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Golf: Die verrückte Natur des Biests

23.07.2012 | 18:24 |  WOLFGANG WIEDERSTEIN (Die Presse)

Ernie Els feierte bei den 141. British Open ein glorreiches Comeback. Der Südafrikaner, 41, dachte an Nelson Mandela und zeigte Mitgefühl für den gescheiterten Adam Scott.

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London/Wien. Der eine verzweifelte an den letzten Löchern des Lytham & St. Annes Golfclub, der andere knabberte zu diesem Zeitpunkt bereits an seinem Sandwich. Adam Scott, der australische Sunnyboy, durchlebte den Albtraum eines jeden Golfers, dabei hatte er schon wie der sichere Sieger ausgesehen. Endlich schien es zu klappen mit dem ersten Major-Titel für den hochtalentierten Mann aus Adelaide, am Ende aber erlebten die British Open doch noch einen Überraschungssieger. Ernie Els, der vor dem Schlusstag noch sechs Schläge hinter Adam Scott gelegen war, holte nach einem Herzschlagfinale sein viertes Major-Turnier, der 41-jährige Südafrikaner triumphierte zum zweiten Mal bei den British Open.

Das glorreiche Comeback von Ernie Els verblüfft die Golfwelt. Die besten Tage des Südafrikaners schienen bereits vorbei, aber bei den 141. British Open war es auf einmal wieder da, dieses mühelose Spiel. „The Big Easy“, wie er genannt wird, präsentierte sich entspannt und locker. Aggressivität ist auf britischen Linksplätzen mit dichtem Rough und überall lauernden Bunkern nicht angesagt. Bei einer Größe von 1,91 Metern und einem Kampfgewicht von rund 95 Kilogramm wirkt Els bei seinen Schlägen dennoch elegant. „Unglaublich, dass es jetzt wieder geklappt hat“, sagte er. „Es wird sicher etwas dauern, bis ich das realisiert habe. Schließlich hatte ich dieses Gefühl vor zehn Jahren. Es ist einfach verrückt, verrückt, verrückt.“

 

„Els for Autism Foundation“

Vor zehn Jahren hatte Ernie Els in Muirfield erstmals das älteste Major gewonnen. Was folgte, das waren Jahre der Enttäuschungen. „Ich bin überwältigt. Dieses Spiel ist hart und verrückt“, meint er. Els kennt die Krisen, die dieser Sport zu bieten hat. Darum war das Mitgefühl für Adam Scott auch echt. Er wusste, was in seinem guten Freund vorging. „Das ist die Natur des Biests, das in jedem Open steckt. Ich hoffe, dass sich Scottie die Niederlage nicht so zu Herzen nimmt, wie ich das viele Male getan habe.“

In den vergangenen Jahren machten dem British-Open-Triumphator etliche Verletzungen und private Probleme zu schaffen. Es schien bereits, als hätte der Südafrikaner aus Johannesburg die Leichtigkeit des Spiels verloren. Das äußerte sich vor allem in den Rankings. Dabei galt er lange Zeit als erster Jäger von Tiger Woods. Els probierte alles, er wurde zum Unermüdlichen, zum Rastlosen. Er trat auf drei Touren an, auf der südafrikanischen Sunshine Tour, auf der europäischen PGA-Tour und jener der USA. Weltweit gewann er über 70 Turniere.

Bis Ernie Els begriff, was wirklich Bestand hat, musste er reifen. Er verbrachte mehr Zeit mit seiner Familie, kümmerte sich mehr um sein Weingut und um die 2008 gegründete „Els for Autism Foundation“. Eine karitative Einrichtung, die er nach der Diagnose bei seinem Sohn Ben aus der Taufe gehoben hat. Aber schon davor war „Big Easy“ die Unterstützung benachteiligter Kinder ein Anliegen gewesen.

In Lytham und St.Anne gedachte Els aber auch Nelson Mandela. „Er hat mich inspiriert, der Wandel war so wichtig für unser Land. Parallel zur Einführung der Demokratie habe ich mein erstes von den vier Majors gewonnen.“

Endstand: 1. Ernie Els (RSA) 273 (67/70/68/68) 2. Adam Scott (AUS) 274 (64/67/68/75) 3. Tiger Woods (USA) 277 (67/67/70/73) und Brandt Snedeker (USA) 277 (66/64/73/74) 5. Luke Donald (GBR) 278 (70/68/71/69) und Graeme McDowell (GBR) 278 (67/69/67/75) 7. Nicolas Colsaerts (BEL) 279 und Thomas Aiken (RSA) 279.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2012)

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