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Streitgespräch: „Boxen – das geht manchmal ins Lächerliche“

03.08.2012 | 18:47 |  MARKKU DATLER (Die Presse)

Sigi Bergmann und Werner Schneyder sind begeisterte Anhänger des Faustkampfes, kritisieren dessen Niedergang, die Klitschko-Familie und äußern ob der Olympia-Premiere der Damen vehement ihre Skepsis.

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Die Presse: Sie beide gelten als Boxnarren, sitzen seit Jahrzehnten am Ring, haben zig Größen kommen und allerlei Fallobst fliegen gesehen. Wo steht der Boxsport aktuell?

Sigi Bergmann: Der Ring gleicht einem Schlachtfeld. Im Augenblick geht's rückwärts mit der Entwicklung. Die Ali-Kämpfe waren einzigartig, aber wenn du dir heute anschaust, wie die Klitschkos gegen irgendwelche Pygmäen boxen, wird's fad. 1,80 Meter große Typen gegen Zwei-Meter-Männer, furchtbar. Schuld daran ist Amerika, der Amateursport ist am Ende – da kommt nichts mehr nach. Boxen ist auf dem Rückzug. Die Ukrainer haben jetzt alles übernommen. Bei den Profis diktieren die Klitschkos. Die Ukrainer haben sogar die Kubaner im Amateurbereich K. o. geschlagen. Das wird man auch bei Olympia sehen!

Die Klitschkos sind an allem schuld?

Werner Schneyder: Die Klitschkos können überhaupt nichts dafür, im Gegenteil: Ich finde diese beiden Burschen sehr imponierend. Die Art und Weise, mit der sie es geschafft haben, sich in der deutschen Gesellschaft zu positionieren, die Sprache zu beherrschen und grundgescheite Sachen zu sagen, das verlangt meinen Respekt. Sie sind, das wollte der Sigi eigentlich sagen, aufgrund ihrer Physis im Ring in der Lage, amateurhaft zu boxen. Sie verlassen sich auf ihre lange Linke. Solange aus Amerika nichts Ernsthaftes kommt, sind Veranstalter halt gezwungen, jeden Gegner zu hypen – und das geht manchmal ins Lächerliche.

Also ist Boxen auch für Sie langweilig geworden?

Bergmann: David Haye, auf den hatte ich gehofft. Aber mit seiner Niederlage wurde der ganze Weltboxsport endgültig zum Selbstbedienungsladen der Klitschkos.

Schneyder: Die Art und Weise, wie Berufsboxen heute verkauft wird, ist lächerlich. Der Grund ist der: Im Fußball kauft ein Sender die TV-Rechte und jeder hat das Recht, danach zu sagen, das war ein grausliches Match. Im Boxen ist es anders: Da ist der Sender, etwa RTL, zugleich der Veranstalter und Moderatoren müssen alles loben. Selbst die miesesten Schläge. Mittelmäßige bis unterklassige Kämpfe werden als Sensationen verkauft – dadurch wird es für mich eigentlich unappetitlich.

Es wird zur Show umgewandelt, wie beim Wrestling?

Bergmann: Ach was, die Catcher haben einen Champion und nicht zehn verschiedene, wie die Boxer von irgendwelchen Mickey-Mouse-Verbänden.

Schneyder: Mmmh, für mich ist Wrestling Kasperltheater auf höchstem Niveau! Sigi hat aber eines vorhin gesagt, das möchte ich jetzt steigern: Boxen zieht sich nicht zurück, es stirbt! Denn MMA – Mixed Martial Art – ist nicht aufzuhalten. Die Jugend prügelt sich um die Karten, das Ganze fällt in die Re-Barbarisierung unserer Gesellschaft, das muss gesagt sein.

Bergmann: Überall, wo die Füße dabei sind, bekomme ich sofort schreckliche Gänsehaut. Das ist wirklich nicht meins. Ali hat auch einmal gegen einen Wrestler gekämpft, fällt mir gerade ein. Das war auch nicht zum Anschauen. Ich habe es mit Otto Wanz kommentiert und Big Otto ist zur Hälfte aufgestanden und hat gesagt: „Ich genier mich für meine Branche.“

Welche Erfahrungen haben Sie persönlich im Boxsport gesammelt?

Schneyder: Ich war dreimal bei Olympia, zweimal bei einer WM – als Kommentator natürlich. Und ich habe zwölf Jahre Berufsboxen betrieben...

...sieht man aber nicht wirklich...

Schneyder: Naja, ich habe ein paar Kanten...

Bergmann: ...solange er nicht den Tristan singt, wird's nicht so schlimm sein. (alle lachen)

Zurück zum Thema: Was erwarteten Sie sich vom Olympia-Turnier?

Bergmann: Patterson, Ali, Frazier, Foreman, Lewis – alle wurden Olympia-Sieger, später Weltmeister. Olympia war eine Fundgrube.

Schneyder: Sigi, vergiss bitte die Klitschkos nicht!

Bergmann: Na na, da war nur einer. Der Wladimir hat Olympia gewonnen, der andere gar nichts.

Schneyder: Zwischen Amateur- und Berufsboxen ist ein Quantensprung. Bei Olympia gibt es den Kopfschutz, aber die Erschütterung bleibt gleich... Die gibt es übrigens nur wegen Juan Samaranch. Damit wäre Boxen weniger brutal, haben sie ihm damals eingeredet. So ein Blödsinn! Es gibt nur weniger Cuts, ist aber unattraktiver geworden für die Jugend.

Welchen Stellenwert haben dann Boxen und Olympia?

Bergmann: Boxen ist die Urdramaturgie des Lebens, das lasse ich mir nicht ausreden. Zwei Männer – jetzt halt auch Frauen – stehen auf einer Bühne und kämpfen um Macht, Einfluss, um weltweites Ansehen. Es ist etwas Intimes, eine nonverbale Auseinandersetzung. Und die Zuschauer sind durch die Bank Voyeure!

Schneyder: Boxen ist eine Ausdrucksform am Rande des Sports. Im Grunde ist es ein Phänomen wie Schach. Der wunderbare Amerikaner Bobby Fischer hat einmal gesagt: To destroy a man's ego. Demolieren, brechen, darum geht es.

Einer muss doch der Stärkste sein, darum ging es doch schon immer in unserer Geschichte...

Schneyder: Natürlich.

Bergmann: Ja, das passiert doch schon im Kindergarten. Hast du nie gerauft?

Mit mir wollte keiner...

Bergmann: Dann warst du der Klitschko des Kindergartens!

Schneyder: Boxen ist eine Verabredung im Ring, und, ganz wichtig: Es zwingt einen ja niemand dazu.

Bergmann: Hast grad wieder einmal Schnitzler inszeniert, weil du so etwas erzählst?

Schneyder: Sigi, hör auf. Sie willigen doch alle ein, dass ein Dritter, der Referee, drin steht und sagt, es reicht!

Jetzt haben auch die Damen – in drei Gewichtsklassen – den Olympia-Ring erobert. Ist das begrüßenswert?

Bergmann: Jetzt werde ich dir einmal etwas sagen: Frauen haben es schon 1904 in St. Louis versucht, sind aber gescheitert, weil nur Amerikanerinnen dabei waren. Die Reise war den Europäerinnen zu teuer. Seit damals kämpfen Frauen um die Annäherung an Olympia und haben jetzt die Emanzipation endgültig vollzogen. Es gibt keinen Olympia-Sport mehr, den nur Männer austragen.
Schneyder: Eishockey spielen sie ja auch, und sogar sehr gut Fußball. Es gibt aber weiterhin sehr wenige männliche Gymnastinnen, finde ich. Oder Synchronschwimmer...

Ist Damenboxen eine sportliche Bereicherung oder ein Showakt?

Schneyder: Typen wie die Regina Halmich waren super. Wenn es ihnen ein Bedürfnis ist, sich zu prügeln, bitte. Ob es schön und gut ist, fragt bitte die Frauen. Sie sollen Auskunft darüber geben.
Bergmann: Sie haben sich technisch in den vergangenen Jahren um Klassen verbessert!
Schneyder: Die haben doch die selben Trainer, die DDR-Schule ist oft auch noch dahinter.
Bergmann: Na was glaubst, was ich schon alles gesehen habe?

Schauen Sie sich die Damenfights an?

Schneyder: Nein, sicher nicht.

Bergmann: Na geh, komm, ich kommentiere es doch im ORF.

Schneyder: Nein!

Bergmann: Schade. Was ist, nach Olympia, gemma in die Oper?

„Boxen ist die Urdramaturgie des Lebens.“

Sigi Bergmann

„Ob es schön und gut ist, fragt bitte die Frauen.“

Werner Schneyder

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2012)

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20 Kommentare
Gast: Quaxi3
07.08.2012 23:55
0 0

Unser Sigi

Schneyder: Ich war dreimal bei Olympia, zweimal bei einer WM – als Kommentator natürlich. Und ich habe zwölf Jahre Berufsboxen betrieben...

...sieht man aber nicht wirklich...

Schneyder: Naja, ich habe ein paar Kanten...

Bergmann: ...solange er nicht den Tristan singt, wird's nicht so schlimm sein. (alle lachen)

Ich hätte auch gelacht

Gast: Hallooooo
04.08.2012 20:38
0 0

--

Nach meiner Kenntnis ist Boxen die einzige olympische Sportart, bei der der Gegner verletzt werden darf und muss.

in Sachen Promotion

war und ist Ali als Selbstvermarkter unübertroffen,
bei den Klitschkos hat das eher den Anschein einer Pflichtübung
wobei die Beiden aber auch Stil und Niveau haben

Klitschkos

Wen die Brüder nicht für den King arbeiten beziehungsweise unter seinem
Vertrag stehen würden,wären sie schon
öfters verdroschen worden !
Boxen können die nämlich nicht.

Gast: ADVOCATUS DI
04.08.2012 15:27
3 2

2 BOXEXPERTEN

In gebotener Kürze:
#Sigi Bergmann ist ein sentimentaler-GESCHWÄTZIGER BOX-CLOWN, sei Wissen über das Boxen im Detail ist gerade einmal-DURCHSCHNITTLICH!!
#Werner SCHNEYDER-ist ein angeberischer-SALON-MACHO!!
Frauenboxen: Ist auch nicht mein Favorit, aber zur Kenntnis des Salon-Helden:
Die Laila ALI hätte zu jedem Zeitpunkt und in jedem Alter-DEN RINGBODEN MIT IHM AUFGEWISCHT!!
# Die Klitschkos haben das Schwergewichtboxen auf lange Zeit ruiniert-NICHT DESHALB,WEIL ES KEINE GEGNER GIBT, sondern weil:
a.Weil sie nur im eigenen Deutschen Vorzimmer boxen, und Amerika meiden, denn hätten sie ihre Hauptkämpfe dort abgewickelt, wären sie längst nicht mehr Champs!!
b.Wer hat so einen non sense schon gehört, dass-2 AN DER SPITZE GEREIHTE SCHWERE NICHT GEGENEINANDER KÄMPFEN-wollen und müssen??!!
Ein billiger Trick, denn auf diese Weise können sie 2-fach abcashen!!
c.Der Hauptgrund ist,EIN PROFESSIONELLER BERUFS-BETRÜGER NAMENS BERNDT BÖNTE!!
Etwa 50% der Klitschko-Gegner der letzten 5Jahre waren nicht einmal unter den Top 100 gereiht!!
d.Zum Abschluß: 2 Top-Schwergewichte der letzten 20 Jahre, nämlich: George FOREMAN und Mike TYSON hätten die beiden KOs bei freier Wahl der Reihenfolge, und einer Zeitdifferenz vo 5 Stunden-AN EINEM ABEND GEBOXT, und beide ko geschlagen mehr habe ich zu diesen "studierten Betrügern" nicht zu sagen!!


Re: 2 BOXEXPERTEN

Und sie trinken auch ein Achterl und passen auf, dass beim Klogehen nicht ein Aderl im Kopf platzt, ja?

2 tolle Kerle...

Ich mag beide Herren sehr gerne; Boxen mag ich auch, weil es nicht politisch oder sonst wie korrekt, sondern total männlich, herrlich aggressiv und martialisch ist. Derlei Sportarten werden für's weibliche Geschlecht erst dann interessant, wenn Frauen gleichwertige Leistungen wie Männer erbringen können; ansonsten ist Frauenboxen oder Damenringen ästhetisch gesehen eher wie eine Kindergartenrauferei anzusehen und ridikül.

Re: 2 tolle Kerle...

die beiden sind nicht auszuhalten .. der eine (Bergmann) wirkt und artikuliert als wäre er unzurechnungsfähig und der andere ist ein selbsternannter Experte, völlig unfähig über den Tellerrand zu bilcken, der Boxen auf der einen Seite als ästhetisch und zum Faustfechten hochstilisiert und auf der anderen Seite, lächerlicherweise und sich selbst lächerlich machend, für ein Verbot von Mma (ach so brutal u. gefährlich ..) eintritt

Gast: the italian stallion
03.08.2012 21:48
4 8

boxen

wenn schon frauenkampfsport, dann muesste das eher kratzen, haare ziehen und beissen sein.

frauenboxen ist total unnatuerlich ...

irgendwie lustig sind auch die fliegengewichtkaempfe wo behelmte maennlein mit viel zu grossen hosen aufeinander einstupsen, nur der gerechtigkeit halber ;)

Re: boxen

genau - du Großmaul .. bist herzlich eingeladen mal zu uns (Foxgym ..) auf ein Training/Sparring vorbeizukommen ..

Re: Re: boxen

wo ist das?

Re: Re: Re: boxen

.. in der Tautenhaygasse im 15.

Antworten Antworten Gast: INTELLEGO
04.08.2012 18:53
0 0

Re: Re: boxen

Gegenüber solchen eilfertigen Helden wie Sie, inyface-bin ich sehr skeptisch!!
Der Große Ali wurde einmal, von einem Reporter befragt, warum er, von einem Yankee-Wirten schlecht behandelt keine Schlägerei begonnen habe, darauf Ali im O-Ton:
Ich bin, das wissen Sie ein exzellenter Boxer-ABER SO GUT-BIN ICH NUN AUCH WIEDER NICHT!!
Was leicht passieren kann ist:
Falscher Mann, am falschen Ort, AUCH EINEM GUTEN KÄMPFER!!

Re: Re: Re: boxen

ähm lesen und auch verstehen ist nicht so deine Stärke, oder?! abgesehen davon, dass ich nicht mich meinte (auch wenn ich trotz guter 45 kg weniger kein Problem mit ein paar Sparringsrunden mit unserem italienischen Pony hätte ..) bezog sich mein Statement eigtl. ausschließlich darauf, dass selbst ein halbwegs trainierter/sportlicher aber kampfsportunerfahrener Mann gg. eine etwa gleich schwere Profiboxerin nicht den Funken einer Chance hätte .. und dieser überhebliche, abwertende und arrogante Ton in seinem Post tat sein übriges dazu bei ..

Re: Re: Re: Re: boxen

ad Selbstverteidigung/"Straßenkampf": das eine, nämlich Thaiboxen bzw. Boxen, ist Sport - sprich reglementiert und unter entsprechenden Rahmenbedingungen stattfindend, das andere passiert ohne jegliche Regeln und in allen nur denkbaren Situationen .. davon mal abgesehen sehe ich schon den durchschnittlich trainierten/begabten Kampfsportler im Vorteil - sowohl aufgrund der (besseren) körperlichen Konstitution, als auch durch das größere Schlagrepertoir sowie durch ein mehr an Geschwindigkeit/Genauigkeit, besser geschulte Motorik/Reflexe und natürlich auch das Kennen von Stresssituationen wie zb. im (harten) Sparring oder im Wettkampf auftreten

Antworten Antworten Gast: the italian stallion
04.08.2012 15:57
0 1

Re: Re: boxen

aus dem alter bin ich leider heraussen. aber mit meinen sportlichen 1,94 / 115 wuerde das wohl trotzdem kein sehr fairer kampf sein ...

Re: Re: Re: boxen

uuuh du Gigant, wir fürchten uns jetzt alle vor dir .. und lieb, "sportliche" 115 kg bei 1,94 m - andere würden "dezent" übergewichtig dazu sagen .. abgesehen davon, gibt's bei uns auch Schwergewichtler (zb. Lazar Tomic - wenn auch nicht mehr aktiv kämpfend ..) - aber die braucht es gar nicht da du nicht mal eine Runde gg. die Guten im 75-80 kg Bereich überstehen würdest ;) .. von Thaibox-/Boxprofis selbst in den unteren Gewichtsklassen ganz zu schweigen .. ach ja, echt interessant, dass man für (Kampf-)Sport zu alt sein kann

Antworten Gast: 6753
04.08.2012 12:13
4 0

Re: boxen

Einstupsen ?

Erkundigen Sie sich mal um die Schlagkraft so eines Einstupsers.

8 0

Re: boxen

Waer sicher auch lustig zu sehen wie Sie gegen Frauen und Fliegengewichter abschneiden wuerden...

Antworten Antworten Gast: the italian stallion
04.08.2012 16:12
1 4

Re: Re: boxen

ich hatte bisher erst eine auseinandersetzung mit einer frau, die fand aber nicht im boxring sondern vor der familienrichterin statt, und das ist fuer den mann generell so als wuerde er mit verbundenen armen und augen antreten.

der letzte hi ha ho der sich mit mir anlegte war danach 2 tage in dubai im krankenhaus und musste anschliessend wieder nach hause nach korea :'(