Ein beängstigender Absturz

Rapid kann in der Bundesliga weiter nicht gewinnen und ist seit sieben Spielen sieglos. Diese Bilanz ist verheerend, Kritik wird lauter.

Der georgische Stürmer Giorgi Kvilitaia und Rapid sind gefordert, sich nach der Länderspielpause aufzurichten.
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Der georgische Stürmer Giorgi Kvilitaia und Rapid sind gefordert, sich nach der Länderspielpause aufzurichten.
Der georgische Stürmer Giorgi Kvilitaia und Rapid sind gefordert, sich nach der Länderspielpause aufzurichten. – (c) APA/GEORG HOCHMUTH

Wien. Die Krise von Rapid nimmt immer massivere Ausmaße an. Nach dem Heim-1:1 gegen den SV Mattersburg warten die Hütteldorfer in der Bundesliga schon seit sieben Runden auf einen vollen Erfolg und rutschten in der Tabelle auf Rang sieben ab. Die Pflichtspiel-Bilanz unter Trainer Damir Canadi steht bei zwei Siegen, fünf Remis und sieben Niederlagen.

In den zwölf Meisterschafts-Partien seit Amtsantritt des früheren Altach-Betreuers holte Rapid gerade einmal zehn Punkte, nur Schlusslicht Ried war in diesem Zeitraum mit sechs Zählern erfolgloser. Dem Schlusslicht fehlen derzeit sieben Punkte auf den Rekordmeister, der als einziger Klub neben der Wiener Austria immer in Österreichs Oberhaus vertreten war. Das wird laut Innenverteidiger Mario Sonnleitner auch so bleiben. „Mit dem Abstiegskampf befasse ich mich nicht“, beteuerte der Steirer. Ob Rapid wirklich um den Klassenerhalt wird kämpfen müssen, dürfte sich in den kommenden beiden Liga-Partien entscheiden – da geht es jeweils auswärts gegen St. Pölten und Ried. Sollten auch diese Matches nicht gewonnen werden, wäre Rapid neun Runden sieglos und hätte damit den Allzeit-Negativrekord eingestellt. Zuletzt gab es eine derartige Serie vor vier Jahren, wobei die Grün-Weißen damals auf Rang drei lagen. Auch in der Saison 1987/88 blieb Rapid neun Runden lang ohne vollen Erfolg, wurde aber dank des starken Meisterschaftsstarts noch souverän Meister.

 

Unschöne Erinnerungen

Am ehesten erinnert die aktuelle Misere an das Spieljahr 2001/02, als man sich nach 26 Liga-Matches ebenfalls mit 30 Punkten an siebenter Stelle befand. Am Ende wurde mit Rang acht die schlechteste Platzierung der Vereinsgeschichte eingefahren. Damals wurde der verantwortliche Coach Lothar Matthäus im letzten Heimspiel gegen Sturm Graz von Rapids organisierter Fanszene sogar gefeiert. Sprechchöre für Canadi gibt es zwar keine, doch immerhin verzichtete der Block West nach dem Mattersburg-Match im Gegensatz zu Besuchern auf anderen Tribünen auf Proteste und sang lieber „Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Rapid nicht.“

Für Canadi war das nur ein schwacher Trost. Der Wiener ärgerte sich vor allem darüber, dass der entscheidende Pass oft zu schlampig ausgeführt wurde. „Wir spielen den letzten Pass nicht konsequent rein, sondern machen oft arrogante Pässe oder No-Look-Pässe.“ Wohl auch deswegen hat Rapid in den 14 Partien unter seiner Regentschaft 13 Tore erzielt, lediglich einmal davon mehr als eines – beim Heim-3:1 am 11. Dezember 2016 gegen Ried.

Möglicherweise hing die Offensivflaute gegen Mattersburg auch mit der Aufstellungsvariante mit vier Innenverteidigern zusammen. Christopher Dibon agierte laut Canadi deswegen vor der Dreier-Abwehrkette, um besser für die langen Bälle auf SVM-Sturmtank Stefan Maierhofer gewappnet zu sein. Den Vorwurf, zu defensiv agieren zu lassen, ließ sich der 46-Jährige nicht gefallen. „Wir haben dauernd mit sechs Spielern angegriffen und mit drei Spitzen gespielt.“ Der Coach sah eine Leistung seiner Mannschaft, die „in Ordnung“ gewesen sei, gab aber auch zu: „Wir haben sicher viel Potenzial nach oben.“ (age)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2017)

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