London/AG. Wenige Stunden vor dem Beginn der Olympischen Sommerspiele gelang der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada ein Coup: Nach 13 Jahren der Überprüfung kommt erstmals ein neuer, noch effektiverer Markertest für das synthetische Wachstumshormon HGH zur Anwendung. Erst vor wenigen Tagen wurden die neuen Tests zugelassen, die einen größeren Nachweiszeitraum als bisherige Verfahren bieten.
Ob die Spiele 2012 die saubersten der Geschichte werden, wird aber nicht vom Kontrollsystem abhängen. „Das ist eine Frage an die Athleten und Athletinnen. Die Regeln sind aufgestellt“, sagte Wada-Generaldirektor David Howman.
In den sechs Monaten vor dem 19. Juli wurden weltweit in Olympia-Sportarten 71.649 Tests durchgeführt, 107 Sportler mit Sanktionen belegt. In London ist die Wada keine Testorganisation, übt aber eine Überwachungsfunktion aus und stellt neun Personen für die Olympischen und fünf für die Paralympischen Spiele ab.
Mit Blick auf die Nachtests der eingefrorenen Proben von Athen 2004, die fünf positive Ergebnisse brachten, warnte Wada-Präsident John Fahey: „In London haben wir ein engmaschiges Kontrollnetz. Es wird nicht einfach sein, hier zu betrügen. Ich möchte alle daran erinnern, dass wir die Proben lange lagern und acht Jahre nachtesten können. Wenn Sie glauben, Sie kommen davon, warten Sie ein paar Jahre, und wir finden Sie.“
Athen zeige, dass es eine kontinuierliche Nachbesserung in den Auffindungsmethoden gäbe, meinte Fahey. Er hätte sich gewünscht, dass der Nachweis schon früher erfolgt wäre, aber möglicherweise seien die Testgeräte noch nicht zur Verfügung gestanden. In die Forschung zu investieren sei deshalb unbedingt notwendig, wenn man aktuell sein möchte. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat indes seine Fehler bei der Aufarbeitung der eingefrorenen Dopingproben von Athen 2004 eingestanden. Erst im April konnten die Proben – gerade noch vor Ablauf der Frist – überprüft werden.
Die Wada baut aber nicht nur auf eine größere Anzahl von Tests, neue Technologien und die Zusammenarbeit mit Pharmakonzernen, sondern auch auf neue Wege bei der Auffindung von Dopingsündern. „40 Prozent der positiven Tests kommen von nicht-analytischen Methoden“, erklärte Fahey. Also dem Informationsaustausch, dem Nachgehen von Hinweisen, gezielten Kontrollen von Paketen beim Zoll. Nähere Angaben zu derzeit verdächtigten Personen machte die Wada nicht.
„Ich würde gerne daran glauben“
Ein wertvolles Hilfsmittel sind auch die biologischen Blutpässe. In sechs Verbänden, darunter Leichtathletik, Radsport und Schwimmen, kommen sie zur Anwendung. Und wenn der Fall eintritt, dass es bei den Großbritannien-Spielen keinen positiven Dopingfall gibt? „Das wäre sehr positiv. Ich würde gerne daran glauben, dass das Programm erfolgreich ist“, sagte Fahey.
Einige Athletinnen und Athleten sind bereits wegen Dopingvergehen von der Teilnahme an den Sommerspielen in London ausgeschlossen worden. Zuletzt erwischte es am Donnerstag den ungarischen Diskuswerfer Zoltan Kövago, die türkischen Gewichtheber Fatih Baydar und Ibrahim Arat sowie den griechischen Hallen-Weltmeister im Hochsprung, Dimitrios Chondrokoukis.

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