Europa League: Austria Wien will Milans 332-Millionen-Truppe ärgern

Der Vergleich zwischen Austria und AC Milan hinkt in vielerlei Hinsicht, Coach Thorsten Fink beschwört vor dem heutigen Europa-League-Spiel auch deshalb den Geist von Rom. Er sagt: „Wir können Milan ärgern.“

Milans Andre Silva in den Europa-League-Playoffs
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Milans Andre Silva in den Europa-League-Playoffs
Milans Andre Silva in den Europa-League-Playoffs – REUTERS

Wien. Es gibt Fußballspiele in Wien, die möchte man als Liebhaber dieses Sports unbedingt gesehen haben. Gastiert wie heute (19 Uhr, live in Puls 4) der AC Milan anlässlich des ersten Europa-League-Spieltags bei der Wiener Austria im Ernst-Happel-Stadion, dann darf man getrost von einem dieser besonderen Spiele sprechen. Das Interesse im Vorfeld war erwartungsgemäß groß, die Rossoneri haben zweifelsohne eine immense Strahlkraft. Bis Mittwochmittag waren 26.000 Karten abgesetzt, aus Italien werden 2000 Fans erwartet.

Dass bis Anpfiff die 30.000-Besucher-Marke geknackt wird, gilt als sicher. „Alles andere wäre eine kleine Enttäuschung“, gab Austrias Finanzvorstand Markus Kraetschmer zu verstehen. Auch andere Zahlen bestätigen die Besonderheit dieses Spiels: In über 50 Ländern wird live übertragen, zudem trudelten in der Austria-Pressestelle um ein Drittel mehr Akkreditierungsansuchen ein als für die Champions-League-Heimspiele der Violetten vor vier Jahren.

Würden Marktwerte (20,4 Mio. bzw. 332 Mio. Euro) Tore schießen, müsste diese Begegnung erst gar nicht angepfiffen werden. Vergleiche dieser Art anzustellen sei allerdings sinnbefreit, meint Franz Wohlfahrt, seit Jänner 2015 Sportdirektor der Austria. „Im Fußball geht es nicht nur ums Geld. Und genau das ist unsere Chance.“

 

Eine andere Welt

Trainer Thorsten Fink könnte endlos lang über die Qualitäten der Mailänder sprechen, natürlich sind sie höher als jene der Wiener. „Sie zeigen tolle Laufwege, haben mit Bonucci den vielleicht besten Verteidiger der Welt“, sinniert der Deutsche. Doch wer wie Milan in der jüngsten Transferperiode fast 200 Millionen Euro in neue Spieler investiert, der verfolgt andere Ziele als der österreichische Vizemeister. Fink: „Für mich ist Milan ein Team, das den Anspruch haben sollte, die Europa League zu gewinnen.“

Also beschränkt sich Austrias Hoffnung auf das Stützen alter Fußballthesen. „Im Fußball“, sagt Fink, „ist alles möglich.“ Seine Mannschaft habe genügend Qualität, um Milan „zu ärgern“. Doch wie kann sie gelingen, die Überraschung? Sich ausschließlich auf das Spiel über die schnellen Flügel und Konter zu verlassen, werde über 90 Minuten nicht funktionieren, versichert Fink. „Wir brauchen auch Ballbesitzphasen, sonst erdrückt uns Milan irgendwann.“

Der 49-Jährige erinnerte seine Mannen an das Kräftemessen mit AS Roma in der Vorsaison, als die Wiener das Olympiastadion nach einem 3:3 als gefühlter Sieger verließen. „Das war ein ganz ausschlaggebendes Erlebnis. An diesem Abend haben wir gesehen, dass es auch gegen einen Top-Gegner funktionieren kann.“ Wohlfahrt, er hatte mit Stuttgart und Austria einst selbst große Europacup-Abende erlebt, appellierte an das junge Team, nicht in Ehrfurcht zu erstarren. „Wir werden ganz sicher nicht in eine Opferrolle schlüpfen, wollen schon punkten.“

 

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Salzburgs liebste Spielwiese

Mit anderen Voraussetzungen als Austria startet Österreichs zweiter Europa-League-Teilnehmer Salzburg in den Bewerb. Bei Vitoria Guimaraes (21.05 Uhr, live Sky) scheint man auf den ersten Blick Favorit zu sein, allerdings spielten die Portugiesen eine starke Vorsaison: Platz vier in der Liga, dazu im Cup-Finale. Die Europa League war zuweilen Salzburgs liebste Spielwiese, nachdem es mit dem Erreichen der Champions League noch nie klappen wollte. Sieben Teilnahmen machen die „Bullen“ gemeinsam mit Steaua Bukarest zum Rekordstarter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2017)

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