Aspen/Ag/Swi. Den ersten öffentlichen Auftritt nach der Bekanntgabe der Sperre und der Aberkennung seiner Erfolge durch die US-Antidopingbehörde Usada gab Lance Armstrong am Samstag im Rahmen eines Mountainbike-Hobbyrennens in Aspen. Der 40-jährige Texaner präsentierte sich dabei im schwarz-goldenen Renntrikot und zeigte sich nach außen hin völlig gelassen.
„Niemand braucht um mich zu weinen. Mir wird es prima gehen“, sagte Armstrong den zahlreich erschienenen Journalisten, „Ich habe fünf tolle Kinder und eine wunderbare Frau in meinem Leben.“ Er betonte, dass ihm Rennen nicht mehr wichtig seien. „Es geht mir nur darum, fit zu bleiben und eine der schönsten Ecken der Welt zu genießen – an einem schönen Tag auf einer schweren Strecke“, betonte Armstrong. „Einige werden vielleicht sagen, es ist ein bisschen krank, so etwas in der Freizeit zu machen. Mir hat es großen Spaß gemacht.“
Über die 58 Kilometer belegte der frühere Radprofi, der zuletzt im Triathlon aktiv war, Platz zwei. Schneller war nur der erst 16-jährige Keegan Swirbul. „Es ist cool, von jemandem in den Hintern getreten zu werden, der mein Sohn sein könnte. Merkt euch diesen Namen, er hat eine große Zukunft“, war Armstrong voll des Lobes für seinen jungen Konkurrenten. Auch dem Radsport prophezeite er eine gute Perspektive: „Es gibt eine Menge guter, junger Leute.“
Den Kontrolleuren stets voraus
Am Samstag meldete sich auch der wissenschaftliche Berater der französischen Antidopingagentur in einem Interview mit der Zeitung „Le Monde“ zur Affäre Armstrong zu Wort. Michel Rieu behauptet darin, dass Armstrong jahrelang vorab über Dopingkontrollen informiert wurde. „Die Kontrolleure hatten Schwierigkeiten, unangekündigte Tests durchzuführen, ohne dass Armstrong einen Vorsprung von 20 Minuten hatte“, erklärte Rieu. „Er wurde immer rechtzeitig gewarnt.“ Der Amerikaner habe dazu ein großes Netzwerk genutzt, zu dem auch mehrere Physiologen gehört hätten.
So sei Armstrong das im Ausdauersport für Blutdopingzwecke genutzte Hormon EPO nur in kleinen Dosen verabreicht worden, durch die Warnungen habe er sein Blut verdünnen oder auch seinen Urin ersetzen können. „Ohne Informationen der Polizei oder der Zollbehörden wären wir hilflos gewesen“, sagte Rieu. Bis heute hat Armstrong offiziell nie eine positive Dopingprobe abgeliefert und weist die Manipulationsvorwürfe zurück.
Verwirrung herrscht in der Causa um die Aberkennung von Armstrongs sieben errungenen Tour-de-France-Titeln. Zwar verkündete die Usada die Streichung aller Resultate seit 1998, überschritt damit aber ihre Kompetenzen. Diese Entscheidung obliegt nämlich dem Weltverband (UCI). Dieser machte in ähnlichen Fällen vergangener Jahre aber gemäß dem Wada-Code die Verjährungsregel von acht Jahren geltend. Damit wäre nur noch Armstrongs Titel von 2005 in Gefahr.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.08.2012)

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