Rapid tut der Austria einen Gefallen

24.02.2013 | 18:08 |  Christoph Gastinger (DiePresse.com)

Salzburg verspielte gegen Rapid einen sicher geglaubten Sieg und musste mit dem 3:3 einen herben Rückschlag im Titelkampf hinnehmen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Einige der 11.210 Zuschauer hatten noch nicht einmal ihre Plätze eingenommen, als nach nur 34 Sekunden ein Blondschopf jubelnd seine Runden durch die Arena drehte. Kevin Kampl herzte Jonathan Soriano, der Spanier hatte den Slowenen per Fersler erst entscheidend in Szene gesetzt. Kampl enteilte nach dem 13. Ballkontakt der Salzburger der Rapid-Defensive, sein erstes Tor für den amtierenden Meister animierte auch Trainer Roger Schmidt zu Luftsprüngen.

Mehr zum Thema:

Das schnellste Tor der Bundesligasaison hatte nachhaltige Wirkung. Rapid musste seinen Matchplan, aus einer gesicherten Defensive immer wieder offensive Nadelstiche zu setzen, praktisch mit dem Anpfiff einer Korrektur unterziehen. Die Gastgeber hatten nicht zuletzt aufgrund des perfekten Beginns zunächst größere Spielanteile, sie ließen den Ball geschickt und schnell durch die eigenen Reihen laufen. Speziell der 20-jährige Norweger Valon Berisha gefiel. Roger Schmidt vertraute im ersten Pflichtspiel des Jahres nicht nur bewährten, sondern auch hoffnungsvollen Kräften. Valentino Lazaro, 16 Jahre jung, fand sich zum zweiten Mal in der Startelf wieder und durfte 45 Minuten eine Talentprobe ablegen.

Offener Schlagabtausch

Salzburg hatte noch in der ersten Halbzeit mehrfach die Möglichkeit, auf 2:0 zu erhöhen. Nach einem Ulmer-Schuss, den Pichler abfälschte, fehlten nur Zentimeter zum erneuten Glück (21.). Doch nicht alles im Spiel des Tabellenzweiten war schön anzusehen. Die Defensive rund um Isaac Vorsah, der zur Pause Martin Hinteregger weichen musste, offenbarte in regelmäßigen Abständen Schwächen. Doch Rapid ließ im Abschluss Kaltschnäuzigkeit vermissen. Christopher Trimmel (14.) und Terrence Boyd (14./33.) fanden beste Chancen vor, in Torhüter Alexander Walke aber ihren Meister. Bei einem Lattenschuss von Guido Burgstaller fehlte schlicht das Glück (14.).


Kurz nach Wiederanpfiff wünschte sich Christopher Dibon, nur ein paar Zentimeter größer zu sein. Im Kopfballduell mit Boyd hatte Salzburgs Innenverteidiger den Kürzeren gezogen, der US-Amerikaner war höher gestiegen und sorgte per Kopf für den durchaus verdienten Ausgleich (48.). Der Rapid-Angreifer hätte nur vier Minuten später für eine komplette Wende im Spiel der Verfolger sorgen können, ließ sich bei seinem Schussversuch im Strafraum aber zu lange Zeit. Salzburg reagierte mit Berisha, sein sehenswertes Solo wäre beinahe mit der erneuten Führung belohnt worden (55.). Nach dem Stangentreffer von Ulmer stand es auch in der Aluminium-Wertung 1:1 (58.). In den letzten 25 Minuten überschlugen sich die Ereignisse. Zunächst verwandelte Soriano einen Elfmeter, nachdem Thomas Schrammel Georg Teigl an der Strafraumgrenze umgestoßen und dafür Rot wegen Torraubs gesehen hatte (69.).

Doch Rapid antwortete in Unterzahl, Burgstaller erzielte den 2:2-Ausgleich (82.). Nach einem schweren Patzer von Torhüter Königshofer staubte Hinteregger zur 3:2-Führung (86.) ab, Sabitzer sorgte doch noch für grün-weißen und violetten Jubel (91.). Austria hat bei einem Spiel mehr zwölf Punkte Vorsprung auf Salzburg.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.2.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

23 Kommentare

war eine ansehnliche partie

spannend

Alles läuft zZt. für die Austria

Somit wird darauf hingearbeitet, daß der heuer Einäugige unter all den aktuell Blinden König wird...

Re: Alles läuft zZt. für die Austria

Wie schaut es aus bei der Austria? Ein hervorragendes Nachwuchszentrum (Akademie), eine Amateurmannschaft die die Regionalliga dominiert, eine intakte Kampfmannschaft, ein Schmuckstück von einem Stadion und das Ganze auf solider wirtschaftlicher Basis, nennen Sie das "einäugig"?
PS: Austria fehlen auf den Titel noch mindestens 30 Punkte, die müssen erst einmal eingefahren werden. Meister wird man eben nicht im Februar, sondern im Mai.

Re: Re: Alles läuft zZt. für die Austria

ein schmuckstück von einem stadion - köstlich.
solide wirtschaftliche basis - herrlich. millionenschulden und die transferrechte an vielen spielern bereits abgetreten.
nicht zu vergessen die lustigen fans mit ihren rechtsradikalen symbolen und affenlauten.

Re: Re: Re: Alles läuft zZt. für die Austria

Rechtsradikale Fans mit Affenlauten sind zweifellos in der Lage normale Matchbesucher vom Platz fernzuhalten. Hier gibt es nichts zu beschönigen. Was die Schulden der Austria betrifft, so wurde sehr viel in die Vereinsinfrastruktur investiert, die Schulden werden systematisch abgebaut. Waren Sie in der letzten Zeit in Favoriten? Schauen Sie sich die Austria-Infrastruktur an, man sieht mit freiem Auge, daß dieser Verein gut geführt ist.

Re: Re: Alles läuft zZt. für die Austria

Nur soviel zur soliden wirtschaftslichen Basis, die wiener Austria hat 9mil Schulden ...

Re: Re: Re: Alles läuft zZt. für die Austria

Was für ein Schwachsinn! Das negative Eigenkapital betrug nach der letzten Wirtschaftsprüfung 2,6 Millionen. Tendenz stark fallend. Außerdem wurden mit den aufgenommen Krediten massiv in die Infrastruktur investiert. Frei nach Nuhr: Wenn man keine Ahnung hat...

Re: Re: Alles läuft zZt. für die Austria

Ich bezog mich mit "einäugig bzw. blind" auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Klubmannschaften.
Als jemand, der die immer größeren Probleme österreichischer Mannschaften in internationalen Bewerben mit Bedauern zur Kenntnis nimmt, mußte ich in diesem Kontext zu dieser Wortwahl greifen.
Es mag sein, daß zumindest wirtschaftlich solide und realistisch gearbeitet wird-nur internationale Erfolge werden auf Sicht immer unwahrscheinlicher, der Anschluß geht immer mehr verloren.
An den Stützen der Nationalmannschaft wie Alaba,Fuchs, Junuzovic,... sieht man, wie markant höher deren Leistungslevel ist, da sie in einer Liga agieren, in der sie Woche für Woche gefordert werden und das "Stammleiberl" nicht sicher ist.

Re: Re: Re: Alles läuft zZt. für die Austria

Vereine wie Rapid, Austria, usw. wirtschaften seriös, ohne Großinvestor im Hintergrund. Beide Vereine sind gezwungen immer wieder Spieler abzugeben, das ist nun einmal so. Vereine wie Ajax oder Dinamo Zagreb haben dieses Modell zur Perfektion gebracht. Der Austria scheint es etwas leichter zu fallen die entstehenden Lücken zu schließen, aber Rapid wird fast zwangsläufig sehr bald wieder ganz vorne dabei sein. Auch die junge Salzburger Truppe scheint gut unterswegs zu sein, allerdings mit einem (soliden) Großinvestor im Rücken. Stichwort internationale Konkurrenzfähigkeit: Jene Geldsäcke die mit Mitteln herumschmeißen die ihnen nicht gehören imponieren mir gar nicht. Der internationale Anschluß kann m.E. nur über die Nationalmannschaft gelingen.

Re: Re: Alles läuft zZt. für die Austria

erst bei "ein Schmuckstück von einem Stadion" hab ich ihre ironie erkannt. bitte das nächste mal besser kennzeichnen, sonnst glaubt noch jemand, sie meinen das ernst.

Re: Re: Re: Alles läuft zZt. für die Austria

Gar keine Ironie, klein aber fein, inkl. Rasenheizung. Bei der Austria sieht man mit freiem Auge, daß der Klub gut geführt ist. Gilt übrigens auch für Rapid, auch dort wird realistisch gearbeitet, der Erfolg wird nicht ausbleiben, der Frühjahrsstart war keineswegs übel.

Re: Re: Re: Re: Alles läuft zZt. für die Austria

trotzdem ist das stadion einer austria nicht würdig. als kleines schmuckstück würd ich das in st. pölten bezeichnen. das horr-stadion ist ein fleckerlteppich an tribünen, zentraler gelegen als das hanappi und trotzdem öffentlich schlecht(er) erreichbar.

Re: Re: Re: Re: Re: Alles läuft zZt. für die Austria

Die öffentliche Erreichbarkeit wird sich in absehbarer Zeit verbessern.

Seltsam,

daß in der 94.Minute der Rapid-Kapitän noch ein (unnötiges?) Foul begeht, das Spiel noch ein letztes Mal unterbrochen wird, und noch der Kapitänstausch kurz vor Abpfiff stattfindet...

Re: Seltsam,

Der Rapid-Kapitän ist ein erstklassiger Sportsmann, der über jeden Verdacht erhaben ist.

Re: Seltsam,

sie haben wirklich keine Ahnung und Hoffmann Wettbetrug unterschieben zu wollen ist eine Gemeinheit obendrein.

Re: Seltsam,

Wieso seltsam? Das Foul macht er in erster Linie, um zu verhindern, dass der Gegner in die gefährliche Zone um den Strafraum vordringt, rein taktisch also.

Diffizile Berichterstattung

Respekt Hr Christoph.
Einen so kompliziert verfassten Sportbericht liest man auch selten..

Re: Diffizile Berichterstattung

Der noch nicht mal darauf eingeht, dass z.B. der Elfmeter ein geschenkter war.
Sowas wird anscheinend nur erwähnt, wenn es umgekehrt passiert, also zum Vorteil Rapids.

Re: Re: Diffizile Berichterstattung

das kann doch keiner ernsthaft meinen, dass rapid von medien oder schiedsrichtern benachteiligt wird...

Re: Re: Re: Diffizile Berichterstattung

Gestern definitiv, im Grunde aber nicht mehr oder weniger als alle anderen Teams auch.

Re: Re: Diffizile Berichterstattung

wieso soll der elfer geschenkt gewesen sein? War ein klares foul, je nach Kamera Ansicht im Strafraum oder auf der Linie.

Re: Re: Re: Diffizile Berichterstattung

es war freilich schwer zu sehen bei dem tempo, aber in der zeitlupe ganz eindeutig außerhalb. und weder innerhalb noch auf der linie.

Meinung

Sportkolumnen auf DiePresse.com »

AnmeldenAnmelden