer Rissquetschwunde vom Platz (20.).

Österreichs Spieler wirkten geschockt, mit einem Tritt war ihr Spielfluss dahin, herrschte dafür Chaos. Standen sich Lindner und Pogatetz in Minute 23 noch folgenlos im Weg, bewies der West-Ham-Abwehrspieler im darauf folgenden Angriff der Iren seine größte Schwäche: seine Unbeholfenheit. Long war ihm entwischt, er hatte den Ball an der Toroutlinie getrost gestoppt und wurde dafür von Pogatetz im Strafraum ungestüm zu Fall gebracht. Walters verwandelte den Elfmeter (24.) sicher zum 1:1.

Ab diesem Zeitpunkt spielten nur noch die Gastgeber. Gegen die Angriffe mit hohen Bällen wussten Alaba, Fuchs und Co. keine Antwort. Die ÖFB-Abwehr war überfordert. Damit blieb den Iren viel Zeit: Longs Fersler (38.) klatschte nur an die Stange. Kurz vor der Pause gab es Grund zur Freude. Ein Eckball, natürlich hoch geschlagen, segelte in den Strafraum. Walters war mit dem Kopf zur Stelle, Schalke-Legionär Fuchs wirkte nur noch wie ein Statist – 1:2 (45.).

Nach Wiederbeginn wirkte Kollers Mannschaft ratlos, die „Boys in Green“ bestimmten das Geschehen mit Tempo, Einsatz und Ideen. James McClean, ein gebürtiger Nordire, hätte endgültig in Irland Anerkennung gefunden, hätte sein Freistoß (46.) gepasst. Es wäre wohl die Vorentscheidung gewesen.

>> Gruppe C: Die Tabelle

Irish Folk statt Samba-Klang

Zuordnung und Taktik fehlten, von Ruhe und Übersicht war in der Abwehr weiterhin keine Spur. Je konsequenter die Iren ihr Pressing betrieben umso fehleranfällig wurden die Österreicher. Auch die Fangesänge der Iren verfehlten ihre Intention nicht: Je lauter sie wurden, desto schneller gerieten Sambaklänge und dessen emotionsgeladener Zweivierteltakt bei den Österreichern in Vergessenheit. Auch die anfänglichen „Immer wieder“-Rufe waren längst verhallt.

Irland, zuletzt 0:0 gegen Schweden, hatte eindeutig die Oberhand. Die viel zu späten Wechsel von Janko (für den sehr schwachen Hosiner, 60.) und Weimann (für Kavlak, 67.) veränderten nichts. Garics sorgte für Bewegung, nur seine Pässe fanden keinen Abnehmer. Dafür sorgten Stellungsfehler (Fuchs), Fehlpässe (Pogatetz, Janko) sowie Steh-Fußball (Arnautovic) für Unverständnis. Lindner verhinderte mit einer Traumparade (69.) Schlimmeres.

Im Angriff wollte nichts gelingen, und zwar gar nichts. Janko vergab in Minute 91 sogar einen „Sitzer“. Österreich lief verzweifelt Sturm, solange bis Alaba (92.) mit einem satten Weitschuss der Ausgleich zum 2:2 noch gelang. Nur sein Tor lässt den Traum von der WM 2014 vorerst weiterleben.

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113 Kommentare
 
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und werden es wahrscheinlich auch nicht


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Großer Unterschied

Unter DiCo und Co hätten unsere Spieler niemals nach 1:0 und einem dann folgenden Rückstand niemals ein Unentschieden geholt. Früher haben wir unglückliche Tore in der Nachspielzeit bekommen - heute machen wir solche Tore. Einstellung, Kampfgeist ist ohne Zweifel unter Koller auf einem ganz anderen Niveau - weiter so.

Der berühmte "Bayern-Dusel"

wie es in Deutschland heißt, ein Tor in allerletzter Minute. Diesmal im Dienste des ÖFB-Teams.

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„Wir haben noch nichts erreicht“

stimmt!


Denke,

dass man die WM als Ziel streichen sollte, so ehrlich müsste man sein.
Auch wenn wir tatsächlich den 2. Platz erreichen würden, in der für die WM notwendigen Form sind wir nicht, um die Quali dazu zu überstehen.

Allerdings sehe ich Möglichkeiten für die EM 2016.
Wenn man das Team jetzt in Ruhe aufbaut und den Trainer arbeiten lässt, halte ich das Mitmischen bei der EM in der Endrunde für erreichbar... :)

bravo herr koller

ich finde es richtig, dass er Arnautovic vor diesem medienrummel und dem treben gegen ihn n schutz nimmt. Jemanden auf den linken flügel den ball zuzuschieben mit der aufgabe mach was draus, ist für das mittelfeld zu wenig. Dass A. daran scheitern muss ist klar, alleine auf weiter flur, weil hosiner bei jedem lufthauch umgefallen und mehr am boden herumgelegen ist als gestanden ist respektive anspielbar war. Letztverantwortung hat herr koller und nicht herr pfeffer oder sonst irgendwelche selbsternannten experten.
alaba hat aus meiner sicht mindestens so schlecht gespielt, hat aus seiner position nichts gemacht und hat durch fehlpasses die mannschaft, die sich in der vorwärtsbewegung befunden hat mehr in bedrängnis gebracht als ihr genutzt. Fuchs eine frechheit, Pogerl aus gutem grund nur wechselspieler bei west ham.

zweiter gruppenplatz?

Das könnte spannend werden, denn momentan zählt der zweite in unserer Gruppe zu den schlechtesten Gruppenzeiten. Nur 8 von 9 kommen ins Playoff!

Bleibt der dreikampf weiter so eng steigt nur de auf!

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Stangenschuß

1. Im Artikel wird ein irischer Stangenschuß nicht erwähnt (Fersler). Das war sauknapp.

2. Fuch war exterm schwach und muß das 2. Tor verantworten

3. Pogatetz war gut bis auf den Elfer - das darf nich passieren

4. Arnautovic hat angeblich mitgespielt - ist nicht weiter aufgefallen.

5. Welche Torchancen hätten in der 2.Hälfte zu eine österr. Tor führen können, Hr Fuchs? Ein Ausgleich in der nachspielzeit fällt sicher unter die Rubrik "Glück" (des Tüchtigen)

6. ABER in Summe: gutes Spiel!

7. früher hätten sie nach dem 2Tor aufgegeben...


Re: Stangenschuß

ad 4: arnautovic war eine sehr häufig genutzte anspielstation und erfüllte wohl seine taktischen aufgaben.

Re: Re: Stangenschuß

m.a. war immer! die endstation beim ballbesitz. sowohl im zweikampf als auch im zuspiel war er ohne erfolg. (die sschüsse fern vom tor zähle ich gleich gar nicht).
dafür, und da gebe ich recht, war er oft und gern anspielbar - weil er sich immer im freien raum weg vom gegner bewegte....

2 0

Re: Stangenschuß

gutes posting, jeder punkt trifft ins schwarze. besonders der 2. ist hervorzuheben!

im guardian ist von einer technisch stärkeren österreichischen Mannschaft die Rede!

Trap empfindet das Unentschieden zwar nicht erfreut, aber schlussendlich verdient.

also wenn das kein Lob ist? ich verstehe den Unmut von ein paar Fans, aber eigentlich hat Irland Rugby gespielt!

Re: im guardian ist von einer technisch stärkeren österreichischen Mannschaft die Rede!

Manche der Iren sollten sich wirklich mit zwei "r" schreiben.

Re: im guardian ist von einer technisch stärkeren österreichischen Mannschaft die Rede!

stimmt, gegenüber den iren, die oft ungehalten in die zweikämpfe gingen, waren die österreicher die "feineren" techniker...

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Re: im guardian ist von einer technisch stärkeren österreichischen Mannschaft die Rede!

Rugby? Mein Gott, es wird halt nicht überall jeder Blödsinn gepfiffen, wie in unseren Ligen.

Re: Re: im guardian ist von einer technisch stärkeren österreichischen Mannschaft die Rede!

der rugbyvergleich kam von meinem Schwager. Als Bayer hat er wohl keine rotweissrotgefärbte Brille.

Gute Partei Österreichs

Die Abwehrleistung hat sich in meinen Augen unter Koller bislang wirklich verbessert, allgemein. Auch haben Verteidiger mittlerweile offensichtlich auch die Aufgabe mehr Offensivakzente zu setzen - was nur zu begrüssen ist, schliesslich will man ja selber auch ab und an ein Tor erarbeiten, den entsprechenden Druck ausüben können.

Die Stürmer mMn auch mit akzeptabler Leistung, da und dort fehlte eben wieder das berühmte Eitzerl - aber ich sehe auch dort jetzt nicht die grossen Probleme (oder Alternativen).

Wirklich überlegen waren uns die Iren mMn über einen relativ langen Zeitraum im Mittelfeld. Da machte sich der Körpereinsatz und die mMn höhere Laufbereitschaft der Inselkicker bezahlt. Trap weiss halt scheints immer noch was er tut.

Die Schwächen im Mittelfeld sind aus meiner Sicht über die Schwächen unserer heimischen Liga erklärbar. Hier wäre es fürs Nationalteam von Vorteil wenn die Spieler jedes Spiel voll gefordert würden und nicht zwischendurch mit halbem Einsatz den vermeintlichen Pflichtsieg gegen deutlich schwächere Teams (als folge der divergenten Budgets) einfahren könnten.

Trotzdem - das Nationalteam scheint auf gutem Weg zu sein. Dass die Quali wirklich klappt, da würde ich zwar nicht drauf wetten - aber es macht langsam wirklich wieder Spass zuzusehen. Danke dafür!

Re: Gute Partei Österreichs

Gute Partei Österreichs ? GPÖ ?

Interessante politische Neugründung. Sorry, aber den konnte ich mir jetzt nicht verkneifen.

Re: Gute Partei Österreichs

dem meisten kann ich voll zustimmen, nur dass die gestrige schwäche im mittelfeld auf die heimische liga zurückzuführen wäre, ist natürlich ein käse, weil überhaupt kein spieler aus der heimischen liga gespielt hat und im mittelfeld auch nicht so schnell einer spielen wird.

müssten wir mit spielern aus der öst. buli spielen, hätten die uns gestern abgeschossen

Re: Re: Gute Partei Österreichs

Hosiner spielt (noch) in der heimischen Liga.

Re: Re: Re: Hosiner spielt (noch) in der heimischen Liga.

Der hat aber auch, nach einer einzigen "guten Tat", leider nur die Zahl 10 auf 11 ergänzt. Aber das kann kein persönlicher Vorwurf sein. In der BuLi existiert halt ein etwas anderes Niveau. Und das wird sich auch nicht ändern, denn auch die früheren, besseren Nationalmannschaften profitierten fast ausschließlich von Legionären.

Re: Re: Re: Re: Hosiner spielt (noch) in der heimischen Liga.

Hosiner wird seinen Weg machen.

"Wir waren die bessere Mannschaft, haben ständig Druck gemacht und sind dafür mit dem Punkt belohnt worden."

Was für ein Spiel wurde gestern auf ATV übertragen ?

Anscheinend nicht das, von dem Hr. Fuchs schwadroniert.

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Irland hat gestern Österreich schwindlig gespielt. Wobei das eine anerkennswerte Leistung ist, derart unterlegen doch noch einen Punkt mitzunehmen.

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Warum nach dem Foul an Januzuvic die Mannschaft nicht aufgestachelt wurde, sondern eingebrochen ist, ist erklärungsbedürftig.

Hatten die Spieler plötzlich Angst um ihre Gesundheit (und um den Platz in ihren Vereinen) ?

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Insgesamt : ein spannendes und aufregendes Spiel !


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Fuer alle Kritiker!!

Wir haben "zufaellig" trotzdem die beste Defensive der Gruppe. Auch vor Deutschland.

Re: Fuer alle Kritiker!!

weil wir bislang nur gegen die jausengegner (und D) gespielt haben.

 
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