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Clemens Doppler: "Du fühlst dich wie ein Rockstar"

14.07.2012 | 18:06 |  von christoph gastinger (Die Presse)

Der Beachvolleyballer spricht im "Presse"-Interview über den Festival-Charakter von Klagenfurt, schlafende Groupies vor dem Hotelzimmer und russischen Wodka in Plastikflaschen.

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Können Sie die „That's the way – I like it“-Gesänge eigentlich noch hören?

Clemens Doppler: Muss ich, weil sie mittlerweile fast jede Woche aus den Boxen dröhnen. Egal ob Gstaad oder Berlin: Jedes Beachvolleyball-Turnier versucht Klagenfurt zu kopieren. In die Schweiz lassen sie sich mittlerweile sogar schon den Klagenfurter Stadionsprecher einfliegen, weil der eigene so langweilig ist. Wenn du die Augen schließt, glaubst du tatsächlich, du stehst auf dem Klagenfurter Center Court.

Ist Klagenfurt noch etwas Besonderes?

Auf jeden Fall, selbst wenn es abgedroschen klingt. In Klagenfurt ist alles perfekt. Die Anlage liegt an einem See, der aussieht wie ein Meer. Dazu kommt die Promidichte, die ihresgleichen sucht, vergleichbar mit Kitzbühel im Winter. Und eine Stimmung wie in Klagenfurt gibt es sonst nirgends. Egal, was noch kopiert wird.


Der Center Court würde bestimmt noch ein paar tausend Fans mehr vertragen, Organisator Hannes Jagerhofer spricht sich aber dagegen aus.

Ich kann ihn gut verstehen. Ich habe lieber ein gerammelt volles 10.000er-Stadion als ein zu drei Vierteln gefülltes 20.000er-Stadion. Würde er den Court für 12.000 Fans konzipieren, würden immer noch welche vor dem Eingang warten. Es gibt also keine echte Lösung für dieses „Problem“.

 

Der Zuspruch des Publikums war aber nicht von Beginn an so gewaltig.

Ich kann mich noch gut erinnern, als Hannes (Jagerhofer, Anm.) im Strandbad durchgesagt hat, dass es beim Beachvolleyball Freibier gibt. Es war fast keiner am Court. Plötzlich waren sie alle da.


Gibt es den klassischen Klagenfurt-Fan?

Eigentlich gar nicht. In den vergangenen drei, vier Jahren hat sich das Publikum stark verändert. Das ist eine arge Mischung, ähnlich wie beim Frequency. Das Event hat Festival-Charakter bekommen. Der Fan campt, gibt Gas. Aber es gibt nicht nur Jung oder Alt.

Ist es dem Spieler egal, welcher Fan sich auf der Tribüne die Seele aus dem Leib grölt?

Eigentlich schon, obwohl man den Unterschied zwischen einem sportaffinen Zuschauer und einem 16-Jährigen, der sich betrinkt, schon merkt. Für die Stimmung sind beide gut.

Würde Klagenfurt auch zweimal innerhalb eines Sommers funktionieren?

Das Publikumsinteresse dafür wäre vorhanden, aber der Stellenwert würde etwas verloren gehen. Vorstellbar wäre eine Doppelveranstaltung. Im Juli in Klagenfurt, im August an der Wiener Donauinsel. Das hätte seinen Reiz.


Haben Sie eine ganz persönliche, verrückte Klagenfurt-Geschichte zu erzählen?

2003 haben ein paar Mädels irgendwie herausgefunden, wo ich schlafe. Als ich zum Frühstück gehen wollte, konnte ich meine Zimmertür nicht öffnen, weil die Mädels davor gelegen sind. Sie wollten unbedingt ein Autogramm, Fotos und Shirts. Sie haben alles bekommen. Mit 23 Jahren findet man das ja noch cool (lacht).


Also gibt es in Ihrer Sportart tatsächlich so etwas wie Groupies?

In dieser einen Woche schon. Da fühlst du dich wie ein Rockstar. Aber mir reichen diese paar Tage im Jahr. Ich bewundere Stars, die das ihr ganzes Leben lang ertragen.

Beachvolleyball-Spielern sagt man eine gewisse Trinkfestigkeit nach. Ein Gerücht?

Wer den Sport professionell ausübt, geht am Samstag nicht aus, wenn er am Sonntag ein Spiel hat. Eine Ausnahme sind vielleicht die Russen, sie haben eine andere Mentalität. Bei den Spielen in Peking 2008 haben sie es irgendwie geschafft, Alkohol ins Sportlerdorf zu schmuggeln. In ihrem Zimmer hatten sie den Wodka literweise in Plastikflaschen gehortet. Vor dem Achtelfinale haben sie bis 2 Uhr in der Früh gefeiert, Stunden später aber verloren.

Nach Klagenfurt warten die Spiele in London. Stellt Olympia für Sie eine besondere Drucksituation dar?

Definitiv. Peking war ein Wahnsinn. Egal, wo man hingesehen hat: Die fünf Ringe waren überall. Und sie können dich einschüchtern. Mit dieser Erfahrung ist man schon einen Schritt weiter als beim ersten Mal.

 

Sportler werden bei Olympia rasch zu Fans.

Ich bin einer davon. Du begegnest Menschen, die du sonst nur aus dem Fernsehen kennst. Andy Roddick musste im Dorf stehen bleiben und für andere Sportler Autogramme schreiben. Ich dachte ursprünglich, dass es so etwas wie einen Ehrenkodex unter Sportlern gibt. Zum Glück habe ich ein Foto mit Roger Federer bekommen, bevor er ins Hotel gezogen ist (lacht).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2012)

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