Boxen: Nader "brennt" auf neue Titel-Chance

Marcos Nader ärgerte sich nach seinem verlorenen Titelkampf über jugendlichen Leichtsinn und hofft auf eine baldige Revanche.

Boxen Nader brennt nach
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Boxen Nader brennt nach
(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Mario Kneisl)

Die erste große Profiboxveranstaltung in Österreich seit längerer Zeit hat gute Kämpfe und einen enttäuschten Lokalmatador gebracht. Dem 22-jährigen Nader war es danach kein Trost, vor dem begeisterten Heimpublikum auch in seinem 17. Profikampf ungeschlagen geblieben zu sein. "Ich gehe in den Ring, um zu gewinnen. Und nicht, um remis zu boxen. Heute wollte es einfach nicht sein."

Dabei war Österreichs großes Boxtalent nah dran am großen Coup. Der junge Wiener startete im Schwechater Multiversum gegen den um neun Jahre älteren Titelträger wie erwartet stark, holte sich souverän die ersten Runden, ehe der als "Spätstarter" bekannte Santos zulegte. Dennoch lag Nader in seinem ersten Zwölfrunden-Kampf nach neun Runden angeblich mit 6:3 voran, was man ihm auch aus der Ecke signalisierte.

"Darauf habe ich vertraut und mir meine Kräfte eingeteilt", erzählte ein ab Mitte des Kampfes aus der Nase blutender und nach Kampf-Ende deutlich gezeichneter Nader bei der Pressekonferenz weit nach Mitternacht. Der Plan ging aber schief. Als der Österreicher ab der elften Runde vor prominenten Zuschauern wie Biko Botowamungu oder dem potenziellen Wladimir-Klitschko-Gegner Kubrat Pulew (BUL) "Neuland" betrat, wendete sich das Blatt endgültig. Vor allem in der letzten Runde, als beide Kämpfer einen mitreißenden Schlagabtausch lieferten.

"Hätte klüger boxen müssen"

In Naders Nachbetrachtung ein Fehler. "Wenn ich da ein bisserl klüger aus der Distanz geboxt hätte, hätte es vielleicht anders ausgeschaut", gestand der Österreicher, dass er im Finish seiner Unerfahrenheit Tribut gezollt hatte. "Das war jugendlicher Leichtsinn. Ich habe mich reingestellt, weil ich zeigen wollte, wer der Papa ist. Das hätte ich cleverer machen müssen, dann wäre es eindeutiger gewesen."

So drehte vor allem die letzte Runde den Kampf. Zwei Punkterichter werteten 114:114, der Finne hatte sogar Nader mit 115:114 voran. Das Mehrheits-Remis rettete aber Santos (31) den Gürtel. "Ich fühle mich richtig sch...", gestand Nader danach. "Ich mache das seit meinem siebenten Lebensjahr, habe in der Vorbereitungszeit alles geopfert und auf viel verzichtet. Wenn es dann so ein Ergebnis gibt, ist das für einen Leistungssportler nicht zufriedenstellend."

Der Ehrgeiz Naders "brannte" also schon unmittelbar nach dem Kampf wieder, ein baldiges Rematch ist das große Ziel. "Wir sind stolz auf dich. Wir werden weitere Möglichkeiten schaffen, damit du deinen Titel gewinnen kannst", versprach Frederick Ness vom veranstaltenden Sauerland-Boxstall sofort.

Sauerland-Manager Hagen Döring sah auch eine "Falle" als Grund für den verpassten Titel. Nader habe die ersten Runden klar für sich entschieden, daher gäben Punkterichter dann fast schon automatisch eine Runde an den Gegner. "Die müsste dann aber später auch wieder zurückgegeben werden", kritisierte Döring.

Lust auf mehr

Unter dem Strich war das Remis aber in Ordnung und dass Nader eine neuerliche Titelchance bekommt, scheint sicher. Vermutlich sogar in noch größerem Rahmen als am Freitag. Wegen des "Fenstertages" waren nicht so viele Fans wie erhofft in das für 2.500 bis 3.000 Box-Besucher ausgestattete Multiversum gekommen, die sorgten aber für reichlich Stimmung. "Jeder, der heute da war, kommt wieder", war Döring überzeugt, dass Nader gute Werbung für sich und den Boxsport gemacht hatte.

Das einzig Negative neben der verpassten Titelchance war der Fauxpas des schlecht vorbereiteten Ringsprechers, der bei der Urteilsverkündung Nader zum neuen EU-Champion ausgerufen hatte, ehe er sein Urteil unter Buhrufen und Pfiffen revidieren musste. Und damit dem jungen Österreicher den letzten "Tiefschlag" verpasst hatte.

"Ich war total verwirrt, wusste zunächst auch nicht, was los ist", erzählte Nader später über diesen Moment. Manager Döring nahm die Schuld auf sich. "Wir hatten lange keine Veranstaltung in Österreich, deshalb wollten wir mit einem österreichischen Ringsprecher neu beginnen. Das Ganze war natürlich nicht gut für die Kämpfer und die Boxsportfreunde, ist aber auch kein Weltuntergang. Das ist so, wenn man nach langer Zeit Neuland betritt."

(Schluss) gö/beg

(APA)

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