Miami/Los Angeles. Als David Stern 1984 Commissioner der National Basketball Association wurde, war die Welt noch eine andere. Die 23 Klubs waren finanziell eine Randerscheinung, die Play-offs waren nicht einmal in den USA live zu sehen. Heute ist Stern 70 Jahre alt und steht einem gigantischen Wirtschaftsunternehmen vor, das jährlich fünf Milliarden Dollar Umsatz macht und fast überall auf der Welt im TV zu sehen ist.
Wenn am Dienstag die 67. NBA-Saison beginnt, kämpfen 30 Klubs um den Finaleinzug, sportlich wird ein Zweikampf zwischen Meister Miami Heat und den neu verstärkten Los Angeles Lakers erwartet. Die Kalifornier haben sich zu den Superstars Kobe Bryant und Pau Gasol noch Center Dwight Howard von Orlando Magic und den 38-jährigen Spielmacher Steve Nash von den Phoenix Suns geholt und wollen so die nicht weniger namhaft besetzten Heat um LeBron James herausfordern.
Aber noch bevor der erste Ball geworfen wurde, dürfen sich die Klubbosse schon als Sieger fühlen – dank David Stern. Er war es, der in der vergangenen Saison im Arbeitskampf mit der Spielergewerkschaft einen Deal ausgehandelt hat, der den Eigentümern der NBA-Klubs über die kommenden zehn Jahre rund drei Milliarden Dollar an Spielergehältern und Bonuszahlungen sparen wird. Die Gesamteinnahmen werden seither im Schlüssel 50:50 zwischen Klubs und Spielern geteilt. Zuvor haben die NBA-Stars noch 57 Prozent erhalten.
Dafür nahm Stern auch einen „Lock-out“ in Kauf, die Saison 2011/12 begann so erst zu Weihnachten. Für den studierten Historiker Stern war das keine neue Situation. In seiner Amtszeit war das bereits der vierte „Lock-out“, nach den beiden kürzeren 1995 und 1996 dauerten die Aussperrungen 1998/99 sogar bis in den Februar hinein. Damals setzte Stern die erste Gehaltsobergrenze („salary cap“) in einer großen US-Sportliga durch.
Nachfolge ist geregelt
Seit vergangener Woche ist nun bekannt, dass die Ära Stern am 1. Februar 2014 enden wird. Der 70-Jährige wählte das Datum, weil er an diesem Tag sein 30-jähriges Dienstjubiläum als NBA-Commissioner feiern wird. Dann wird Stern der längstdienende Commissioner der Sportgeschichte sein und Pete Rozelle (NFL) um zwei Monate übertrumpfen.
„Ich fühle mich großartig und mein Job macht mir Spaß, aber ich freue mich darauf, etwas anderes zu machen“, meinte der gebürtige New Yorker.
Nachfolger wird sein bisheriger Assistent Adam Silver. „Die Möglichkeiten für diese Liga sind wahrlich grenzenlos“, meinte der neue Mann. Der 50-Jährige hatte bereits federführend an den beiden letzten TV-Verträgen der NBA mitgearbeitet. Rund 1,3 Milliarden Dollar nimmt die dem Umsatz nach drittgrößte Sportliga der Welt auf diesem Wege aktuell ein – das Vierzigfache von jenem bei Sterns Amtsantritt.
Ein Traumfinale zwischen Miami Heat und den LA Lakers würde aber nicht nur den TV-Stationen besonders gefallen. Auch Lakers-Legende Earvin „Magic“ Johnson wünschte sich bereits ein erstmaliges Endspiel-Aufeinandertreffen von LeBron James und Kobe Bryant. „Dieses Duell würde alle Rekorde sprengen“, meinte Johnson.
Es wäre ein würdiger Abschluss für die Ära von David Stern. An Rekorde hat sich der 70-Jährige ja schon gewöhnt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.10.2012)

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