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Der Triumphzug eines Massai-Kriegers

10.08.2012 | 18:26 |   (Die Presse)

David Rudisha gewann das 800-Meter-Rennen und wurde damit seiner Rolle als „Afrikas Stolz“ gerecht. Sein Stamm opferte für den Kenianer eine Rinderherde.

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London/Da. Die Massai sind eine ostafrikanische Volksgruppe, sie leben in Kenia als Halbnomaden, die Rinderzucht betreiben und mit ihrem auffallenden Gewand am Rande des Nationalparks zu finden sind. Durch David Rudisha erlangt dieser Stamm schlagartig Weltruhm. Der 23-Jährige gewann bei den Sommerspielen in London Gold über 800 Meter und stahl mit der Weltrekordzeit von 1:40,91 Minuten sogar dem großen Usain Bolt für mehrere Minuten das Rampenlicht.

Es ranken sich viele Mythen um den Wunderläufer aus Kenia, dessen Vater bei den Spielen 1968 in Mexiko Silber mit der 4x400-Meter-Staffel gewonnen hat. Rudisha sagt, dass ihn der Vater inspiriert habe, er sah sich seine Läufe auf YouTube an, und „ich laufe auch in seinem Geiste. Aber ich wollte ihm zeigen: Ich laufe besser und schneller als du.“

 

Krieger, ohne erlegten Löwen

Als Sohn einer populären Folksängerin lernte David Rudisha schon früh, was es bedeutet, bekannt zu sein. Schon früh wurde auch er als „Afrikas Stolz“ gefeiert, seine Rennen inspirierten viele seiner Landsleute, sagt er. Das müssen sie auch, denn Rudisha ist über 800 Meter eine unbezwingbare Größe. Von den schnellsten 15 jemals gelaufenen Rennen über diese Distanz hat er zehn gewonnen. Dreimal verbesserte er auch den Weltrekord. Er ist der Star, wenn es darum geht, zweimal durch das Stadion zu laufen.

Dass er als erster Massai Olympia-Gold gewinnen konnte, ist eine Form von Selbstbestätigung für ihn, in London äußerte er aber noch einen anderen, einen in diesem Augenblick seltsam anmutenden Wunsch. „Ich hoffe, dass Arsenal den Titel gewinnt.“ Ob Arsene Wenger den Mann aus Kilgoris, zu dessen Ehren schon eine Rinderherde geopfert wurde, als Stürmer verpflichten würde?

„Engai“, der Gott der Massai, habe ihnen das Recht dazu gegeben, er habe ihnen alle Rinder dieser Welt überlassen. Sie für Rudisha zu opfern, war somit ein „Geschenk“, ebenso wie die Tatsache, dass ihn sein Stamm zum „Krieger“ krönte, ohne dass er jemals einen Löwen erlegt, geschweige denn es überhaupt vorhat.

„Afrikas Stolz“, der auch bei 34Leichtathletik-Meetings in Serie ungeschlagen blieb, hinterließ in London auch bleibenden Eindruck. Vor allem bei Olympia-Chef Sebastian Coe, der einst selbst Rekordhalter über 800 Meter gewesen ist. „Rudisha hat Olympia-Geschichte geschrieben, es war eine einfach unglaubliche Vorstellung von ihm. Ich bin stolz, diesen Augenblick im Stadion miterlebt zu haben.“

Zur Person

David Lekuta Rudisha wurde am 17. Dezember 1988 in Kilgoris im Trans Mara District geboren. Der kenianische 800-Meter-Läufer gewann in London als erster Massai Olympia-Gold. In 1:40,91 Minuten verbesserte er auch seinen eigenen Weltrekord.

Sein Vater gewann bei den Spielen 1968 Staffel-Silber. Sein Sohn aber ist der neue Held seines Stammes und wird als „Krieger“ verehrt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2012)

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