Buffalo. Österreichs Eishockey-Fans sehen vielleicht bald wieder NHL-Stars in den heimischen Hallen in Aktion. Nachdem in der Nacht auf Sonntag in der National Hockey League der "lockout" (Aussperrung) in Kraft getreten ist, werden viele Profis in Europa anheuern. Die Österreicher Thomas Vanek (Buffalo Sabres), Michael Grabner (New York Islanders) und Andreas Nödl (Carolina Hurricanes) könnten bei einem EBEL-Club landen. Das Trio hat sein Interesse jedenfalls bereits bekundet.
Während des ersten "lockout" 1994 heuerten Mike Sillinger (CE Wien) und Michal Pivonka (KAC) bei österreichischen Vereinen an. In der Saison 2004/05 spielten zehn "lockout"-Opfer für heimische Clubs (Dan Cloutier für den KAC, Brad Isbister für Innsbruck, Reinhard Divis, Jason Krog, Ethan Moreau und Eric Weinrich für den VSV, Jay Pandolfo, Marty Reasoner, Eric Chouinard und Rob Tallas für Salzburg). Heuer werden es wohl nicht so viele werden, drei der vier österreichischen Profis in Nordamerika könnte es aber in die Heimat ziehen.
Lediglich Thomas Pöck, der im Sommer bei Colorado Avalanche einen Zweiwegvertrag unterschrieben hat, wird wohl in Nordamerika bleiben. Der Kärntner Verteidiger wird höchstwahrscheinlich bei dem in Cleveland beheimateten Farmteam Lake Erie Monsters landen. Die Saison in der American Hockey League (AHL) startet am 12. Oktober, Vanek, Grabner und Nödl sind in der zweitstärksten nordamerikanischen Liga nicht spielberechtigt.
Vanek hat auf seiner Homepage seine Bereitschaft signalisiert, bei einem längeren "lockout" für einen österreichischen Club zu spielen. "Wenn sich bis Ende September nichts getan hat, muss ich mir auch überlegen, ob ich nicht nach Europa komme. Österreich ist da für mich sicher ein Thema", hat der Stürmerstar mitgeteilt. Grabner könnte bei seinem Stammclub Villach landen. Nödl erklärte: "Das Interesse in Europa zu spielen ist groß und wenn dann sicher in Österreich. Hoffentlich findet mein Agent etwas."
Allerdings sucht nicht jeder österreichische Verein nach Verstärkungen aus Nordamerika. Einerseits aus finanziellen Gründen, müssen die Vereine doch für die Versicherung aufkommen, die sich nach dem Spielergehalt richtet und meist im fünfstelligen Bereich liegt. Andererseits auch, um das Teamgefüge nicht durcheinanderzubringen. So haben die Vienna Capitals bereits abgewunken.Denn: Endet der Lockout schneller als gedacht, sind alle Stars praktisch über Nacht wieder verschwunden.
In ganz Europa wird es wohl weniger "lockout"-Flüchtlinge geben als 2004/05, als rund 400 NHL-Profis in Europa gespielt haben. Denn attraktive Ligen wie die schwedische Elitserien oder die grenzüberschreitende russische KHL haben Hürden aufgebaut.
Die KHL hat strenge Kriterien eingeführt und will damit nur Topstars den Weg ebnen. Jede Mannschaft darf maximal drei NHL-Profis unter Vertrag nehmen, bei den 20 russischen Teams darf darunter nur ein Ausländer sein. Die Legionäre müssen mindestens 150 Spiele in den vergangenen drei Saisonen vorweisen. Verpflichtet werden dürfen auch Spieler, die bereits in der KHL auf dem Eis standen, Teilnehmer einer Weltmeisterschaft oder bei Olympischen Spielen waren oder den Stanley Cup gewonnen haben. Schweden hat angekündigt, dass an der Elitserien interessierte Profis einen Einjahresvertrag ohne Ausstiegsklausel unterschreiben müssen.

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