OSV-Präsident Schauer: „Meine Schmerzgrenze ist erreicht“

13.09.2012 | 18:00 |  Von MARKKU DATLER (Die Presse)

Mit seinem Rücktritt als OSV-Präsident setzt Paul Schauer einen Schlussstrich unter den in London eskalierten Disput mit dem Olympiavierten Dinko Jukic. David Ungar-Klein wird am Samstag Schauers Nachfolger.

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Wien. Paul Schauer tritt als Präsident des Schwimmverbandes zurück. Der 65-Jährige, der den Verband seit 2004 führte, will nicht mehr. Ursprünglich wollte er sich beim Verbandstag am Samstag in Linz der Wahl für eine dritte Amtszeit stellen. Doch der Druck, der zuletzt durch die Sperre und die Rebellion des Olympiavierten, Dinko Jukic, entstanden ist, wurde ihm zu groß. Auch wollten die vom „Kurier“ ins Spiel gebrachten Diskussionen um die vom OSV installierte GmbH., über deren Existenz nicht einmal Rechnungsprüfer Bescheid gewusst haben wollen, nicht abreißen. Schauer sagt: „Es wurden nur noch Gerüchte in die Welt gesetzt, um mir zu schaden.“

Auslösendes Moment des Rückzuges war aber der nach den Sommerspielen in London eskalierte Disput mit Dinko Jukic. Hatte der Werbeprofi jahrelang bedingungslos die schützende Hand über den für seine Streitbarkeit bekannten Sportler gehalten, war nach Olympia dieser Zusammenhalt jäh beendet.

Kampf gegen Dinko Jukic

Jukic wurde für die Vorfälle bei der EM in Debrecen im vergangenen Juni – er beschimpfte und bedrohte Funktionäre – vom Verbandsgericht für zehn Monate unbedingt gesperrt. Daraufhin ging Jukic, der dieses Urteil nicht anerkannte und Klagen ankündigte, auf Konfrontationskurs zu Schauer. Er wurde zu seinem Feindbild. „Im Moment beruhen viele Entscheidungen im Verband auf der Willkür eines einzelnen Menschen“, sagte der 23-Jährige. „Nicht Funktionäre sollen an der Spitze stehen, sondern Sportler. Wird Schauer wiedergewählt, beende ich meine Karriere.“

Auch Schauer reagierte, obgleich er „diplomatisch“ zu erklären versuchte, dass nicht er, sondern das Verbandsgericht die Sperre verhängt habe. Nun scheinen die Akzeptanz vorbei und der Geduldsfaden gerissen. Ein jahrzehntelanger Grabenkampf mit der Familie Jukic hat ihre Spuren hinterlassen. Zudem sah er sich mit der Tatsache konfrontiert, dass die in seiner Amtszeit erlebten Erfolge – Markus Rogan gewann zweimal Silber in Athen, Mirna Jukic eroberte Bronze in Peking, zig Medaillen bei EM und WM – ohne Jukic so schnell nicht zu wiederholen sind. Weitere Streitereien und permanente Drohgebärden wären Schauer also gewiss gewesen.

Schauer versuchte zwar, intern die Wogen zu glätten und scharte Weggefährten um sich, um für die Wiederwahl tatsächlich einen neuen, jüngeren Vorstand zu stellen. Doch die Angriffe auf seine Person nahmen nicht ab, im Gegenteil. Der Ton wurde rauer und der 65-Jährige sah sich mit für ihn „widerlichen Anschuldigungen“ konfrontiert. Man habe ihm Fremdenfeindlichkeit unterstellt, sagte er mehrfach. „Dabei haben bei mir Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus keinen Platz.“ Die Untergriffe rissen jedoch nicht ab und erreichten für ihn offenbar am Donnerstag ihre Schmerzgrenze, also legte er seine „ehrenamtliche Funktion“ zurück. „Das unerträgliche Niveau der Diskussionen, das bewusst auf gestreuten Gerüchten und Verleumdungen fußt, lässt mir keine andere Wahl. Ich gehe.“

„Ich bin ein Mann des Sports“

Schauers Nachfolger steht bereits ante portas. Es ist der Wiener David Ungar-Klein, der 40-Jährige wird am Samstag beim Verbandstag für das Präsidentenamt kandidieren. Der ehemalige Schwimmer und Agenturinhaber ist der einzige Kandidat, er sagt: „Ich bin ein Mann des Sports und komme aus dem Sport, daher bin ich an einer optimalen Lösung für den Schwimmverband interessiert und möchte mit allen Beteiligten nicht nur internationale Erfolge im Spitzensport feiern, sondern auch im Breitensport Akzente setzen.“

Ungar-Klein kandidiere, weil er die Athleten in den Vordergrund stellen und Strukturen verbessern wolle. Ob damit auch automatisch die Sperre von Dinko Jukic Geschichte ist, bleibt abzuwarten. Schauers Rückzug nahm er hämisch zur Kenntnis: „Das ist die größte Leistung seiner Amtszeit.“

Auf einen Blick
Paul Schauer trat am Donnerstag als Präsident des österreichischen Schwimmverbandes zurück.
Der 65-Jährige stand dem OSV seit 2004 vor und wollte am Samstag beim Verbandstag in Linz für eine dritte Amtszeit kandidieren, sah sich aber nach den Sommerspielen in London und der Sperre für Dinko Jukic anhaltenden Anfeindungen ausgesetzt. Mit seinem Rücktritt zog Schauer den Schlussstrich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2012)

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19 Kommentare
Gast: einseltenergast1
14.09.2012 15:03
1 1

David Ungar-Klein...

David Ungar-Klein mag ein talentierter Agenturchef bzw. Lobbyist sein, der schon so manchem den richtigen "spin" gegeben hat, aber ob es ihm gelingt, einen 1,60m großen Kettenraucher als "Mann des Sports, der aus dem Sport kommt" (Zitat aus dem Artikel) darzustellen? Man darf gespannt sein;-)

Ganz Allgemein zur 3. Amtszeit

Eine dritte Amtszeit sollte eigentlich in keinem Verrein möglich sein. Dies widerspricht einer grundsätzlichen demokratischen Regel im Allgemeinen.
Ein Wechsel an der Spitze nach zwei Amtszeiten köann nur positiv für den Verein sein - ganz egal wie hoch die Verdienste des Amtsträgers sind.

Re: Ganz Allgemein zur 3. Amtszeit/stirnrunzler

Gestatten, dass ich jetzt "die Stirn runzle"? "...ganz egal wie hoch die Verdienste des Amtsträgers sind." Pardon, aber das passt hint' und vorn' nicht. Wenn jemand Verdienste hat (also Erfolg), weshalb sollte man ihm dann nicht eine weitere Amtszeit geben? Ich spreche hier ganz allgemein und nicht über Herrn Schauer.


Re: Re: Ganz Allgemein zur 3. Amtszeit/stirnrunzler

Lieber Herr Pensionow!
Ich spreche hier auch ganz allgemein!
Wieso glauben Sie gibt es in den USA (und auch in Österreich) die "Verpflichtung", dass der Präsident abtreten MUSS nach zwei Amtsperioden??
Es macht schon Sinn, dass hin und wieder (und 8 Jahre sind nun wirklich nicht kurz) frisches Blut und ein neuer Wind in die ganze Sache kommt. Das heißt ja nicht, dass der neue Amtsträger alles anders machen muss oder soll, sondern nur, dass es eben die Verpflichtung geben muss auch neue Leute an die Spitze zu wählen...

Re: Re: Re: Ganz Allgemein zur 3. Amtszeit/stirnrunzler

Selbstverständlichhat Ihr Standpunkt etwas für sich: Das Problem ist halt leider auch sehr oft, dass ein "Neuer" (auch eine "-e") oft glaubt, man müsse ALLES NEU machen und damit auch Gutes zerstört - z'weg'n der "Profilierung", dieser seltsamen "Neurose".

Gast: Cheftrainer
14.09.2012 11:00
1 0

Der Herr David Ungar-Klein in allen Ehren,

aber wenn ich 1,60m groß, 1,40m breit bin und 150 kg wiege kandidiere ich nicht für den Präsidenten eines Sportverbandes.....

Irgendetwas Sportliches sollte auch an einem Prädidenten sein.

Re: Der Herr David Ungar-Klein in allen Ehren,

...aber mit DEM Gesicht von Schauer sollte man auch die Öffentlichkeit meiden.

Aber auch Jukic soll den Hut nehmen - er ist kein Vorbild für Jugend - er ist ein einfältiger Querulant.

bzgl. Jukic!

Kritik zu äußern ist in Österreich wahrlich nicht tugendhaft, schon gar nicht wenn sie gegen offizielle bürokratisch-politische Institutionen gerichtet ist.
Da hat man schließlich still zu sein (das Wort "kuschen" gibt es wohl nur ihn Österr.), ..

2 4

der Rest

und wann geht der Rest dieser Rentnergang endlich in Pension?

Intrigen

ein Grüppchen insider beim Nachtreten ...

...man habe ihm Fremdenfeindlichkeit unterstellt...

Wie bitte?
* Jukic beschimpfte und BEDROHT Funktionäre
* Schauer sperrt ihn deswegen
* Schauer ist deswegen Fremdenfeindlich?

Zwickts mi...


Sportler

Dinko der Supersportler, wird uns jetzt einen unglaublichen Medailienregen bescheren,oder Bezirksrat für die ÖVP in Meidling werden.Schade um Schauer,es wurde der falsche geschasst.

Pest oder Cholera

Die Entscheidung war gut und überfällig. Aber leider ist die Alternative um nichts besser. David Unger Klein ist zwar beruflich durchaus erfolgreich, hat aber vom Schwimmen kaum mehr Ahnung als Schauer. Ein wenig Mastersschwimmen mit peinlichen Ergebnissen und sich mit ehemaligen Schwimmern aus dem In- und Ausland zu umgeben, reicht nicht als Qualifikation. Hier braucht es entweder einen Topmann aus der Wirtschaft, der bestens vernetzt ist und über Kontakte Sponsoren bringt, oder einen Experten aus dem Fach. Dazu seine Unterstützer wie Christian Schneeberger - das disqualifiziert ihn endgültig.

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gratuliere

Dinko, ein verstaubter, händeaufhaltender und lächerlicher Funktionär räumt seinem Platz am Futtertrog, dank deiner Hartnäckigkeit. Wahrlich eine Sternstunde des österreichischen Schwimmsports.

Jetzt muß Jukic Olympiasieger werden - Ex-Präsident Schauer ist an einem Scheitern jedenfalls nicht mehr schuld!

Trotz aller Begeisterung, die es offensichtlich überall über den Rücktritt gibt, sollte nicht vergessen werden, daß es auch für Sportler gewisse Benimmregeln gibt. Herr Jukic ist ein zorniger junger Mann, der seine Worte nicht unbedingt mit Bedacht wählt.
Mit dem neuen Präsidenten wird wohl mit einem Olympiasieg in vier Jahren zu rechnen sein - wenn nicht, dann hat Herr Jukic nur seinen Mund viel zu weit aufgerissen...

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Re: Jetzt muß Jukic Olympiasieger werden - Ex-Präsident Schauer ist an einem Scheitern jedenfalls nicht mehr schuld!

lächerlicher Kommentar ... ach du meine Güte, Herr Schauer sind Sie es????

Gast: wasweißdennich
13.09.2012 18:54
0 1

ey redaktion!

Schlußstrich wär korrekt gewesen...

:-)

Gast: Egal
13.09.2012 17:48
3 0

BSO

Liebe Freunde der BSO,

bitte handeln - es brennt in vielen Fachverbänden: Judo, Eisschnellaufen etc.! Wegschauen hilft nicht....

Endlich

Ein kleiner Schritt für Paul Schauer - ein grosser Schritt vorwärts für den österreichischen Schwimmsport!!

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