2:2 gegen Irland: Alaba hält den WM-Traum am Leben

Nur ein Weitschuss von David Alaba rettete Österreich das 2:2-Remis in Dublin. Pogatetz und Arnautovic enttäuschten schwer, Teamchef Koller wechselte zu spät.

David Alaba jubelt
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David Alaba jubelt
David Alaba jubelt – APA-FOTO: GEORG HOCHMUTH

David Alaba musste wieder einmal Österreichs Fußballteam retten. Die 1:2-Niederlage in Dublin schien schon besiegelt. Dem ÖFB-Team fehlten Ideen und Systeme, um der irischen Abwehr mit ihrem harten, kompromisslosen Stil beizukommen. Erst im Finish setzte Österreich alles auf eine Karte, riskierte und griff mit dem „Mut der Verzweiflung“ an. Alaba gelang mit einem Weitschuss das 2:2-Remis. „Ein wichtiger Punkt, es geht weiter“, sagte er. „Wir sind noch im Rennen.“

Marcel Koller hatte sich für den Auftritt im „Aviva Stadium“ von Dublin etwas einfallen lassen. Er hatte nach dem 6:0 gegen die Färöer nur eine Veränderung vorgenommen – Martin Harnik durfte anstelle von Andreas Ivanschitz beginnen. Der Stuttgart-Spieler, so Koller, „bringt mehr Tempo über die Flanken“. Und damit bei Irlands Teamchef Giovanni Trapattoni keinerlei Nostalgie auflebt, blieben mit Leitgeb und Janko zwei weitere ehemalige Salzburg-Spieler anfangs auf der Bank.

Junuzovic mit Foul ausgeschaltet

Koller setzte gegen die Iren – sie bevorzugen plump hoch geschlagene Bälle, um ihr Offensivspiel zu gestalten –, auf Beweglichkeit. Die Achse Junuzovic-Hosiner im Zusammenspiel mit Harnik sollte Koller auch nicht enttäuschen. Der Bremen-Spieler luchste Clark den Ball ab, Hosiner lief weg und machte Platz, Junuzovic passte zu Harnik, der das 1:0 (11.) erzielte. Es hallten „Immer wieder“-Choräle durch das mit 40.000 Zuschauern gefüllte Stadion.

In letzter Minute: Österreich rettet Punkt in Irland

Es sollte Junuzovics' letzte Glanztat bleiben. Irland hatte sein Talent erkannt und dieses Problem prompt gelöst: James McCarthy streckte bei einem Tackling sein Bein etwas härter durch. Junuzovic humpelte mit einer Rissquetschwunde vom Platz (20.).

Österreichs Spieler wirkten geschockt, mit einem Tritt war ihr Spielfluss dahin, herrschte dafür Chaos. Standen sich Lindner und Pogatetz in Minute 23 noch folgenlos im Weg, bewies der West-Ham-Abwehrspieler im darauf folgenden Angriff der Iren seine größte Schwäche: seine Unbeholfenheit. Long war ihm entwischt, er hatte den Ball an der Toroutlinie getrost gestoppt und wurde dafür von Pogatetz im Strafraum ungestüm zu Fall gebracht. Walters verwandelte den Elfmeter (24.) sicher zum 1:1.

Ab diesem Zeitpunkt spielten nur noch die Gastgeber. Gegen die Angriffe mit hohen Bällen wussten Alaba, Fuchs und Co. keine Antwort. Die ÖFB-Abwehr war überfordert. Damit blieb den Iren viel Zeit: Longs Fersler (38.) klatschte nur an die Stange. Kurz vor der Pause gab es Grund zur Freude. Ein Eckball, natürlich hoch geschlagen, segelte in den Strafraum. Walters war mit dem Kopf zur Stelle, Schalke-Legionär Fuchs wirkte nur noch wie ein Statist – 1:2 (45.).

Nach Wiederbeginn wirkte Kollers Mannschaft ratlos, die „Boys in Green“ bestimmten das Geschehen mit Tempo, Einsatz und Ideen. James McClean, ein gebürtiger Nordire, hätte endgültig in Irland Anerkennung gefunden, hätte sein Freistoß (46.) gepasst. Es wäre wohl die Vorentscheidung gewesen.

>> Gruppe C: Die Tabelle

Irish Folk statt Samba-Klang

Zuordnung und Taktik fehlten, von Ruhe und Übersicht war in der Abwehr weiterhin keine Spur. Je konsequenter die Iren ihr Pressing betrieben umso fehleranfällig wurden die Österreicher. Auch die Fangesänge der Iren verfehlten ihre Intention nicht: Je lauter sie wurden, desto schneller gerieten Sambaklänge und dessen emotionsgeladener Zweivierteltakt bei den Österreichern in Vergessenheit. Auch die anfänglichen „Immer wieder“-Rufe waren längst verhallt.

Irland, zuletzt 0:0 gegen Schweden, hatte eindeutig die Oberhand. Die viel zu späten Wechsel von Janko (für den sehr schwachen Hosiner, 60.) und Weimann (für Kavlak, 67.) veränderten nichts. Garics sorgte für Bewegung, nur seine Pässe fanden keinen Abnehmer. Dafür sorgten Stellungsfehler (Fuchs), Fehlpässe (Pogatetz, Janko) sowie Steh-Fußball (Arnautovic) für Unverständnis. Lindner verhinderte mit einer Traumparade (69.) Schlimmeres.

Im Angriff wollte nichts gelingen, und zwar gar nichts. Janko vergab in Minute 91 sogar einen „Sitzer“. Österreich lief verzweifelt Sturm, solange bis Alaba (92.) mit einem satten Weitschuss der Ausgleich zum 2:2 noch gelang. Nur sein Tor lässt den Traum von der WM 2014 vorerst weiterleben.

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