WM-Qualifikation: Serbische Adler im Höhenflug

Angefeuert von Tausenden Fans könnte Serbien mit einem Sieg in Wien das Ticket nach Russland lösen. Teamchef Slavoljub Muslin hat die Mannschaft geeint, Manchester-United-Profi Nemanja Matic zieht die Fäden.

Serbien kann im Ernst-Happel-Stadion auf die Unterstützung seiner Fans zählen.
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Serbien kann im Ernst-Happel-Stadion auf die Unterstützung seiner Fans zählen.
Serbien kann im Ernst-Happel-Stadion auf die Unterstützung seiner Fans zählen. – (c) Reuters

Wien. Über 40.000 Karten sind für das WM-Qualifikationsspiel zwischen Österreich und Serbien verkauft, und es steht außer Zweifel, dass das Ernst-Happel-Stadion am Freitag fest in serbischer Hand sein wird. Während es für das ÖFB-Team nur noch um den versöhnlichen Abschluss der Ära Marcel Koller geht, spielt Serbien um das Ticket nach Russland. Der Tabellenführer hat vier Punkte Vorsprung auf Wales, mit einem Sieg wäre die Rückkehr der „Adler“ auf die WM-Bühne nach der verpassten Endrunde 2014 gewiss. „Wir wollen den Job erledigen und hoffen, dass wir keine zweite Chance gegen Georgien brauchen werden“, erklärte Southampton-Legionär Dusan Tadic.

Dass Österreich bereits ausgeschieden ist, sah Mittelfeldspieler Nemanja Matic nicht zwingend als Vorteil. „Mir wäre lieber, sie wären noch im Rennen, dann hätten sie den gleichen Druck wie wir“, bekannte der Profi von Manchester United und baute auf den Heimvorteil in der Fremde. „Wir wissen, dass Tausende Fans im Stadion sein werden. Ihre Unterstützung könnte den Ausschlag geben.“

Der enttäuschende WM-Auftritt 2010 in Südafrika (Vorrunden-Aus als Gruppenletzter) war der bislang letzte Serbiens bei einer Endrunde. Die EM 2016 wurde zuletzt deutlich verpasst, zumal serbische Fans im Qualifikationsspiel gegen Albanien den Platz stürmten und für eine 0:3-Strafverifizierung sorgten. Auf Platz 54 der Weltrangliste übernahm Slavoljub Muslin im Sommer 2016 die Mannschaft. Der heute 64-Jährige ist das, was man als Weltenbummler bezeichnet, hat Trainerengagements in Frankreich, Belgien, Marokko, Ukraine oder Russland vorzuweisen. Muslin formte um die Routiniers Branislav Ivanovic, 33, und Aleksandar Kolarov, 31, aus technisch beschlagenen Einzelkönnern eine schlagkräftige Mannschaft.

 

Der stille Leader

Schlüsselspieler im bevorzugten 3-4-2-1-System ist Nemanja Matic, der im Sommer um 50 Millionen Euro von Chelsea zu Manchester United gewechselt ist. Der 29-Jährige zählt zu den Spätzündern, der Durchbruch in England gelang ihm erst im zweiten Anlauf. Auch im Nationalteam musste er sich nach dem Debüt 2008 fast fünf Jahre bis zum ersten Pflichtspieleinsatz gedulden. Inzwischen ist Matic zum stillen Leader auf dem Platz gereift und hat mit seiner Übersicht und Präsenz im zentralen Mittelfeld auch maßgeblichen Anteil am Aufschwung beim englischen Spitzenklub. „United spielt gut und gewinnt, Serbien spielt gut und gewinnt. Ich passe mich nur den Anforderungen der jeweiligen Mannschaft an“, meinte der ältere Bruder von Ex-Sturm-Spieler Uros Matic, jetzt FC Kopenhagen.

Beim 3:2-Sieg gegen Österreich in Belgrad fehlte Nemanja Matic wegen einer Rotsperre, damals trafen Tadic und zweimal Aleksandar Mitrovic. Letzterer ist bei Newcastle zwar nicht erste Wahl, dafür mit sechs Treffern in sieben Einsätzen der serbische Topscorer der laufenden Qualifikation. „Muslin hat alles wieder ins Laufen gebracht. Wir fühlen und schätzen die gegenseitige Unterstützung, gemeinsam können wir unser großes Ziel, die Qualifikation, schaffen“, betonte Tadic. (swi)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2017)

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