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Starker Antritt, makelloser Fahrstil und grandiose Koteletten

22.07.2012 | 18:16 |  FELIX LILL (Die Presse)

Bradley Wiggins ist Großbritanniens erster Sieger bei der Tour de France. Auf der "Insel" herrscht vor Olympia nun eine Radeuphorie.

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„Es gibt viele Gründe, Bradley Wiggins zu bewundern, nur einer davon sind seine großartigen Koteletten“, schrieb der Londoner „Evening Standard“. Auf ihrer Titelseite listete die Zeitung zehn Gründe auf, „warum man den Londoner, Olympioniken und Tour-de-France-Favoriten lieben sollte“. Eine Doppelseite bot Erklärungen: Wiggins sei kein Showman, praktiziere kein Doping und sogar die Franzosen liebten ihn. Außerdem sei er ein Familientyp, Gentleman, Multitalent, habe wirklich etwas zu sagen, sei zudem großzügig und aerodynamisch.

Seit Bradley Wiggins am 7. Juli nach der siebten Etappe das Gelbe Trikot der Tour de France überziehen durfte, waren die Briten immer dabei. Sein Abschneiden erschien in den Nachrichten oft ganz zuerst, über ihn wurden Porträts geschrieben und seine Koteletten sind zum Gesprächsthema geworden. Jetzt, wo Großbritannien erstmals den Toursieger stellt, könnte der Radsport zu einem Volkssport avancieren. Zumindest für die Olympischen Spiele steht Wiggins nun in der Reihe der großen britischen Stars.

 

Beliebter als Andy Murray

„Er hat die Herzen erobert“, resümierte der „Evening Standard“ die Verdienste von Wiggins. Die Berichterstattung erinnert an die täglichen Titelseiten um Tennisspieler Andy Murray, als sich dieser Anfang des Monats bis ins Finale von Wimbledon kämpfte. Auch bei den Erfolgen Murrays wurde kaum ein Wort darüber verloren, dass Mitfavorit Rafael Nadal bereits ausgeschieden und damit ein starker Gegner früh aus dem Weg geräumt war. Ähnlich spricht man bei Bradley Wiggins' Sieg kaum darüber, dass mit den Schleck-Brüdern und Alberto Contador mehrere Weltklassefahrer vorzeitig aus dem Rennen geschieden waren oder gar nicht erst antreten konnten.

Eines der großen Themen ist stattdessen die Biografie des Londoners, dessen Namen die meisten Briten bis vor Kurzem nur vom Hörensagen kannten. Bereits 2004 war Wiggins als Bahnradfahrer Weltmeister und Olympiasieger geworden. Es folgten der sportliche Absturz und verstärkter Alkoholkonsum. Danach konnte sich Wiggins aber wieder an die Spitze kämpfen. Die Wiege des Erfolges wurde mittlerweile auch bejubelt. Die BBC unternahm vergangene Woche eine Expedition zum Velodrom Herne Hill in Südlondon, wo Wiggins als zwölfjähriger Junge erstmals auf das Rad stieg und seine Runden drehte. „Wir erhoffen uns jetzt schon einen Boom“, gestand auch Edith Fehrenbach vom Herne Hill Velodrome Trust, der das Radgelände verwaltet. Der 1891 errichtete Park erhält 400.000 Pfund Fördergelder (515.000 Euro) durch die Olympischen Spiele und man erwartet, dass die Renovierungen das Gelände für junge Fahrer attraktiver machen.

 

Erst Paris, dann London

In der Radsportszene ist Bradley Wiggins dabei schon länger ein Rollenmodell. Mehr und mehr britische Radsportler tragen zu Ehren ihres Toursiegers bereits Koteletten. Fehrenbach schätzt und hofft, dass es davon bald noch mehr geben wird.

In den letzten Jahren erfreute sich der Radsport auf der „Insel“ ohnehin bereits rasant steigender Beliebtheit. Durch Mark Cavendish, der 2011 als erster Brite das Grüne Sprinttrikot der Tour de France und auch die Straßen-WM gewann, erhielt das Rennrad im vergangenen Jahr schon einen Popularitätsschub. Im September verkündete die British Cycling Association, erstmals mehr als 40.000 Mitglieder zu führen. Innerhalb von drei Jahren nach den Olympischen Spielen will der Verband diese Zahl verdoppelt haben.

Damit dies erreicht wird, müssen Fahrer wie Bradley Wiggins und Mark Cavendish, aber auch deren Kollegen Chris Froome und David Millar allerdings weiter Erfolge einfahren, weil sie nur so die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen können. Viel Zeit, sich auf dem Triumph in Frankreich auszuruhen, bleibt Wiggins aber nicht. In eineinhalb Wochen startet er für das britische Team bei den Olympischen Spielen in seiner Heimatstadt. Alles andere als Gold wäre da für die neugeborene Radfahrernation wohl schon wieder eine herbe Enttäuschung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2012)

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1 Kommentare
Gast: b754
22.07.2012 20:05
0 1

gut dass keiner von denen gedopt ist