Koller: „Wir haben noch nichts erreicht“

27.03.2013 | 18:15 |  CHRISTOPH GASTINGER (Die Presse)

Teamchef Marcel Koller sprach nach dem 2:2 gegen Irland Lob und Kritik aus, Marko Arnautović nahm er in Schutz. Schweden könne man im Juni Probleme bereiten.

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Wien. Teamchef Marcel Koller hat so manche Lieblingswörter, von denen er besonders gern und häufig Gebrauch macht. Eines davon ist „Entwicklung“. Am Tag nach dem 2:2 im WM-Qualifikationsspiel gegen Irland sprach er sie wieder an, die Entwicklung. Der Schweizer, der es sich vor 17 Monaten zur Aufgabe gemacht hat, Österreichs Nationalmannschaft internationale Klasse einzuimpfen, hat in Dublin bei seiner Mannschaft Fortschritte erkannt. Er lobte vorweg die Einstellung der Spieler: „Sie haben gesehen, dass es sich lohnt, bis zum letzten Atemzug zu kämpfen. Das war ein Sieg für die Moral.“

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Der 52-Jährige sieht das Team auf einem guten Weg, in Irland wurden aber auch schonungslos Schwächen aufgedeckt. Giovanni Trapattonis „Boys in Green“ führten die Zweikämpfe in der Luft wie auf dem Boden ohne Kompromisse, mit Wucht und Intensität. Einige Spieler, darunter Philipp Hosiner, wurden brutal abmontiert.

Mit dem schmächtigen Austrianer, nach dem Doppelpack gegen die Färöer noch hoch gelobt, hatten Irlands Verteidiger ihre Freude. „Er hat gesehen, dass international ein anderer Wind weht“, meinte Koller und ergänzte: „Nächste Saison könnte Austria international spielen. Das wird auch ihm weiterhelfen.“

 

Lindner heizt Torwartfrage an

Mit der Leistung des zweiten violetten Meister-Kickers in spe, Torhüter Heinz Lindner, zeigte sich Koller durchwegs zufrieden. „Er hat uns mit einer tollen Parade vor dem 1:3 bewahrt, hat seine Sache in den beiden Länderspielen gut gemacht.“ Noch im November hatte der 22-Jährige im Test gegen die Elfenbeinküste kräftig gepatzt, „aber er ist an diesem Fehler nicht zerbrochen“.

Ob Lindner auch künftig Düsseldorf-Reservist Robert Almer ersetzen wird, ließ der Teamchef offen. Es sei schlicht noch zu früh, darüber zu diskutieren.

Einmal mehr für Aufregung sorgte Dienstagabend Marko Arnautović. Der Bremer trug wenig bis gar nichts zum Offensivspiel bei. Er glänzte nur durch fehlerhafte Zuspiele. Torgefahr strahlte der 23-Jährige schon gar keine aus. Koller aber ließ sein Enfant terrible über die volle Spielzeit auf dem Platz toben – wie schon in den vier vorangegangenen Qualifikationsspielen. Der Wiener genießt nach wie vor das Vertrauen seines Vorgesetzten, auch nach schwachen Spielen. „Wir brauchen Marko, wissen, dass er ein hervorragender Spieler ist“, sagte Koller voller Überzeugung. Er stellte sich sogar schützend vor seinen Spieler. „Wir müssen jetzt nicht auf Einzelnen herumhacken.“ Dennoch, um ein härteres Gespräch dürfte Koller mit seinem Schützling nicht umhinkommen.

 

„Fußball ist ein Fehlerspiel“

Nach dem Punktgewinn gegen den direkten Konkurrenten Irland dürfen Österreichs Teamspieler weiter von Brasilien träumen. Am 7. Juni empfängt das Team Schweden, dann wird ein Remis jedoch gewiss zu wenig sein. „Wir haben noch nichts erreicht“, warnte Koller, der davon überzeugt ist, Schweden Probleme bereiten zu können. Bewusst nahm er davon Abstand, aus dem Irland-Spiel Schlüsse für das Duell mit den Skandinaviern zu ziehen. Es werde „ein anderes Spiel“. Schweden halten den Ball flach, agieren kaum über Flanken.

Bis zum Kräftemessen mit Ibrahimovic und Co. wird eine weitere Entwicklung notwendig sein. Fehler wie jenes Elfmeter-Foul von Emanuel Pogatetz, das den Spielverlauf kippte, müsse man tunlichst unterlassen. „Fußball“, erklärte Koller das Spiel mit dem Ball in aller Einfachheit, „ist ein Fehlerspiel. Je weniger Fehler du machst, desto weiter wirst du kommen.“ Im Optimalfall bis nach Brasilien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2013)

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113 Kommentare
 
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und werden es wahrscheinlich auch nicht


Großer Unterschied

Unter DiCo und Co hätten unsere Spieler niemals nach 1:0 und einem dann folgenden Rückstand niemals ein Unentschieden geholt. Früher haben wir unglückliche Tore in der Nachspielzeit bekommen - heute machen wir solche Tore. Einstellung, Kampfgeist ist ohne Zweifel unter Koller auf einem ganz anderen Niveau - weiter so.

Der berühmte "Bayern-Dusel"

wie es in Deutschland heißt, ein Tor in allerletzter Minute. Diesmal im Dienste des ÖFB-Teams.

„Wir haben noch nichts erreicht“

stimmt!

gescheiter bub


Denke,

dass man die WM als Ziel streichen sollte, so ehrlich müsste man sein.
Auch wenn wir tatsächlich den 2. Platz erreichen würden, in der für die WM notwendigen Form sind wir nicht, um die Quali dazu zu überstehen.

Allerdings sehe ich Möglichkeiten für die EM 2016.
Wenn man das Team jetzt in Ruhe aufbaut und den Trainer arbeiten lässt, halte ich das Mitmischen bei der EM in der Endrunde für erreichbar... :)

bravo herr koller

ich finde es richtig, dass er Arnautovic vor diesem medienrummel und dem treben gegen ihn n schutz nimmt. Jemanden auf den linken flügel den ball zuzuschieben mit der aufgabe mach was draus, ist für das mittelfeld zu wenig. Dass A. daran scheitern muss ist klar, alleine auf weiter flur, weil hosiner bei jedem lufthauch umgefallen und mehr am boden herumgelegen ist als gestanden ist respektive anspielbar war. Letztverantwortung hat herr koller und nicht herr pfeffer oder sonst irgendwelche selbsternannten experten.
alaba hat aus meiner sicht mindestens so schlecht gespielt, hat aus seiner position nichts gemacht und hat durch fehlpasses die mannschaft, die sich in der vorwärtsbewegung befunden hat mehr in bedrängnis gebracht als ihr genutzt. Fuchs eine frechheit, Pogerl aus gutem grund nur wechselspieler bei west ham.

zweiter gruppenplatz?

Das könnte spannend werden, denn momentan zählt der zweite in unserer Gruppe zu den schlechtesten Gruppenzeiten. Nur 8 von 9 kommen ins Playoff!

Bleibt der dreikampf weiter so eng steigt nur de auf!

Stangenschuß

1. Im Artikel wird ein irischer Stangenschuß nicht erwähnt (Fersler). Das war sauknapp.

2. Fuch war exterm schwach und muß das 2. Tor verantworten

3. Pogatetz war gut bis auf den Elfer - das darf nich passieren

4. Arnautovic hat angeblich mitgespielt - ist nicht weiter aufgefallen.

5. Welche Torchancen hätten in der 2.Hälfte zu eine österr. Tor führen können, Hr Fuchs? Ein Ausgleich in der nachspielzeit fällt sicher unter die Rubrik "Glück" (des Tüchtigen)

6. ABER in Summe: gutes Spiel!

7. früher hätten sie nach dem 2Tor aufgegeben...


Re: Stangenschuß

ad 4: arnautovic war eine sehr häufig genutzte anspielstation und erfüllte wohl seine taktischen aufgaben.

Re: Re: Stangenschuß

m.a. war immer! die endstation beim ballbesitz. sowohl im zweikampf als auch im zuspiel war er ohne erfolg. (die sschüsse fern vom tor zähle ich gleich gar nicht).
dafür, und da gebe ich recht, war er oft und gern anspielbar - weil er sich immer im freien raum weg vom gegner bewegte....

Re: Stangenschuß

gutes posting, jeder punkt trifft ins schwarze. besonders der 2. ist hervorzuheben!

im guardian ist von einer technisch stärkeren österreichischen Mannschaft die Rede!

Trap empfindet das Unentschieden zwar nicht erfreut, aber schlussendlich verdient.

also wenn das kein Lob ist? ich verstehe den Unmut von ein paar Fans, aber eigentlich hat Irland Rugby gespielt!

Re: im guardian ist von einer technisch stärkeren österreichischen Mannschaft die Rede!

Manche der Iren sollten sich wirklich mit zwei "r" schreiben.

Re: im guardian ist von einer technisch stärkeren österreichischen Mannschaft die Rede!

stimmt, gegenüber den iren, die oft ungehalten in die zweikämpfe gingen, waren die österreicher die "feineren" techniker...

Re: im guardian ist von einer technisch stärkeren österreichischen Mannschaft die Rede!

Rugby? Mein Gott, es wird halt nicht überall jeder Blödsinn gepfiffen, wie in unseren Ligen.

Re: Re: im guardian ist von einer technisch stärkeren österreichischen Mannschaft die Rede!

der rugbyvergleich kam von meinem Schwager. Als Bayer hat er wohl keine rotweissrotgefärbte Brille.

Gute Partei Österreichs

Die Abwehrleistung hat sich in meinen Augen unter Koller bislang wirklich verbessert, allgemein. Auch haben Verteidiger mittlerweile offensichtlich auch die Aufgabe mehr Offensivakzente zu setzen - was nur zu begrüssen ist, schliesslich will man ja selber auch ab und an ein Tor erarbeiten, den entsprechenden Druck ausüben können.

Die Stürmer mMn auch mit akzeptabler Leistung, da und dort fehlte eben wieder das berühmte Eitzerl - aber ich sehe auch dort jetzt nicht die grossen Probleme (oder Alternativen).

Wirklich überlegen waren uns die Iren mMn über einen relativ langen Zeitraum im Mittelfeld. Da machte sich der Körpereinsatz und die mMn höhere Laufbereitschaft der Inselkicker bezahlt. Trap weiss halt scheints immer noch was er tut.

Die Schwächen im Mittelfeld sind aus meiner Sicht über die Schwächen unserer heimischen Liga erklärbar. Hier wäre es fürs Nationalteam von Vorteil wenn die Spieler jedes Spiel voll gefordert würden und nicht zwischendurch mit halbem Einsatz den vermeintlichen Pflichtsieg gegen deutlich schwächere Teams (als folge der divergenten Budgets) einfahren könnten.

Trotzdem - das Nationalteam scheint auf gutem Weg zu sein. Dass die Quali wirklich klappt, da würde ich zwar nicht drauf wetten - aber es macht langsam wirklich wieder Spass zuzusehen. Danke dafür!

Re: Gute Partei Österreichs

Gute Partei Österreichs ? GPÖ ?

Interessante politische Neugründung. Sorry, aber den konnte ich mir jetzt nicht verkneifen.

Re: Gute Partei Österreichs

dem meisten kann ich voll zustimmen, nur dass die gestrige schwäche im mittelfeld auf die heimische liga zurückzuführen wäre, ist natürlich ein käse, weil überhaupt kein spieler aus der heimischen liga gespielt hat und im mittelfeld auch nicht so schnell einer spielen wird.

müssten wir mit spielern aus der öst. buli spielen, hätten die uns gestern abgeschossen

Re: Re: Gute Partei Österreichs

Hosiner spielt (noch) in der heimischen Liga.

Re: Re: Re: Hosiner spielt (noch) in der heimischen Liga.

Der hat aber auch, nach einer einzigen "guten Tat", leider nur die Zahl 10 auf 11 ergänzt. Aber das kann kein persönlicher Vorwurf sein. In der BuLi existiert halt ein etwas anderes Niveau. Und das wird sich auch nicht ändern, denn auch die früheren, besseren Nationalmannschaften profitierten fast ausschließlich von Legionären.

Re: Re: Re: Re: Hosiner spielt (noch) in der heimischen Liga.

Hosiner wird seinen Weg machen.

"Wir waren die bessere Mannschaft, haben ständig Druck gemacht und sind dafür mit dem Punkt belohnt worden."

Was für ein Spiel wurde gestern auf ATV übertragen ?

Anscheinend nicht das, von dem Hr. Fuchs schwadroniert.

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Irland hat gestern Österreich schwindlig gespielt. Wobei das eine anerkennswerte Leistung ist, derart unterlegen doch noch einen Punkt mitzunehmen.

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Warum nach dem Foul an Januzuvic die Mannschaft nicht aufgestachelt wurde, sondern eingebrochen ist, ist erklärungsbedürftig.

Hatten die Spieler plötzlich Angst um ihre Gesundheit (und um den Platz in ihren Vereinen) ?

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Insgesamt : ein spannendes und aufregendes Spiel !


Fuer alle Kritiker!!

Wir haben "zufaellig" trotzdem die beste Defensive der Gruppe. Auch vor Deutschland.

Re: Fuer alle Kritiker!!

weil wir bislang nur gegen die jausengegner (und D) gespielt haben.

 
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