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American Football: Schiedsrichterskandal empört sogar Obama

26.09.2012 | 18:17 |   (Die Presse)

Die NFL sperrte 120 Referees wegen Gehaltsverhandlungen und setzt stattdessen Amateure ein. Eine krasse Fehlentscheidung erzürnt nun das Land und ist Thema im US-Wahlkampf. Nur die Buchmacher jubeln.

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Las vegas/Washington/Fin. Amerikas Football-Fans gehen auf die Barrikaden, Stars drohen mit Boykott und selbst US-Präsident Barack Obama ist angesichts des heillosen Durcheinanders in der National Football League (NFL) erzürnt. Ausgelöst hat die Welle der in dieser Form in den USA noch nie erlebten Empörung eine krasse Fehlentscheidung der Referees. Im Spiel der Green Bay Packers gegen die Seattle Seahawks entschieden sie fälschlicherweise kurz vor Spielende auf Touchdown. Seattle, der Außenseiter, gewann mit 14:12.

Referee-Fehler passieren, es sind im Football wie im Fußball Tatsachenentscheidungen. Der Volkszorn aber kocht in Amerika extrem hoch – denn die derzeit eingesetzten Unparteiischen sind ausnahmslos Amateure. Die NFL, die finanzkräftigste Liga der Welt mit Jahreseinnahmen von neun Milliarden Dollar, hat seit Juni ihre 120 Profi-Referees nach gescheiterten Gehaltsverhandlungen ausgesperrt. Anstatt auf die Forderungen der Teilzeitkräfte einzugehen, setzt die NFL lieber Aushilfskräfte aus Schul- und College-Ligen ein. Das Ergebnis ist eine Farce.

„Der 13.Mann hat uns besiegt“, twitterte Packers-Star Tom Crabtree. „Ich möchte diese Typen nicht mehr auf dem Feld sehen. Können wir – bitte – die richtigen Schiedsrichter zurückbekommen. Die Ersatzschiedsrichter zerstören nur das Spiel, das wir alle lieben.“

 

„Stimmenfang in Wisconsin“

Football gilt in Amerika als Volkssport, also erreichte diese Diskussion schnell die Politik und wurde zum Thema im US-Wahlkampf. Präsident Barack Obama hat dazu bereits Stellung genommen, der Demokrat sagt: „Ich sage schon seit Monaten, dass wir unsere Schiedsrichter zurückholen müssen. Stoppt diesen Lockout.“

Mit seiner Stellungnahme trat Obama jedoch eine ganz andere Diskussion los. Er ist glühender Anhänger der Chicago Bears, also wurde das Votum für Green Bay von seinen Gegnern als „plumper Stimmenfang“ in Wisconsin für die Wahl am 6. November ausgelegt.

Denn in Wisconsin ist auch der Republikaner Paul Ryan zu Hause, der im Team von Mitt Romney als Vizepräsident vorgesehen ist. Zu Obamas Aussage hatte er einen Konter parat: „Die echten Schiedsrichter zurückholen? Das erinnert mich an Obama und die Wirtschaft. Wenn man es nicht schafft, muss man es lassen.“

Die NFL, die im Tarifstreit ihrer Linie treu bleibt und weiterhin zweit- und drittklassige Referees einsetzen wird, räumte ein, dass es eine Fehlentscheidung gewesen sei. Korrigiert wird sie aber nicht. Damit bleibt die „schlechteste Entscheidung aller Zeiten“ bestehen.

Die Bestätigung löste in Las Vegas einen Jubelschrei aus. Experten von Nevadas Glücksspiel-Kommission erklärten, dass die Buchmacher durch Seattles Sieg 300 Millionen Dollar (ca. 232 Mio. Euro) Gewinn machten. Geht es nach ihnen, bleiben die Amateur-Schiedsrichter im Amt. Ob es allen Fans und Obama passt oder nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2012)

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