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Toursiege weg: Armstrong, das "abscheuliche Monster"

22.10.2012 | 16:42 |   (DiePresse.com)

Der Weltverband streicht dem 41-jährigen Texaner, einst als eine Art Außerirdischer des Radsports gefeiert, alle seine sieben Erfolge bei der Tour de France: „Lance Armstrong hat keinen Platz im Radsport."

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[GENF/WIEN/AG/WW] Einst wurde er als eine Art Außerirdischer des Radsports gefeiert, jetzt steht er vor den Trümmern seiner Karriere. Einer Karriere, die auf eine Unzahl von Lügen aufgebaut war. In der größten Dopingaffäre der Sportgeschichte hat Lance Armstrong seine sieben Tour-de-France-Titel verloren. Der Radsport-Weltverband UCI strich den Amerikaner in Genf aus allen Siegerlisten seit 1998 und sprach eine lebenslange Sperre gegen den Texaner aus. „Lance Armstrong hat keinen Platz im Radsport. So etwas darf nie wieder passieren", sagte UCI-Präsident Pat McQuaid und schloss einen eigenen Rücktritt aus. Was mit Armstrongs Titeln der Jahre 1999 bis 2005 passiere, werde die UCI erst am kommenden Freitag bei einer Sondersitzung entscheiden, so McQuaid. Auch über eine Rückzahlungsforderung der Siegprämien soll dann entschieden werden.

„Das macht mich krank"

Dem 41-jährigen Armstrong war von der US-Anti-Doping-Agentur Usada jahrelanges und systematisches Doping nachgewiesen worden. Wie Zeugen - darunter ehemalige Teamkollegen - unter Eid berichteten, habe Armstrong unter anderem EPO-, Testosteron-, Kortison- und Blutdoping betrieben. Armstrong streitet die Vorwürfe ab. „Was ich im Usada-Bericht gelesen habe, macht mich krank", sagte McQuaid.

In den mehr als 1000-seitigen Bericht der US-Doping-Jäger hatten sich elf ehemalige Helfer Armstrongs offenbart. Der langjährige Radsport-Überflieger habe Teamkollegen zum Doping gezwungen und eingeschüchtert, als diese sich von ihm abgewandt hatten, stand in dem Dossier.

Eine eventuelle Neuvergabe der Tour-Titel soll an diesem Freitag geregelt werden. Armstrong hatte unter anderem dreimal Jan Ullrich auf den zweiten Platz verwiesen. Der Großteil der „Kronprinzen" von Lance Armstrong war oder ist ist ebenfalls gesperrt. Tour-Chef Christian Prudhomme hatte sich zuletzt dafür ausgesprochen, das Gelbe Trikot des Gesamtsiegers nicht neu zu vergeben.

Neben Armstrong als zentrale Figur einer „Doping-Verschwörung" in den Teams US Postal und Discovery Channel war auch der Weltverband selbst in heftige Kritik geraten. In dem Usada-Bericht wurde etwa angedeutet, die UCI habe eine positive Dopingprobe Armstrongs verschleiert. McQuaid lehnte einen Rücktritt ab und verteidigte auch seinen umstrittenen Vorgänger als Verbandsboss, Hein Verbruggen.

„Können nicht jeden Sünder erwischen"

„Natürlich kann man in der Rückschau immer sagen, man hätte mehr tun können", sagte der UCI-Präsident. „Aber man kann nur so viel tun, wie das System, das in Kraft ist, zulässt. Es tut mir leid, dass wir nicht jeden verdammten Sünder erwischen konnten." Der gefallene Rad-Held Armstrong habe es verdient, vergessen zu werden. „Entscheidend ist, dass ein 'verseuchtes Jahrzehnt' aufgearbeitet und endlich abgeschlossen wird", sagte beispielsweise Rudolf Scharping, der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer.

Armstrong war wegen der massiven Anschuldigungen zuletzt bereits von seinen wichtigsten Sponsoren - darunter Nike - fallengelassen worden. Außerdem trat der 41-Jährige als Vorsitzender seiner Krebsstiftung Livestrong zurück. Der „Weltrekord-Doper" (New York Daily News) steht vor dem Ruin.

Lance Armstrong war ein Besessener, er fürchtete lediglich den Misserfolg. Um zu siegen, war ihm jedes Mittel und Mittelchen recht. „Schmerz ist vergänglich", hat er einmal gesagt. „Aufgeben aber hält ewig." Der Texaner, Vater von fünf Kindern, war vielen Kritikern aber immer schon nicht ganz geheuer. „Ich weiß, dass ich polarisiere", hat Armstrong, der selten Einblicke in seine Seele gewährte, einmal gesagt. Aber in der Reizfigur steckte in Wahrheit ein "abscheuliches Monster". Das letztlich den gesamten Radsport auf dem Gewissen hat.

 

("Die Presse", Printausgabe vom 23. Oktober 2012)

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25 Kommentare
 
12
Gast: a g
25.10.2012 10:50
0 0

Was hier krank macht...

...ist nur die Scheinheiligkeit, mit der das Thema behandelt wird – in diesem Artikel und ganz allgemein.

Gast: Uschi
23.10.2012 13:42
1 0

Provokation

Meine Meinung ist vielleicht kontrovers. Aber jeder der mit Begeisterung die Tour oder den Giro verfolgt und selbst Sport treibt müßte sich im klaren sein, dass soetwas ohne die Unterstützung von gewissen Mitteln (legal, halblegal, illegal oder was immer) nicht möglich ist.
Gesund ist dieses Pensum so und so nicht.

Die Gladiatoren sollen für uns kämpfen.

Die totgeweihten Grüßen dich !!!!!!

Gast: beobachter52
23.10.2012 10:03
4 0

Scheinheilig!

Alle, die sich jetzt über Armstrong und co. aufregen, müssten mit dem "großen Scheinheiligenschein" ausgezeichnet werden. 3 Wochen täglich an die 200 km und mehr auf dem Rad, dabei oft 3000 bis 5000 Höhenmeter (und im Pulk fährt das Rad auch nicht von alleine) - und jedes Jahr werden die Etappen noch schwieriger gemacht! Warum bruacht ein Marathonläufer mehrere Monate Pause bis zum nächsten, warum ein Langläufer einige Wochen nach einem 50 km Rennen, warum ist für Fußballer der Spielerhythmus Samstag - Mittwoch - Samstag auf Dauer nicht zumutbar. Dabei bin ich mir gar nicht sicher, dass nicht auch in diesen Sportarten gedopt wird (im Gegenteil)!
Wobei man lange darüber diskutieren könnte, was Doping eigentlich ist: vom Nahrungsergänzungsmittel über Hustensäfte bis zu wirklich lebensgefährlichen Mitteln.
Was machen wir - Zuseher, Funktionäre, Journalisten: Die Bewerbe immer schwieriger (und attraktiver?) - aktuelles Beispiel Kitz-Triathlon 2013! Hochgelobt werden nur die Sieger, alle anderen werden sofort als Versager verurteilt (österr. Olympiateam 2012)! Und wehe, es besteht gegen eine(n) Dopingverdacht: Er (Sie) wird sofort als größter Betrüger an den Pranger gestellt! Ohne Chance auf irgendwelche Rehabilitierung!

Gast: der Ahnungslose
23.10.2012 09:32
0 0

andere Sportarten

...wie ist das eigentlich mit dem doping bei anderen sportarten wie fussball, tennis, formel 1, laufen, skifahren, usw...

betrüger gibts doch überall, oder?!
und korrupte vereinsmeier, politiker, funktionäre...

hallo, wo ist da die justiz?
ach ja, die ist ja weisungsgebunden... hab ich vergessen.

1 0

So sympathisch er auch ist, Betrug ist Betrug!!


ich bin für die offene klasse

das wird ein spass.....läufer, rad- und schifahrer mit mutantenoberschenkel, nur die chinesischen gewichtheberinnen werden unverändert zu bisher aussehen (-;

Gast: Konservativer
23.10.2012 00:12
3 4

Wieso wird dieses Subjekt nicht weggesperrt?

Mehrfacher schwerer gewerbsmässiger Betrug.

Wieso wird dieses Subjekt nicht weggesperrt?

4 1

weg mit McQuaid

...der ist doch untragbar für den Radsport!!!!!

Heuchelei

Jeder, der ein bisschen Einblick in den Spitzensport hat, weiß, dass dort gedopt wird - von allen.

Aber es gibt dieses lächerliche Tabu, diesen Umstand nicht zuzugeben.

Den Oberheuchler gibt freilich Herr Scharping, hier in bester deutscher Tradition. So verdammte man in Deutschland-West immer gerne die Dopingpraktiken der DDR, die Medaillen in den Bilanzen hat man nach der Wiedervereinigung aber ungefragt mitverbucht.

Antworten Gast: Konservativer
23.10.2012 00:12
2 1

Re: Heuchelei

"Jeder, der ein bisschen Einblick in den Spitzensport hat, weiß, dass dort gedopt wird - von allen."

Dann gehören eben alle weggesperrt.

Kein Problem.

Echt nicht.

jeder der die Tour verfolgte

wusste, die Spitzenleute sind alle gedopt....Andreas Klöden musste zugeben, es war nur eine Frage, wer den besten Arzt hatte...und Lance wurde einmal erwischt, da sagte er, es wäre nur eine Kortison Salbe gegen die Hämorrhoiden....nichts weiter, später erfuhren wir, er hatte ca. 500.000 dem Radverband überwiesen...denke das Übel beginnt anderswo.....

Gast: uenfnc
22.10.2012 22:15
3 0

Heuchler

Es wusste ja immer schon jeder, dass da alle gedopt waren. Was soll hier diese scheinheilige Aufregung?

Gast: Gasti
22.10.2012 22:00
4 1

Und wem hilft das?

Glaubt irgendjemand, dass unter den ersten zehn auch nur einer ist, der nicht auf irgendeine Art und Weise gedopt ist?

Eben. Wozu das Ganze dann? Lasst die Leute dopen und geniesst die Show.

0 1

Re: Und wem hilft das?

Stimmt. Doping gehört legalisiert, dann können wir uns im TV bald die übergedopten Leichen ansehen. :)

Ja dann kriegt eben der Ullrich ein paar davon ..

.. nur blöd dass der auch schon gedopt hat.

Gast: gast55
22.10.2012 21:24
6 0

In der größten Dopingaffäre der Sportgeschichte???

es müsste heißen

In der größten BEKANNTEN Dopingaffäre der Sportgeschichte ....

Scheinheilig-Scheinheiliger-Scharping

... interessant wenn der größte Lügner seit Münchhausen Rudolf Sharping seinen Senf dazu gibt! Ihre Kosovo-Lügen hat die Welt bis heute nicht vergessen Hr. Verteidigungsminister A.D Livestrong forever Lance

Es gibt Doper

die glauben nur Doping bringt sie zum Sieg und dann gibt es jee die sich extrem abschinden damit sie zum Erfolg kommen. Zweitere siegen, erstere nicht.

Es liegt also wieder nur an einem selbst. Wenn alle dopen herrscht Chancengleichheit.

Ich hab die Verlogenheit satt. Gebt die blöden Dopingmittel frei. Dann passiert es wenigstens offiziel.

Gähhhhhn

Das Märchen der nicht gedopten Sportler (und es gehören ausnahmslos ALLE dazu) muss weiterleben .... wir glauben ja auch an den Weihnachtsmann ....

Re: Gähhhhhn

Nein, Christkind!

Lächerlich

Wer glaubt den allen Ernstes das ein Radfahrer 14 Tage fast täglich an die 200 Kilometer fährt, an Berganstiegen mit einer Leistung von 300-500 Watt tritt und nicht gedoppt ist?
Mit Musli und warmer Kuhmilch wird es nicht zu schaffen sein.
Würde auch gleich alle Schulterklopfer von den Politikern angefangen bis zu den Sponsoren und Reportern fragen, ob sie ein einmal auf einem Hometrainer länger als 30 Minuten mit 150 Watt gefahren sind.

Antworten Gast: Halbwissen
22.10.2012 17:10
1 1

Re: Lächerlich

So einfach ist das nicht !

Mal abgesehen davon das da (fast?) jeder dopt weil er ja gewinnen will und somit 1 Prozent mehr schon den Unterschied machen kann.
Wie viel bringt das Zeug ?
Denn wenn es 10 Prozent sind, und wahrscheinlich sind es weniger, dann würden Sie genau so schreiben, wer glaubt ... 270-450 Watt tritt und nicht gedopt ist ?
Und sind Sie schon mal in einem Peloton gefahren ? Da müssen Sie bei Tempo 50 fast nicht treten.
Und ein Freund von mir kann Wochen lang ohne Pause fahren. Der hat 100 Prozent rote Muskelfasern.

Also wenn keiner dopen würde wäre es im Fernsehn nicht zu erkennen und jeder würde sagen die dopen das kann doch kein Mensch leisten.

Antworten Antworten Gast: toro
23.10.2012 11:00
0 0

Re: Re: Lächerlich

"Halbwissen" als Nick ist übertrieben, es sollte eher "Viertelwissen" sein.

"100% rote Muskelfasern" ist jenseitiger Unsinn; und selbstverständlich müssen auch rote Muskelfasern regenerieren.

Re: Re: Lächerlich

Was? sogar die Quergestreifte Muskulatur wurde ersetzt? Dann kann ich endlich bewußt meinen Hodensack anheben und senken. Vielleichr aogar Gewichte damit heben ;)

Antworten Antworten Gast: baro palatinus
22.10.2012 19:01
2 0

Re: Re: Lächerlich

der freund von Ihnen mit 100% roten muskelfasern sollte seinen körper der wissenschaft vermachen...

 
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