Frauenfußball: Die vergebliche Hoffnung auf einen EM-Boom

Mit der TV-Liveübertragung des Spiels zwischen USC Landhaus und St. Pölten stößt die Bundesliga in neue Sphären vor. Dennoch, nach dem Sommermärchen des Nationalteams sind große Verbesserungen ausgeblieben.

Die Spielerinnen des USC Landhaus wollen gegen St. Pölten überraschen.
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Die Spielerinnen des USC Landhaus wollen gegen St. Pölten überraschen.
Die Spielerinnen des USC Landhaus wollen gegen St. Pölten überraschen. – (c) amapics.at/Facebook

Wien. Eine Premiere erlebt Österreichs Frauenfußball am Sonntag, wenn mit dem Schlagerspiel der Bundesliga zwischen USC Landhaus und Titelverteidiger St. Pölten erstmals ein Spiel live im Fernsehen übertragen wird (11 Uhr, ORF Sport +). Die Floridsdorferinnen haben sich heuer als erster Verfolger des Serienmeisters, der nach acht Runden noch ohne Punkteverlust und Gegentor ist, herauskristallisiert. „Das überrascht uns nicht, das Ziel war ein Top-drei-Platz, dementsprechend haben wir Trainer und Spielerinnen geholt“, erklärt Sportdirektor Walter Weiss.

 

Kooperation mit Austria Wien

Zuletzt setzte es jedoch zwei Unentschieden, sodass angesichts von vier Punkten Rückstand auf den Tabellenführer die Meisterschaft bereits entschieden scheint. „Das ist nicht frustrierend. Unser Ziel ist es, von St. Pölten zu lernen. Wir sind auf dem besten Weg.“ Landhaus wurde 1968 gegründet, hat zwölf Meistertitel und elf Cupsiege vorzuweisen und ist einer der traditionsreichsten Frauenvereine in Österreich. Der letzte Erfolg liegt allerdings 15 Jahre zurück, neuen Schwung hat eine 2015 eingegangene Kooperation mit Austria Wien gebracht.

Das A-Team spielt inzwischen in violetten Trikots, doch einzig die dritte Mannschaft ist als FK Austria Wien Ladies offiziell dem Klub aus Favoriten zugehörig. Im Sommer werden Gespräche der Vorstände über die Fortsetzung der Zusammenarbeit als Spielergemeinschaft oder eine Fusion entscheiden.

Schon jetzt stellt die Austria Trainerpersonal und hat in die Infrastruktur investiert, dennoch sind die Trainingsmöglichkeiten das größte Problem. „Wir haben für vier Mannschaften nur einen Kunstrasenplatz, das ist ein gewaltiger Nachteil“, erklärt Weiss.

An einer Lösung wird freilich gearbeitet, die Ziele bei Landhaus sind schließlich hoch. „Wir wollen im Frühjahr den Champions-League-Platz absichern und uns qualifizieren“, sagt Weiss, von der Mannschaft überzeugt. „Wir arbeiten strukturiert von unten nach oben, wollen junge Spielerinnen aufbauen.“

Der im Sommer in den Niederlanden entstandene EM-Hype rund um das Nationalteam ist in Floridsdorf nicht wirklich angekommen, bis auf ein paar Anmeldungen mehr hat Weiss keine Veränderungen bemerkt. Er sieht den ÖFB in der Pflicht: „Es ist notwendig, dass etwas in Sachen Vermarktung passiert.“

 

Nationales Ungleichgewicht

Denn St. Pölten wird vom Land Niederösterreich für Titel prämiert, dieser finanzielle Unterschied schlägt sich auch sportlich nieder. Die vier größten Bundesligisten haben daher gemeinsam mit Nationalteammanagerin Isabel Hochstöger und Michael Steiner, Leiter des Nationalen Zentrums, eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die dem ÖFB schon bald Pläne und Ideen präsentieren will. Denn auch Weiss sieht das Potenzial des heimischen Frauenfußballs noch lange nicht ausgeschöpft. „Ich hoffe, dass nach dem EM-Boom noch sehr viel passiert.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2017)

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