CL: Messi war auf dem Platz, aber nie im Spiel

Beim 0:4 im Champions-League-Halbfinale gegen Bayern München gab Barcelona-Star Lionel Messi ein glanzloses Comeback. Auch Schiedsrichter Viktor Kassai erwischte nicht seinen besten Tag.

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CL: Messi war auf dem Platz, aber nie im Spiel – (c) EPA (ANDREAS GEBERT)

Barcelona/Wien. Ohnehin bereits nicht der Größte, schien Lionel Messi bei der Ankunft in Barcelona noch ein Stück kleiner. Schweigend und mit hängendem Kopf verließ der Superstar das Flugzeug, im Gepäck eine bittere 0:4-Niederlage im Champions-League-Halbfinale gegen Bayern München – Barcelonas höchster Niederlage seit 1997.

Tagelang hatte Messis Adduktorenverletzung die Medien in Atem gehalten, ruhten alle katalanischen Hoffnungen auf seiner rechtzeitigen Genesung. Ein genialer Spieler wie Messi ist immer Barcelonas großer Trumpf. In 79 Spielen hat der Argentinier nicht weniger als 85 Torbeteiligungen beigesteuert, in den letzten vier Jahren krönte er sich jeweils zum Topscorer. Beinahe spürbar war daher die Erleichterung, als die Nummer zehn pünktlich zum Anpfiff auf dem Rasen erschien.

Doch die Ernüchterung folgte auf dem Fuß. Messi stand zwar auf dem Feld, ins Spiel aber fand er nie. Während der deutsche Meister auf Standards setzte und bei Balleroberung sofort in den schnellen Angriff überging, schien Barcelona auf Messis genialen Moment zu hoffen. Die Katalanen verzeichneten 68 Prozent Ballbesitz, wussten aber damit nichts anzufangen. Ein harmloser Schuss auf das Tor und eine gute Chance nach einem Freistoß blieben die gesamte Ausbeute – sinnbildlich, dass in beiden Fällen mit Marc Bartra ausgerechnet ein Innenverteidiger zum Abschluss kam.

Messi selbst kam gar nicht in diese Verlegenheit, mit nur 76 Ballkontakten im ganzen Spiel verzeichnete er den schlechtesten Wert in der gesamten Saison. 57 Pässe und nur zwei erfolgreiche Dribblings rundeten das Bild eines gänzlich misslungenen Abends ab.

Messi: „Habe mich gut gefühlt“

Anschließende Fragen, ob das Comeback zu früh gekommen sei, dementierte Messi. „Ich habe mich gut gefühlt“, erklärte er. Ko-Trainer Jordi Roura lobte trotz allem Messis Engagement. „Leo hat einen enormen Aufwand betrieben, um überhaupt hier zu sein. Darauf müssen wir stolz sein“, sagte der 46-Jährige. Im Gegensatz zum Kurzeinsatz gegen Paris St. Germain, bei dem Messi für den Umschwung sorgte, reichte es diesmal aber nicht. Denn nicht nur der viermalige Weltfußballer, sondern auch seine Teamkollegen zeigten eine mehr als überschaubare Leistung. Vor allem die Abwehr wackelte nach den Ausfällen von Carles Puyol und Javier Mascherano gewaltig, jeder hohe Ball in den Strafraum wurde zur Gefahr.

Auch Schiedsrichter Viktor Kassai erwischte nicht seinen besten Tag. Der Ungar und sein Team empfahlen sich mit der Anerkennung von zwei klar irregulären und einem strittigen Tor sowie ein bis zwei nicht gegebenen Elfmetern für Bayern keinesfalls für weitere Aufgaben. „Wir brauchen nicht über den Schiedsrichter zu reden. Die Bayern waren einfach stärker“, legte sich Verteidiger Gerard Pique dennoch fest. „Wenn der Gegner besser ist, kann man nur gratulieren. Diese Bayern sind die stärkste Mannschaft, gegen die ich seit langer Zeit gespielt habe“, gestand Dani Alves. Eine Wende im Rückspiel am 1. Mai scheint ausgeschlossen. Noch nie seit Einführung der Auswärtstorregel konnte eine Mannschaft im Europacup einen 0:4-Rückstand noch drehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2013)

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