"Alaba ist ein Juwel – als Verteidiger"

Karl-Heinz Rummenigge schwärmt, David Alaba strahlt – die Fußballwelt bei Bayern München scheint in Ordnung. Gespräche an der Säbener Straße über Klub, Mythos, ÖFB – und die Aufstellung.

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(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Thomas Bachun)

„Zur Säbener Straße? Sehr gerne!“ Der Taxifahrer fackelt nicht lange, denn geht es um den FC Bayern und einen Besuch auf dem ehrwürdigen Trainingsgelände, geht alles in München plötzlich ein bisschen schneller. Fanshop, Schranken, Trainingsplatz, Allee, hier hat sich fast nichts verändert beim deutschen Rekordmeister. Spieler kommen, Trainer gehen, der Verein steht auch in dieser Saison wieder hoch im Kurs. Im Viertelfinale der Champions League, im DFB-Cup und in der Meisterschaft sind Titel möglich – der FCB, geleitet vom italienischen Fußballspezialisten Carlo Ancelotti, ist auf der Überholspur. Wie immer: „Mia-san-mia“, aber das steht im Shop sogar auf der Eingangstür.

Ein Teil der Erfolgsgeschichte sind seit Dienstag nicht mehr nur ÖFB-Star David Alaba oder Viktoria Schnaderbeck, sondern auch Marco Friedl. Der Linksverteidiger, 18, erhielt einen Profivertrag bis 2021, „zu Recht. Wir sehen Potenzial in ihm, er hat sich dieses Vertrauen verdient“, sagte Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende der Bayern, der sich eine Stunde Zeit nahm, um einer von TV-Sender Sky geladenen Journalistenrunde Klub, Mythos und Spieler zu erklären. Hier sei alles „wunderbar, historisch gewachsen, wir haben genug Geld – und Erfolg.“ Man dürfe „nicht naiv sein“, müsse bei TV- und Merchandisingverträgen aufholen, der Markt ruhe nicht, die Konkurrenz „wird reicher, also besser.“ Dennoch stehen die Bayern als Nummer 2 Europas („hinter Real“) über fast allem. Dass das nächste Triple möglich ist nach 2013, verstehe sich von selbst.

Ein Wiener Unikat

Und Österreich? Es habe gute Fußballer, verkaufe sich zumeist aber unter Wert. Understatement, das mag man hier wirklich nicht an der Säbener Straße. Dabei gebe es doch außergewöhnliche, gut erzogene, fröhliche und grandiose Spieler – „wie David Alaba. Er ist ein ganz toller Mensch!“
Alaba, 24, ist seit 2008 in München. Er wurde hier erwachsen, sagt Rummenigge, habe spielen, das Siegen gelernt. Jeder Trainer schwärme ausnahmslos über den Wiener, er sei bei zig Klubs begehrt, aber ein Verkauf komme „sicher nie“ infrage.

Deutschlands Fußballlegende räumte auch prompt mit der Frage auf, welche Position denn Alaba spielen sollte. Links in der Abwehr oder doch im Mittelfeld? „Ich habe ihm empfohlen, sich als Verteidiger zu definieren. Da muss man doch mit dem Fernrohr ins Gebirge schauen, um einen ähnlichen Spieler zu finden! Sie werden aber keinen sehen, weil es keinen gibt.“ Maximal der „Wuschelkopf“ von Real (Marcello, Anm.) habe ähnliche Anlagen, aber Alaba sei gewiss anders. „Wie der zuletzt die Außenlinie runtergaloppiert ist und geflankt hat, war schon irre.“

Dass Münchens Juwel im ÖFB-Team im Mittelfeld aufläuft, kommentierte Rummenigge nur mit einem süffisanten Lächeln. Das müsse doch Marcel Koller entscheiden, dazu sage er nichts. Der rede „unserem Carlo“ ja auch nicht drein.

Viele SMS von Arnautović

Alaba selbst ist diese Diskussion offenbar leid. Er hörte zwar die Worte der Fragerunde, schien aber entweder noch müde vom Drake-Konzert und abgelenkt von diversen NFL-Trades („Ich mag die Giants!“), nur seine Antwort blieb lange aus. „Hier spiele ich links hinten“, sagt der Wiener, der neuerdings Lesebrillen zum Autofahren trägt und seine Entwicklung so schildert: „Ich kam als 16-Jähriger, habe mit 18 eine Wohnung erhalten. Ich spiele auf der linken Seite mit Franck (Ribery, Anm.).“

Dass er im ÖFB-Team („Arnautovic vermisst mich schon, er schickt so viele SMS“) in der Mitte spielt, habe er mit Koller geklärt. Punkt. Der Trainer entscheide, „nur er“; also seien Fragen dazu unnötig. Die Benchmark für das WM-Qualifikationsspiel am 24. März gegen Moldau in Wien ist auch allen klar: „Gewinnen, keine Frage.“ Jeder im Team glaube noch an die erfolgreiche WM-Qualifikation, das Ticket für Russland 2018 sei noch zu erreichen. Anderes zu denken sei kontraproduktiv. Das stimme nicht mit dem Erfolgsweg überein, das sei doch Understatement.

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