19.06.2013 20:33 Merkliste 0

Ende der „Hexenjagd“ Aufgabe statt Aussage

24.08.2012 | 18:31 |  von MARKKU DATLER (Die Presse)

Lance Armstrong lehnt einen Prozess ab und nimmt dafür eine lebenslange Sperre und den Verlust aller Siege in Kauf. Für seine Gegner gleicht das einem „Geständnis“.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Austin/Wien. Lance Armstrong hat sich entschieden: Der 40-jährige Texaner, der mit sieben Siegen bei der Tour de France Sportgeschichte geschrieben hat, will sich nicht länger mit Dopingjägern, Anschuldigungen oder einem Gerichtsverfahren auseinandersetzen. Er erteilte der „Hexenjagd“, wie er die Ermittlungen der amerikanischen Anti-Doping-Behörde bezeichnet hat, ein Ende anstatt am Ende als verurteilter Dopingsünder dazustehen. Er verzichte auf das Gerichtsverfahren, damit sei der Spuk vorbei. Es gibt keinen Schauprozess mit unangenehmen Fragen und entlarvenden Zeugenaussagen. „Es kommt ein Punkt im Leben jedes Menschen, an dem er sagen muss ,genug ist genug‘. Für mich ist dieser Punkt gekommen.“

Der Texaner blieb bei seiner Verteidigungsstrategie. Er leugnete alle Vorwürfe, bestritt vehement, jemals mit Doping in Berührung gekommen zu sein, und verließ die Sportbühne, ohne jemals eine positive A- oder B-Probe abgeliefert zu haben. Somit habe auch niemand das Recht, ihn offiziell als „Doper“ bloßzustellen. Dafür ist er auch willens, einen hohen Preis zu bezahlen. Die lebenslange Sperre tangiert ihn nicht, nur der drohende Verlust aller Erfolge seit dem 1. August 1998, vor allem das Auslöschen seiner sieben Tour-Siege, ist für den eitlen Sportler – mehr oder minder – schmerzhaft.

Doch in diesem Punkt ist das letzte Wort noch nicht gesprochen – die Praxis bei Dopingsündern sieht eine Löschung aller Erfolge im Zeitrahmen von acht Jahren vor. Gemäß dieser „Zeitrechnung“ wäre nur sein letzter Tour-Sieg, der von 2005, in Gefahr.

 

Sackgasse mit drei Optionen

Am Montag, als ein Gericht in Armstrongs Heimatstadt Austin eine Klage gegen die Ermittlungen der US-Anti-Doping-Agentur abgewiesen hatte, war der ehemalige Radstar in einer Sackgasse gefangen. Die Aussagen ehemaliger Teamkollegen waren erdrückend, die Indizienkette zu stichhaltig.

Somit blieben Armstrong nur noch drei Optionen: Er hätte vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne ziehen können, nur das wäre mit hohen Kosten und weiteren Jahren voller Anfeindungen und Rechtfertigungen verbunden gewesen. Er hätte vor Gericht kämpfen können – ohne tatsächliche Garantie auf eine Siegchance. Aber auch die dritte Option, mit seinen Erzfeinden den in den USA nicht unüblichen „Deal“ anzustreben, war ihm zutiefst zuwider.

Also zog er die Reißleine, was für ihn keineswegs einem Schuldeingeständnis gleichkommt. Es mag naiv anmuten, doch Armstrong, der 1999 nach überstandener Krebsoperation mit seinem ersten Sieg die Radsportwelt als schillerndes, bewundernswertes und makellos erscheinendes Aushängeschild erobert hatte, ist davon felsenfest überzeugt. Er sagt: „Ich weiß, wer sieben Mal die Tour gewonnen hat und auch meine Teamkollegen und alle, gegen die ich gefahren bin, wissen, wer die Tour sieben Mal gewonnen hat. Es gab keine Abkürzungen, keine speziellen Behandlungen.“

 

Gewinnen, um jeden Preis

Seine Reaktion führte aufseiten der Dopingjäger zu nahezu hämischen Aussagen. Travis Tygart, Chef der US-Anti-Doping-Agentur, nannte es einen „bedauerlichen Schritt. Vor Gericht hätte Armstrong doch der ganzen Welt die Wahrheit sagen können... Das ist ein trauriger Tag für alle, die den Sport und heldenhafte Athleten lieben. Es ist ein herzzerreißendes Beispiel dafür, wie die Kultur des Gewinnens um jeden Preis den fairen, ehrlichen Wettbewerb untergräbt. Es ist aber auch eine Erinnerung, dass für künftige Generationen weiterhin die Hoffnung besteht, ohne leistungsfördernde Mittel anzutreten.“

John Fahey, Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, maß Armstrongs Abgang weitaus weniger Emotionen bei. Für ihn sei es zweifellos ein Schuldeingeständnis. „Er hatte das Recht, die Vorwürfe zu entkräften. Daher ist es unter diesen Umständen die einzige Deutung, dass die Vorwürfe Substanz hatten“, wird Fahey von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert. „Damit sind auch all seine Tour-Siege nichts mehr wert.“

Die Dopingjäger hatten Armstrong jahrelang vorgeworfen, mithilfe von Steroiden und Blutdopingmitteln von 1999 bis 2005 gewonnen zu haben. Auch soll er mit illegalen Substanzen gehandelt haben. Die US-Staatsanwaltschaft hatte diesbezügliche Ermittlungen eingestellt, doch ihre Sportkollegen ließen nicht locker, bis der ehemalige Spitzenreiter des Pelotons nun den Schlussstrich zog.

Armstrong wolle sich nun verstärkt seiner „Livestrong“-Stiftung zum Kampf gegen Krebs widmen. In diesem Rennen muss er keinerlei Gegenwind mehr fürchten.

„Ich weigere mich, in einem einseitigen, unfairen Prozess mitzumachen. Meine Position: Der Unsinn ist jetzt vorbei.“

Lance Armstrong

„Der Gedanke, dass Athleten ohne positive A- & B-Probe verurteilt werden können, pervertiert dieses System.“

Derselbe

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

158 Kommentare
 
12 3 4
Gast: sport
27.08.2012 17:19
0 0

auf

sport auf diesen niveau geht ohne doping sowieso nicht.....früher einmal waren sportler vorbilder für die jugend heute ist es deren dopingverhalten....

Gast: einBeobachter
25.08.2012 18:40
2 3

Depperl will ich heißen ...

... wenn der nicht gedopt hat.
Ich habe einmal in einem Anfall von zeitweiligem Schwachsinn einige Wochen lang ein Fitnesstudio besucht. Am ERSTEN Tag fand ich einen Beipackzettel (anaboles Steroid) und am zweiten Tag eine leere Trinkampulle in der Garderobe. Dort war kein einziger Profi, alles bestenfalls geölte Guglhupfe (credits EAV). Anderer Bereich, anderes Niveau, andere Sitten ? Glaub' ich nicht !

Re: Depperl will ich heißen ...

Kein Wunder! Über neunzig Prozent aller Dopingmittel werden in der Hobbysportler-Szene verkauft.

danke, das ist der Beweis, nach dem alle gesucht haben


Antworten Gast: Verweigerer
25.08.2012 20:46
1 0

Re: Depperl will ich heißen ...

Als Ausrede für's nicht Trainieren könnten Sie sich ruhig was Besseres aus den Findern saugen.

Antworten Gast: globetrotterneu
25.08.2012 18:59
3 1

Re: Depperl will ich heißen ...

eine leere drinkampulle kann kein steroid sein ist höchstens ein amino trinkampulle bitte nicht posten wenn sie sich nicht auskennen.

Antworten Antworten Gast: einBeobachter
25.08.2012 22:20
0 0

Re: Re: Depperl will ich heißen ...

Ich hab' die Ampulle nicht angegriffen, auch nicht gelesen, was d'raufstand. ABER ich habe auch nicht behauptet, daß es sich um irgendetwas möglicherweise Verbotenes handelt. Mir war es nur im Zusammenhang mit dem Beipackzettel als seltsam aufgefallen. Der Beipackzettel war eindeutig, da ging es um anabole Steroide.

1 0

Re: Re: Re: Depperl will ich heißen ...

Also in meinem Fitnessstudio habe ich dergleichen nicht beobachtet. Es ist erfreulicherweise bestückt mit Pensionisten und Leuten denen wohl ein Arzt oder Physiotherapeut den Besuch desselben nahegelegt hat. Kraftprotze sind eindeutig die Minderheit. Kann mir aber schon vorstellen, dass es auch andere Studios gibt, wo ich nicht hingehen würde

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: einBeobachter
26.08.2012 12:01
0 1

Re: Re: Re: Re: Depperl will ich heißen ...

Es ist in der Tat so, daß man sich offenbar genau aussuchen muß, wo man hingeht. Mir hat es nach zwei, drei Wochen gereicht, ich bin seither nie wieder in einem Fitnessstudio gesehen worden. Alleine die Gespräche. Lance Armstrong wäre als bekennender Doper ein Held bei den Leuten ...

4 1

hexenjagt

nur weil armstrong sich weigert am laufenden verfahren gegen ihn teilzunehmen drohen sie ihm lebenslang zu sperren mit aberkennen aller seiner sieben tour siege,warum soll er auch teilnehmen er braucht niemannd was beweisen im gegenteil sie muessen ihm nach weisen das er gedopt war und das haben sie bis heute nicht geschaft alle tests waren negativ!! er ist eben der beste aller zeiten so oder so! man sollte so einen ausnahme sportler respektieren und nicht immer versuchen ihn ans bein zu pinkel!! was der mann geleistet hat schaft die naechsten hundert jahre sicher keiner

Antworten Gast: einBeobachter
26.08.2012 12:06
1 2

Re: hexenjagt

Stimmt NICHT - nachlesen, Armstrong wurde definitiv positiv getestet, nur gingen die Ergebnisse nicht den rechten Instanzenweg. Eh klar, wenn er die Dopingkontrollore sponsert. Ganz offen !
Ausnahmesportler ? Ausnahmebetrüger vielleicht. Denn es ist sicher eine "Lesitung" so zu betrügen. Aber mit dem Rad zeige ich als Unsportler ihm den Auspuff. Wenn er nicht gedopt ist, dann klappt er ja zusammen.

Gast: Lancebeobachter
25.08.2012 13:06
4 1

Fuer mich bleibt er der grosse Sieger

Die Sport-Politiker koennen mich alle mal. So wie ihn. Die Franzosen koennen mich sowieso schon seit 800 Jahren.

Antworten Gast: einBeobachter
26.08.2012 12:06
0 2

Re: Fuer mich bleibt er der grosse Sieger

Es gibt auch in anderen Bereichen ewig Gestrige ...

Gast: lance
25.08.2012 12:07
3 0

in einem Rechtsstaat sollten alle gleich behandelt werden

Als man beim spanischen Dopingarzt Fuentes eine Hausdurchsuchung machte, wurden Namen von Dopingsündern sichergestellt.

Man fand Sünder von verschiedenen Sportarten, unter anderem waren auch Starfussballer von Real Madrid dabei.
Wegen politischer Brisanz hielt man die aber unter Verschluss und auch die Anderen mit Vitamin B.

Veröffentlicht wurden nur Namen von Radrennfahrern (was hat man nur gegen die!), wobei der Prominenteste damals Jan Ullrich war.

Wo bleibt da die Gleichbehandlung.


Gast: landis
25.08.2012 11:47
3 1

auch Floyd Landis kämpfte um seine Reputation

Solange, bis nicht nur sein erradeltes Geld weg war, sondern er auch noch einen Berg von Schulden am Buckel hatte.

Als willenloser Bankrotteur in den Händen der Inquisitoren war er natürlich zu jeder Aussage bereit. Ein Vehikel um an den dicken Fisch Armstrong heranzukommen.

Armstrong, der nun schon jahrelang ein Heer von Anwälten durchfüttert, will nicht das gleiche Schicksal erleiden.
Was hilft ihm seine Ehre und seine Titel, wenn er den Rest seines Lebens als Bettler mit dem Hut herumrennen muss.
Armstrong ist eben kein Loser.

Gast: Gast328
25.08.2012 11:23
4 0

Lächerlich

Wenn man Aussagen von anderen Fahrern höher als die Fakten bewertet, dann beweist es wieder, dass sowohl das Dopingsystem als auch das Antidopingsystem ein reines Mafiasystem sind!

Hauptsache Winokurow (Doping übeführt mit Beweisen nicht mit Vermutungen und Aussagen) wird Olympiasieger!

Wer sich die unglaublichen Machenschaften der Antidopingorganisation in Österreich anschaut kann nur vermuten wie es in größeren Staaten zugeht!


und nimmt dafür eine lebenslange Sperre und den Verlust aller Siege in Kauf.

Und er wird auch wissen warum!

Antworten Gast: globetrotterneu
25.08.2012 11:12
2 2

Re: und nimmt dafür eine lebenslange Sperre und den Verlust aller Siege in Kauf.

warum sollte er wenn sollten sie fast alle an den pranger stellen oder glauben sie er wahr der einzige im feld der gedopt hat, aber sie glauben sicher auch das herrmann maier nach seinen unfall nicht gedopt wahr.

Bernard Hinault

ist und bleibt der grösste.

auch wenn sie ihm jetzt ohne a und b probe seine siege wegnehmen.

Gast: Leser
25.08.2012 09:40
1 2

Verlogener Ami halt.

Die sollten viel merh kontrolliert werden aber nachdem Sport auch immer ein Politikum ist...

was für eine Demonstration Alpe D'Huez 2001: Armstrong vs. Ulrich

Am Fuße von Alpe D'Huez schaut Armstrong Ulrich an so nach dem Motto "na, packmas an?", dreht sich um und... weg ist er!

ab 7min03sec!

http://www.youtube.com/watch?v=1oiuwRejx0g

Des war richtig cool damals ;-)

PS: alle sind bei der TdF gedopt, so what?

Re: was für eine Demonstration Alpe D'Huez 2001: Armstrong vs. Ulrich

Nicht alle, aber sehr viele, Armstrong war mit Sicherheit dabei, war ja ein offenes Geheimnis. Die Tourleitung hat ihn jahrelang geschützt, sogar die Proben sind verschwunden, will aber keiner hören.

Es ist schwachsinnig

Der Kampf gegen Doping ist verloren.

Anstatt jetzt mit Rundumschlägen den Sport mit in den Abgrund zu reißen, sollten die "Dopingjäger" ihre Niederlage eingestehen und sich einen anderen Job suchen.

Wenn jeder nachhelfen darf, ist der Wettbewerb fairer, als wenn es nur darum geht, sich nicht erwischen zu lassen.

er Gedanke, dass Athleten ohne positive A- & B-Probe verurteilt werden können, pervertiert dieses System

Dem kann man nichts mehr hinzuzufügen und nur noch den Kopf schütteln.

Re: er Gedanke, dass Athleten ohne positive A- & B-Probe verurteilt werden können, pervertiert dieses System

Die Proben sind schon vor Jahren verschwunden, war damals ein Skandal. Scheinen alle vergessen zu haben.

Antworten Antworten Gast: lance
26.08.2012 11:35
1 0

Re: Re: er Gedanke, dass Athleten ohne positive A- & B-Probe verurteilt werden können, pervertiert dieses System

Blödsinn!
Die eingefrorenen Proben (über Jahre) liegen nach wie vor bei einer Pariser Behörde unter Verschluss.

 
12 3 4