Franco Foda: "Ich habe ähnliche Ideen wie Koller"

Franco Foda begegnet beim Trainingslager engagierten und „sehr bodenständigen“ Spielern. Was das Spielverständnis betrifft, unterscheide er sich nicht sonderlich von seinem Vorgänger.

Der geschulte Blick des Franco Foda: Das Testspiel gegen Uruguay am Dienstag will der Deutsche „versuchen zu gewinnen“.
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Der geschulte Blick des Franco Foda: Das Testspiel gegen Uruguay am Dienstag will der Deutsche „versuchen zu gewinnen“.
Der geschulte Blick des Franco Foda: Das Testspiel gegen Uruguay am Dienstag will der Deutsche „versuchen zu gewinnen“. – (c) APA/ROBERT JAEGER

Marbella/Wien. Am fünften Tag des ÖFB-Camps in Marbella hat Österreichs Teamchef Franco Foda eine erste Bilanz gezogen. Der Deutsche lobte die Einsatzbereitschaft seiner Kicker, und er hob den zwischenmenschlichen Aspekt hervor. „Es war wichtig, die Spieler kennenzulernen, aber auch, dass die Spieler mich kennenlernen. Ich glaube, man ist sich nähergekommen“, meinte Foda. Das Verhältnis zwischen ihm und dem Team passe, das erste Abtasten sei erfolgreich verlaufen. „Die Mannschaft wirkt auch schon gelöster. Am Anfang ist immer klar, es kommt ein neuer Trainer, man hört viel von außen, aber das sind meistens auch nur Halbwahrheiten. Ich glaube, dass sich die Spieler jetzt selbst einen Überblick verschafft haben, wie der Trainer funktioniert.“

Der 51-Jährige verordnete seinen Spielern in den vergangenen Tagen ein straffes Programm. Neben den Trainings und Mannschaftsbesprechungen führte Foda bis Freitagmittag mit 15 der 24 anwesenden Profis Einzelgespräche. „Da ging es nicht nur um fußballspezifische Dinge, sondern ich wollte auch ein bisschen Privates über die Spieler erfahren.“ Beim Gedankenaustausch habe sich das positive Bild laut Foda „im Prinzip“ bestätigt. „Ich hatte einen guten Eindruck. Alle sind sehr bodenständig, und was das Wichtigste ist: Sie sind gern bei der Nationalmannschaft.“

 

„30, 40 Spieler“ im Fokus

Die wichtigsten Eindrücke sammelt Foda aber auf dem Platz, und die sorgen beim Coach für Zufriedenheit. „Die Jungs ziehen gut mit und sind sehr engagiert. Ich habe eine intakte Mannschaft übernommen, die Stimmung ist gut. Ich bin der Überzeugung, dass etwas im Entstehen ist“, versicherte der 51-Jährige. Der Kennenlernprozess ist jedoch noch lange nicht abgeschlossen, schließlich fehlen einige Spieler wegen Verletzungen. Deswegen will Foda derzeit Abwesende wie David Alaba oder Stefan Ilsanker nach seinem offiziellen Amtsantritt im Jänner in Deutschland besuchen. Außerdem hat der Teamchef einige bei der U21-Auswahl weilende Kandidaten im Blickfeld. „30, 40 Spieler sind im engen Kreis, die bei mir künftig eine Rolle spielen werden.“

Vorerst geht es noch um jene 24 Spieler, die mit Foda nach Andalusien gereist sind und dort zumeist intensive Einheiten absolvierten. „Man kann nur mit Tempo spielen, wenn man mit Tempo trainiert“, sagte Foda, der am Freitagvormittag ein Regenerationstraining mit Fußball-Tennis einschob. Bis Sonntag üben Marko Arnautović und Co. noch in Marbella, ehe mit dem Rückflug nach Wien der finale Countdown für das Testspiel am Dienstag im Happel-Stadion gegen Uruguay eingeläutet wird. „Es ist wichtig, dass wir schon in diesem Match einen guten Eindruck machen. Auch wenn es ein Freundschaftsspiel ist, wollen wir immer versuchen, alle Spiele zu gewinnen und vor allem alle Spiele ernst zu nehmen.“

Das Duell mit den Südamerikanern wird erste Aufschlüsse darüber geben, wie sich die Spielweise der ÖFB-Auswahl unter Foda zu jener unter dessen Vorgänger Marcel Koller verändert. Allzu viele Unterschiede werde es nicht geben, kündigte der Deutsche an. „Wir haben ähnliche Ideen, wollen beide immer den Gegner früh unter Druck setzen.“

Aleksandar Dragović hatte am Donnerstag vermutet, dass es künftig mit dem extremen Pressing vorbei sein könnte. Foda meinte dazu: „Gegen Serbien und Moldau (Anm.: die letzten beiden Spiele unter Koller) habe ich eigentlich kein Pressing ganz vorn gesehen.“ Man könne nicht 90 Minuten lang pausenlos Pressing spielen, sagte Foda. „Die Balance ist wichtig.“

TEAMCHEF-DEBÜT SEIT 2002

Hans Krankl (31 Spiele/Debüt 2002): Österreich – Slowakei 2:0 (Graz FS).

Willi Ruttensteiner (2/2005): England – Österreich 1:0 (Manchester WM-Quali).

Josef Hickersberger (27/2006): Österreich – Kanada 0:2 (Wien FS).

Karel Brückner (7/2008): Italien – Österreich 2:2 (Nizza FS).

Dietmar Constantini (23/2009): Österreich – Rumänien 2:1 (Klagenfurt WM-Quali).

Ruttensteiner (2/2011): Aserbaidschan – Österreich 1:4 (Baku EM-Quali).

Marcel Koller (55/2011): Ukraine – Österreich 2:1 (Lwiw FS).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2017)

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