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Ryder Cup: Die größte Golfparty der Welt

22.09.2012 | 18:08 |  von senta wintner (Die Presse)

Ab Freitag wird der 39. Ryder Cup wieder dafür sorgen, dass auf und neben dem Grün statt vornehmer Zurückhaltung pure Emotionen gelebt werden. Denn alle zwei Jahre versetzt der Cup Golffans in Ekstase.

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Where is the fairway gone, where is the fairway gone?“, erklang es 2010 lautstark entlang der Golfbahnen des walisischen Celtic-Manor-Resorts. Immer wieder sorgten Regen und Nebel dafür, dass die 38. Auflage des Ryder-Cups unterbrochen werden musste und der Kontinentalvergleich zwischen den besten europäischen und amerikanischen Golfern erstmals in der Geschichte gar erst am Montag fertiggespielt werden konnte. Der Stimmung der Fans taten aber weder widrige Witterung noch eingeschränkte Sicht einen Abbruch. In einem packenden Schlussduell sicherte der Nordire Graeme McDowell gegen Hunter Mahan Europa schließlich den entscheidenden Punkt zum 14,5:13,5-Erfolg – begleitet von frenetischen „You've got BigMac, we've got GMac“-Rufen.

Alle zwei Jahre versetzt der Ryder Cup Golffans derart in Ekstase, dass die traditionellen Verhaltensregeln des „Gentleman-Sports“ außer Kraft gesetzt scheinen; statt vornehmer Zurückhaltung begleitet die Spieler eine ausgelassene Stimmung entlang der 18 Löcher. Auch beim 39. Ryder Cup werden ab Freitag tausende Fans im Medinah County Club in der Nähe von Chicago Stars and Stripes schwenken, wird jeder Abschlag eines US-Profis für tosenden Beifall sorgen und manch europäischer Golfer mit neckischen Gesängen oder gar Buhrufen bedacht.

Die einzigartige Atmosphäre steckt auch die Profis an. Wirken sie sonst oft roboterhaft und kühl, präsentieren sie sich während dieser drei Tage auf dem Grün wie ausgewechselt. Kein Schlag ohne Jubelgeste, Abklatschen oder aufmunterndem Schulterklopfen. Tatsächlich vermag es der Ryder Cup, aus millionenschweren Einzelkämpfern ein verschworenes Team zu formen.


Eine Frage der Ehre. Dabei geht es in dem seit 1927 ausgetragenen Bewerb nicht etwa um Rekordprämien, sondern einzig um Ehre und Prestige – ein Anachronismus in der heutigen Welt des Sports. „Man spielt nicht um Geld, vielleicht agiert man deshalb mit mehr Leidenschaft“, sagte Ian Poulter, der heuer zum vierten Mal in Europas Aufgebot steht. Sein Debüt 2004 hat der Engländer noch gut in Erinnerung, denn auch Druck und Anspannung erreichen im Ryder Cup eine neue Dimension und bringen so manch abgebrühten Profi kräftig ins Schwitzen. „Du kannst den Druck, der beim ersten Abschlag auf den vier Majors auf dir lastet, zusammenzählen und ihn dann einfach noch einmal verdoppeln“, beschrieb Poulter sein damaliges Empfinden. „Wem beim Debüt nicht die Knie schlottern, der ist tot“, meinte der Spanier José María Olazábal, der Europa siebenmal aktiv vertrat und heuer als Kapitän fungiert.

Der Spielmodus des Ryder Cups sieht neben den Einzeln am Schlusstag auch Paarduelle vor, wodurch der Teamzusammenstellung eine wichtige Rolle zukommt. „Natürlich geht es ums Golfspielen. Aber wir brauchen Typen, die zusammenhalten und das Team im richtigen Moment pushen können. Die Chemie ist definitiv ein wichtiger Faktor“, erklärte US-Kapitän Davis Love III, einer der populärsten Golfer Amerikas und selbst zweifacher Ryder-Cup-Sieger. 2004 sorgte ausgerechnet Superstar Tiger Woods für einen Eklat, als er einen misslungenen Schlag seines Duettpartners und gleichzeitig Intimfeindes Phil Mickelson mit abfälligen Gesten bedachte.


Schaulaufen der Topstars. Beide stehen auch in diesem Jahr wieder im US-Team, Mickelson avancierte mit seiner neunten Nominierung zum amerikanischen Rekordteilnehmer. Trotz insgesamt sechs Neulingen zählt das Aufgebot 2012 dem Papier nach zu den besten seit Langem. Alle 24 Spieler befinden sich unter den besten 36 der Weltrangliste, darunter sind mit Bubba Watson, Webb Simpson (beide USA) sowie Rory McIlroy (Europa) auch drei diesjährige Major–Sieger.

Die Buchmacher sehen das US-Team leicht im Vorteil, obwohl es sechs der letzten acht Austragungen verloren hat. Mit ein Grund ist die eindrucksvolle Heimbilanz: In der Geschichte des Bewerbs mussten sich die US-Profis erst dreimal auf heimischem Boden geschlagen geben. „Unsere Fans werden hinter uns stehen und es den Europäern nicht leicht machen“, versprach Love.


Auf Hochglanz poliert. Was die Teilnahme am Ryder Cup für die Profis, ist dessen Austragung für die Golfklubs. Der Platz in Medinah, dreimal Schauplatz der US Open und zweimal der PGA Championship, wurde noch Anfang des Jahres durch den renommierten US-Golfplatzarchitekten Rees Jones neu gestaltet. Um 1,5 Millionen Euro wurde jedes einzelne Grün mit neuem Rasen versehen, elf davon gänzlich saniert und das 15. Loch sogar komplett umgebaut. Denn die Veranstaltung bringt nicht nur weltweite Publicity mit sich und lockt tausende Golffans an, sondern steigert selbstredend auch das Prestige und Ansehen des Klubs enorm.

Nicht zuletzt deshalb leistete sich etwa der irische Unternehmer Michael Smurfit den Luxus, sich eigens eine Anlage zu kaufen und für 50 Millionen Euro umzubauen, um den Ryder Cup 2006 erstmals auf die grüne Insel zu holen. Eine nachhaltige Investition: Obwohl mit kurzer Geschichte und wenig charakteristischen Plätzen ausgestattet, zählt der „K-Club“ heute mit einem Greenfee von über 350 Euro zu den teuersten Golfplätzen der Welt.

USA: Keegan Bradley (1 Nominierung), Jason Dufner (1), Jim Furyk (8), Dustin Johnson (2), Zach Johnson (2), Matt Kuchar (2), Phil Mickelson (9), Webb Simpson (1), Brandt Snedeker (1), Steve Stricker (3), Bubba Watson (1), Tiger Woods (6). Europa: Nicolas Colsaerts (BEL/1), Luke Donald (ENG/4), Sergio Garcia (ESP/6), Peter Hanson (SWE/2), Martin Kaymer (GER/2), Paul Lawrie (SCO/2), Graeme McDowell (NIR/3), Rory McIlroy (NIR/2), Francesco Molinari (ITA/2), Ian Poulter (ENG/4), Justin Rose (ENG/2), Lee Westwood (ENG/8).

Ryder Cup

39. Auflage. Das Turnier zwischen den besten Golfern der USA und Europas (bis 1979 Großbritanniens/Irlands) ist nach dem Pokalstifter Samuel Ryder benannt. Seit der Erstaustragung 1927 findet das Turnier alle zwei Jahre abwechselnd in den USA und Europa statt. Aktuell hält Europa den Titel.

Modus. Jedes Team besteht aus zwölf Spielern. Es werden 28 Partien gespielt: Jeweils acht Partien im Vierermodus (ein Duo spielt den Ball abwechselnd) und im Vierballmodus (der besser gespielte Ball des Duos zählt) sowie zwölf Einzelduelle. Für jeden Sieg gibt es einen Punkt, für ein Unentschieden einen halben.

AP

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.09.2012)

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