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Lance Armstrong: Dopingkrimi mit Edgar Allan Poe

18.10.2012 | 16:39 |  Von MARKKU DATLER (Die Presse)

Sponsoren kehren dem gestürzten Radstar Lance Armstron in Serie den Rücken, sein ehemaliger Teamkollege Tyler Hamilton verriet dreiste Lieferungen und Codenamen. Gegen 20 Teams wird jetzt ermittelt.

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Padua/New York/Wien. Lance Armstrong liefert derzeit fast schon mehr Schlagzeilen als zu seinen besten Zeiten als Radfahrer. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht neue Details aus dem Bericht der US-Antidopingagentur über seine skrupellosen Dopingpraktiken publik werden. Nun wenden sich zusehends auch langjährige Sponsoren und Wegbegleiter vom Texaner ab. Armstrong, der am Mittwoch als Präsident seiner Krebs-Stiftung „Livestrong“ zurückgetreten ist, steht den Anschuldigungen allein gegenüber. Diesmal ist weit und breit kein „Helfer“ in Sicht.

Nachdem Sportartikelhersteller Nike und die Anheuser-Busch-Brauerei die Zusammenarbeit mit Armstrong beendeten, zogen nun der Fahrradkonzern Trek und eine Fitnessstudiokette nach. Weitere Geldgeber stünden ebenfalls kurz vor dem Absprung, berichten US-Medien. Es ist kaum verwunderlich, sagt ein Manager zu „USA Today“. Der siebenmalige Toursieger, 41, sei für viele nur noch der „Dopingpate“.

Erdrückend wirken Zeugenaussagen ehemaliger Teamkollegen, und schockierend sind die von den Behörden in dem 1000 Seiten umfassenden Bericht penibel aufgelisteten Erpressungen, Drohungen und systematischen „Geschäftspraktiken“.

Goldene Uhr für Dopingboten

Armstrong bestreitet zwar weiterhin die Vorwürfe, doch sind die allesamt beeideten Aussagen Märchen? So schilderte etwa Tyler Hamilton, einst auch bei Team US Postal aktiv, Haarsträubendes dem britischen TV-Sender BBC. Armstrong soll 1999 zu Dopingzwecken eigens einen Motorradboten engagiert haben, der die Mannschaft mit „Nachschub“ versorgte. Für das Blutdopingmittel EPO hatten die Radfahrer sogar ein Codewort: Edgar Allan Poe.

Damit ist der Krimi aber noch nicht zu Ende. Die Pünktlichkeit der Lieferungen sollen Armstrong 20.000 Dollar wert gewesen sein. Also musste der Bote zwischen Peloton und Betreuerautos seine eigene Tour bestreiten. Es verlangte auf steilen Anstiegen, zwischen Menschenmassen und Nachzüglern enormes Geschick. Das Team schenkte ihm aus Dankbarkeit für diese Tortur eine goldene Uhr.

Spritzen wurden nach Gebrauch sofort in Dosen entsorgt, Beutel mit Salzlösungen unter Mänteln versteckt und verbotene Substanzen unbemerkt im Campingwagen nebenan verabreicht. Kontrolleure wurden vom Masseur, Arzt oder Fahrer getäuscht. Somit blieb der Superstar stets unbehelligt. Wer seine Rolle aber nicht spielen wollte, wurde bedroht, dokumentiert die Usada.

Wer jetzt auspackt, kann sich seines Arbeitsplatzes aber auch nicht sicher sein. Der Amerikaner Levi Leipheimer sagte als Kronzeuge aus – und wurde entlassen. Das Statement des Rennstalls: „Wir loben ihn für seine offene Kooperation. Aber angesichts des öffentlichen Statements von Herrn Leipheimer hat sich der Rennstall entschieden, den Kontrakt zu beenden.“

30 Millionen Euro für Dr. Ferrari

Nicht nur Armstrong, auch sein Sportmediziner und früherer Arzt, Michele Ferrari, sieht sich mit zahlreichen Vorwürfen konfrontiert. Die Staatsanwälte der Stadt Padua werfen dem 59-Jährigen vor, von seiner Wohnung in St. Moritz aus ein Millionengeschäft mit seinem „Dienstleistungspaket“ aufgebaut zu haben. Laut der „Gazzetta“ beträgt das Geschäftsvolumen über 30 Millionen Euro.

Ferrari soll Beratung, Training, Verabreichung und sogar rechtliche Unterstützung bei positiven Kontrollen angeboten haben. Im Usada-Bericht wird er 400-mal erwähnt, nun wird gegen 20 Teams – nahezu den gesamten Tour-Tross – ermittelt. Auf die Erben von Auguste Dupin, Edgar Allan Poes Meisterdetektiv, wartet also viel Arbeit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2012)

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14 Kommentare
Gast: Knaller
19.10.2012 15:01
0 0

Hat nicht ohnedies JEDER gedopt?

Warum geht ihr dann gerade auf den einen los? Diese Menschenhatz ist widerlich!

mal von den Dopingvorwürfen abgesehen...

... ein Sportler macht Werbung für Alkohol?

Re: mal von den Dopingvorwürfen abgesehen...

erstens gibt's bei Brauereien meistens auch alkoholfreies Bier bezw ist Bier abgesehen vom doch sehr geringen Alkoholgehalt eines der gesündesten Getränke überhaupt!
Bier Werbung gibt es in sehr vielen Sportarten und ich sehe darin kein Problem!
schlimm ist dagegen die vorbildwirkung in Bezug auf Doping!

ganz einfach

ich denke wenn man jeweils den 100. der Endwertung eines jeden Radrennens zum Sieger erklärt dann hat man ziemlich sicher den ersten nicht Gedopten

Gast: gast346
19.10.2012 03:43
0 0

Spielregeln

Leistungssport bedeutet, dass man, bestimmten Regeln folgend eine Höchstleistung zu erbringen versucht. Sich nicht an die Regeln zu halten bedeutet, disqualifiziert zu werden. Doping ist gegen die Regeln, mit guten Gründen. Weil es massiv gesundheitsschädlich ist, weil es ähnlich wie bei Supermodels, etwas suggeriert, das beim Durchschnittskonsumenten als "Vorbild" missverstanden wird, obwohl es nicht echt ist. Mich interessieren "Leistungen" nicht, die unter solchen Bedingungen erbracht wurden. Ich würde sogar die Sponsoren hier mit in die Verantwortung nehmen. Es ist ziemlich billig, sich indirekt mit einem Werbestar zu bereichern, und dann, wenn der dopt, die Hände in Unschuld zu waschen. Ganz im Gegenteil, die haben mit unmoralisch hohen Summen das ganze System erst provoziert.

Gast: ibk-bike
18.10.2012 20:12
0 2

@LA

Hoffe, dass LA sich nicht dazu hinreißen lässt, diesen Gutmenschen in die Arme zu spielen und erzwungene Geständnisse abliefert. Bitte nicht wegen Geld oder Juristerei....
Der Typ hat einfach mehr Willen ausgestrahlt, als alle anderen zusammen; außerdem is einfach keiner cooler Rennrad gefahren wie er...ja, was solls denn überhaupt??: bester Rider, professionellster Doper, am Ende wollte er noch seine Gegner besiegen - wie unmenschlich; nein welch böser Typ!; die Leute regen sich eh nur auf weil ihnen sonst nix besseres mehr einfällt, weil ihnen fad is.
Immer wieder inspirierend - kill them all
http://www.youtube.com/watch?v=RtZhG2kWVLY

Gast: beobachter52
17.10.2012 21:03
2 2

Ferig machen ...

Jetzt stürzen sich alle wie Hyänen auf den "armen Armstrong" (wer kann nach 8, 10 Jahren wirklich ein gerechtes Urteil fällen?)! Motto: Den, den wir zum Helden gemacht haben, machen wir nun fertig - obwohl er eigentlich nur gemacht hat, was viele von uns (auch und va. Journalisten) machen: Eine Tablette, damit ich ruhiger werde, ein "Saftl" - und sei es Kognac oder Red bull, damit ich noch weiter arbeiten kann....)!
Dann gibt's (hoffentlich nicht!) einen Selbstmord (siehe Pantani) - und wieder wundern sich alle, sind vollkommen unschuldig ....

Antworten Gast: Hans Hummer
18.10.2012 15:47
0 2

Re: Fertig machen ...

diese Dopinghysterie geht mir schon am Keks.
mir ist das egal was die Burschen schlucken oder spritzen..es ist ihr eigener Körper den sie ruinieren.
Sind ja sog. Profis.Alles wird kriminalisiert.
Die Sportler werden wie Sträflinge behandelt.Das ganze Theater entsteht ja nur durch die Superprämien für die Manche ihr Leben riskieren(mit oder ohne Doping).
Ausserdem: Sport ist doch nur Unterhaltung für das Volk(Brot und Spiele).Dieser Medaillienzirkus und Kampf um Plätze um tausendstel Sek. ist doch langsam fad.Wir sind Weltmeister..sehr witzig ..ja im Schuldenmachen

Re: Ferig machen ...

Leute wie sie, die auch Betrüger als Helden sehen sind wohl das Letzte. Solche Typen braucht keine Sport!

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Re: Ferig machen ...

Viele haben ihn nie zum Helden gemacht, sondern seinen Gegnern die Daumen gedrückt. Einige der Gegner waren dann gedopt, aber ER ist scheinbar immer der Gute gewesen. Wie es ausschaut, hat ER (im Gegensatz zu anderen) halt im entscheidenden Moment einen Wink bekommen: aufgepasst, Kontrolle im Anmarsch...
Wenn man Ihrer Logik folgt, so könnte man ja übrigens dem Bernhard Kohl den 3.Tourplatz und das Bergtrikot zurückgeben.
Sicher, ER hatte einmalige Fähigkeiten: er konnte (zwar im Bewusstsein außerirdischer Kräfte, aber immerhin) ein Rennen "lesen", traf taktisch richtige Entscheidungen. ER hat sicher ein Höchstmaß an Trainingsdisziplin an den Tag gelegt. Sein Gesicht strahlte extremsten Ehrgeiz und Härte aus. ER führte sich manchmal oberlehrerhaft auf (im Gegensatz zu einem seiner Vorgänger, Indurain).
ER dürfte auch einige legale, innovative Trainingsmethoden umgesetzt haben: mit absurd hoher Frequenz die Pedale zu treten, ist vielleicht das Ergebnis enger Zusammenarbeit mit Elektro-Physio- Therapeuten. Den Testosteronspiegel hat man vielleicht (legal, da Substitution) im oberen Bereich gehalten. In jedem Fall muss man eine hohe Intelligenz und Einsicht mitbringen, um das umzusetzen. Ähnlich wie ein Formel 1 Pilot.
ER war auch ein geborener Herrenmensch.
Manchen taugt das ja.
Es soll Männer geben, die im Bundesheer genau diejenigen Ausbildner mögen, von denen sie am meisten gequält werden.

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Re: Ferig machen ...

und der vorsätzliche langjährige Verstoss gegen die Regeln des Sports (vom moralischen will ich gar nicht reden) ist null und nichtig? Sie haben eine komische Rechtsansicht.

Armstrong hat langjährig betrogen und manipuliert, und jetzt zahlt er dafür die Rechnung. Ich würd ihm eine Geldstrafe, welche die ungerechtfertigten Preisgelder und auch Sponsorgelder (ohne Betrug hätte er die nämlich gar nie bekommen) weit übersteigt, geben!

Re: Re: Ferig machen ...

Warum wollen Sie eine Existenz einer Industrie ruinieren, wo alle mit ähnlichen Mittlen kämpfen und gekämpft haben?

Wer auch immer die ihm aberkannten Titel zugesprochen kommen wird, hat 100%ig genauso gedopt.

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Re: Re: Re: Ferig machen ...

dann gehört auch der aus dem Verkehr gezogen. Ein Verbrecher kann auch nicht sagen: "Hätte ich nicht gestohlen, hätte jetzt ein anderer die Beute!"

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Re: Re: Re: Re: Ferig machen ...

Allerdings funktionier dieser Sport nur noch durch Menschen wie ihn da sonst keine Höchstleistungen erbracht werden! Kein Mensch und auch kein Sportler hätte Interesse an mittelmäßigen leistungen! Somit gebe ich den geldgeilen Sponsoren und der leistungsorientierten Gesellschaft die Schuld die immer erst Menschen zu Teten drängt und sie dann in der Luft zerreißt.