Pep Guardiola: Ein Trainerstar auf dem Tiefpunkt

Mit Manchester City hat sich Pep Guardiola so früh wie noch nie aus dem Titelrennen um die Champions League verabschiedet. Die Lösung: noch mehr Geld und ein gewaltiger Kaderumbruch.

Galt als bester Trainer der Welt: Pep Guardiola
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Galt als bester Trainer der Welt: Pep Guardiola
Galt als bester Trainer der Welt: Pep Guardiola – (c) REUTERS (Andrew Couldridge)

Manchester/Wien. Das Konsortium aus Abu Dhabi um Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan bezahlt Pep Guardiola, um mit Manchester City die Champions League zu gewinnen. Alle seine Vorgänger sind an dieser Vorgabe gescheitert, Manuel Pellegrini schaffte es im Vorjahr immerhin ins Halbfinale, für Guardiola war nun schon im Achtelfinale Endstation.

1:3 hat City bei AS Monaco verloren und so einen 5:3-Vorsprung verspielt, zum ersten Mal in der Champions League ist eine Mannschaft nach fünf erzielten Hinspiel-Toren noch ausgeschieden, und zum ersten Mal hat sich der Katalane vor dem Halbfinale aus dem Titelrennen verabschiedet. Zweimal gewann er die Königsklasse mit Barcelona, mit den Bayern stand er dreimal in Folge unter den letzten vier. Während er in München stets das Minimalziel Meisterschaft unter Dach und Fach brachte, droht in Manchester nun eine titellose Saison. Auch das hat es in seiner Trainerkarriere noch nicht gegeben.

In der Premier League ist Chelsea enteilt, zeigt zudem keine Schwächen, City muss am Sonntag auch noch Tabellenrang drei gegen Liverpool verteidigen. Im Ligacup kam gegen den Stadtrivalen Manchester United das Aus, einzig im FA-Cup (Halbfinale gegen Arsenal) ist City noch im Rennen.

Fünf Stürmer, kein Torschuss

Angesichts der hohen Erwartungen würde aber selbst ein FA-Cup-Triumph Guardiolas Debütsaison in England nicht retten. Schließlich hatte es so vielversprechend begonnen. Zu seinem Einstand legte der Katalane eine Siegesserie von zehn Partien hin, die englische Fußballwelt staunte. City kann sich nach wie vor in einen Rausch spielen, den Guardiola-Stil zelebrieren: hohes Pressing, gefolgt von schlagartigen Überfällen, demonstriert zuletzt im Hinspiel gegen Monaco, als sich die Citizens schon am Rande der Niederlage wiederfanden, mit überragender Schlussphase aber noch 5:3 siegten.

Trotz dieser Führung blieb Guardiola seinem Offensivfußball treu, stellte im Fürstentum fünf Offensivkräfte in die Startelf (Raheem Sterling, David Silva, Kevin De Bruyne, Leroy Sané, Sergio Agüero). Nur: Bis zu Minute 61 gab überhaupt kein City-Spieler auch nur einen Torschuss ab, Guardiolas Mannen wurden in Monaco vorgeführt. „Wir haben die erste Hälfte völlig verschlafen. So wie in der zweiten Hälfte zu spielen wäre genug gewesen“, meinte der Coach, vergaß dabei aber, dass sein Team das am Ende entscheidende Gegentor in der 77. Minute kassierte.

Die Auswärtsschwäche bleibt ein dunkler Fleck in der sonst so beeindruckenden Champions-League-Bilanz des Spaniers, schon mit den Bayern gewann er nur eines von neun Auswärtsspielen in der K.-o.-Phase. Dass es schon in seiner ersten Saison in Manchester für einen großen Titel reicht, hat Guardiola aber stets bezweifelt. Zudem trägt der Kader von City erst teilweise seine Handschrift. Vor allem für die Verteidigung sucht er Verstärkung, die um 100 Millionen Euro eingekaufte Innenverteidigung mit Nicolas Otamendi und John Stones (in Monaco spielten Stones und Aleksandar Kolarov) erwies sich alles andere als sattelfest.

18 City-Profis zittern

Insgesamt haben die arabischen Eigentümer schon weit über eine Milliarde investiert, zwei Meistertitel (2012, 2014) waren das Höchste der Gefühle, in der Champions League setzte es nun das vierte Achtelfinal-Aus in den jüngsten fünf Jahren. Die Lösung: noch mehr Geld. 170 Millionen sollen im Sommer bereitstehen, um den größten Kaderumbruch seit der Übernahme 2008 einzuleiten, für 18 City-Profis ist die Zukunft ungewiss. Guardiola selbst dürfte weiterhin Vertrauen genießen, er sagt: „Ich habe es versucht. Und ich werde es wieder versuchen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.03.2017)

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