OSV-Präsident Schauer: „Meine Schmerzgrenze ist erreicht“

Mit seinem Rücktritt als OSV-Präsident setzt Paul Schauer einen Schlussstrich unter den in London eskalierten Disput mit dem Olympiavierten Dinko Jukic. David Ungar-Klein wird am Samstag Schauers Nachfolger.

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(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)

Wien. Paul Schauer tritt als Präsident des Schwimmverbandes zurück. Der 65-Jährige, der den Verband seit 2004 führte, will nicht mehr. Ursprünglich wollte er sich beim Verbandstag am Samstag in Linz der Wahl für eine dritte Amtszeit stellen. Doch der Druck, der zuletzt durch die Sperre und die Rebellion des Olympiavierten, Dinko Jukic, entstanden ist, wurde ihm zu groß. Auch wollten die vom „Kurier“ ins Spiel gebrachten Diskussionen um die vom OSV installierte GmbH., über deren Existenz nicht einmal Rechnungsprüfer Bescheid gewusst haben wollen, nicht abreißen. Schauer sagt: „Es wurden nur noch Gerüchte in die Welt gesetzt, um mir zu schaden.“

Auslösendes Moment des Rückzuges war aber der nach den Sommerspielen in London eskalierte Disput mit Dinko Jukic. Hatte der Werbeprofi jahrelang bedingungslos die schützende Hand über den für seine Streitbarkeit bekannten Sportler gehalten, war nach Olympia dieser Zusammenhalt jäh beendet.

Kampf gegen Dinko Jukic

Jukic wurde für die Vorfälle bei der EM in Debrecen im vergangenen Juni – er beschimpfte und bedrohte Funktionäre – vom Verbandsgericht für zehn Monate unbedingt gesperrt. Daraufhin ging Jukic, der dieses Urteil nicht anerkannte und Klagen ankündigte, auf Konfrontationskurs zu Schauer. Er wurde zu seinem Feindbild. „Im Moment beruhen viele Entscheidungen im Verband auf der Willkür eines einzelnen Menschen“, sagte der 23-Jährige. „Nicht Funktionäre sollen an der Spitze stehen, sondern Sportler. Wird Schauer wiedergewählt, beende ich meine Karriere.“

Auch Schauer reagierte, obgleich er „diplomatisch“ zu erklären versuchte, dass nicht er, sondern das Verbandsgericht die Sperre verhängt habe. Nun scheinen die Akzeptanz vorbei und der Geduldsfaden gerissen. Ein jahrzehntelanger Grabenkampf mit der Familie Jukic hat ihre Spuren hinterlassen. Zudem sah er sich mit der Tatsache konfrontiert, dass die in seiner Amtszeit erlebten Erfolge – Markus Rogan gewann zweimal Silber in Athen, Mirna Jukic eroberte Bronze in Peking, zig Medaillen bei EM und WM – ohne Jukic so schnell nicht zu wiederholen sind. Weitere Streitereien und permanente Drohgebärden wären Schauer also gewiss gewesen.

Schauer versuchte zwar, intern die Wogen zu glätten und scharte Weggefährten um sich, um für die Wiederwahl tatsächlich einen neuen, jüngeren Vorstand zu stellen. Doch die Angriffe auf seine Person nahmen nicht ab, im Gegenteil. Der Ton wurde rauer und der 65-Jährige sah sich mit für ihn „widerlichen Anschuldigungen“ konfrontiert. Man habe ihm Fremdenfeindlichkeit unterstellt, sagte er mehrfach. „Dabei haben bei mir Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus keinen Platz.“ Die Untergriffe rissen jedoch nicht ab und erreichten für ihn offenbar am Donnerstag ihre Schmerzgrenze, also legte er seine „ehrenamtliche Funktion“ zurück. „Das unerträgliche Niveau der Diskussionen, das bewusst auf gestreuten Gerüchten und Verleumdungen fußt, lässt mir keine andere Wahl. Ich gehe.“

„Ich bin ein Mann des Sports“

Schauers Nachfolger steht bereits ante portas. Es ist der Wiener David Ungar-Klein, der 40-Jährige wird am Samstag beim Verbandstag für das Präsidentenamt kandidieren. Der ehemalige Schwimmer und Agenturinhaber ist der einzige Kandidat, er sagt: „Ich bin ein Mann des Sports und komme aus dem Sport, daher bin ich an einer optimalen Lösung für den Schwimmverband interessiert und möchte mit allen Beteiligten nicht nur internationale Erfolge im Spitzensport feiern, sondern auch im Breitensport Akzente setzen.“

Ungar-Klein kandidiere, weil er die Athleten in den Vordergrund stellen und Strukturen verbessern wolle. Ob damit auch automatisch die Sperre von Dinko Jukic Geschichte ist, bleibt abzuwarten. Schauers Rückzug nahm er hämisch zur Kenntnis: „Das ist die größte Leistung seiner Amtszeit.“

Auf einen Blick

Paul Schauer trat am Donnerstag als Präsident des österreichischen Schwimmverbandes zurück.
Der 65-Jährige stand dem OSV seit 2004 vor und wollte am Samstag beim Verbandstag in Linz für eine dritte Amtszeit kandidieren, sah sich aber nach den Sommerspielen in London und der Sperre für Dinko Jukic anhaltenden Anfeindungen ausgesetzt. Mit seinem Rücktritt zog Schauer den Schlussstrich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2012)

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