"In Japan bin ich berühmter als in Österreich"

14.11.2012 | 14:40 |  Maciej Palucki (DiePresse.com)

Michael Kovac ist einer von zwei österreichischen Wrestlern, die von ihrem Beruf leben können. Im Interview spricht er über Otto Wanz, seine Liebe zu Japan und die näherrückende Pension.

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DiePresse.com: Woher kam bei Ihnen das Interesse für Wrestling, wann haben Sie erstmals in einem Ring gestanden?

Michael Kovac: Zum ersten Mal kam ich in Großbritannien in Kontakt mit Wrestling. Wir sind damals mit dem Schiff nach England gefahren, es muss 1984 gewesen sein. Während der Fahrt lief ein Video mit ‘lustigen Männern in Spandex-Hosen’. Von dem Moment an war ich fasziniert. Als Wrestling auch bei uns im Fernsehen ausgestrahlt wurde, wollte ich es auch selbst ausprobieren. Ich entdeckte dann die CWA (Catch Wrestling Association, Anm.) von Otto Wanz, wobei es noch ewig gedauert hat, bis ich die Chance bekommen habe in den Ring zu steigen. Anfang 1993 erhielt ich die Chance mit einer kleinen Truppe und später dann auch bei Otto Wanz am Heumarkt. Im kommenden Jahr feiere ich also mein 20-jähriges Jubiläum.

Welchen Stellenwert hat Otto Wanz heute noch?

Otto Wanz war der größte Promoter, den es jemals in Mitteleuropa gab. Er ist einer der wenigen, die in diesem Business Millionär geworden ist. Ein sehr tüchtiger Geschäftsmann. Er hat es geschafft, die besten Athleten zu holen. Die Turniere gingen damals bis zu sechs Wochen.

Wie stehen die Chancen, dass am Wiener Heumarkt wieder Wrestlingshows stattfinden?

Ich habe zwar vom Bestreben der Wiederbelebung des Heumarkts gehört, aber noch nichts Konkretes. Ein Kollege von mir wollte am Heumarkt veranstalten und hatte bereits die notwendigen Sponsorengelder aufgestellt, die Betreiber zeigten aber damals keinerlei Interesse. Ich würde es begrüßen, wenn es wieder die Turniere dort gäbe, aber die müssten professionell über die Bühne gehen, wie unter Otto Wanz.

Wieso hat Ihrer Meinung Wrestling in Österreich einen so geringen Stellenwert im Vergleich zu anderen “Sportarten”?

Als es die CWA (am Heumarkt) noch gab war das anders. Damals hatten wir Unterstützung vom Fernsehen, heute nicht. Wenn du einen Blick in österreichische Zeitungen wirfst, siehst du Fußball, Tennis, Skifahren, hier und da ein wenig American Football. Auf der einen Seite ist es schon frustrierend, man würde sich schon mehr Publicity wünschen. Und es ist schade, da wir hierzulande einige Athleten haben, die auf Weltniveau sind. Auf der anderen Seite ist man froh, dass man etwas macht, dass nicht jeder macht.

Wie würden Sie Ihren Job beschreiben, sind Sie Sportler oder Schauspieler? Mit welchem Vorurteilen wird man als Wrestler konfrontiert?

Früher waren die Meinungen klar: Die Einen sahen darin nur Show, die Anderen kranke Brutalität. Für mich ist es 80 Prozent Sport und 20 Prozent Show. Du musst zuerst den Sport können, dann kannst du beginnen das Publikum zu unterhalten. Wir kämpfen sicher nicht um Leben und Tod, wir sind ja keine Gladiatoren oder Käfigkämpfer. Das wichtigste ist es das Publikum zu unterhalten.

Wie sieht der Alltag eines Wrestlers aus, wie viele Stunden muss man trainieren?

Als Profi bis du 24 Stunden Wrestler. Wichtig sind Training für Muskelkraft und Körpermasse, gesundes Essen und viel Schlaf. Ich versuche derzeit fünf bis sechsmal am Tag zu essen, um die nötigen Kalorien zusammenzubekommen. Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag bin ich jeweils zwei Stunden in der Muskelkammer. Mittwoch leite ich das Training in meiner Wrestlingschule, wo ich schon seit zwölf Jahren neue Wrestler ausbilde, das dauert den ganzen Nachmittag und Abend. Am Wochenende bin ich dann bei den Shows.

Was kostet eine Stunde Wrestlingtraining?

Die erste Stunde kostet immer 30 Euro. Als Allererstes lernt man das Fallen, das ist die Grundlage. Dann schaut man sich gemeinsam an, ob Derjenige für ein weitergehendes Training geeignet ist. Die meisten stellen sich das Catchen viel leichter vor, als es tatsächlich ist.

Wie viele Wrestler leben in Österreich ausschließlich vom Wrestling?

Nur ich und Chris Raaber. Auch er betreibt eine Wrestlingschule (Anm.: In Leoben), ohne diese Einnahmen würde es nicht reichen.

In den 90er Jahren haben Sie Ihr Glück in den USA versucht ...

Ja, nach ein paar Jahren im europäischen Wrestlingzirkus wollte ich unbedingt in die USA, ein für mich faszinierendes Land. Im Rahmen einer Show in England kam ich ins Gespräch mit amerikanischen Athleten und bin dann tatsächlich nach Amerika geflogen, auf eigenes Risiko und eigene Kosten. Ich bin einige Monate dort geblieben und habe einige Shows gemacht. Letzten Endes habe ich in den USA mehr ausgegeben, als ich verdient habe ... ein Minusgeschäft für mich.

Neben Nordamerika sind Mexiko und Japan die wichtigsten Wrestlingmärkte. Sie treten regelmäßig in Japan auf. Wie kann man sich solche Engagements konkret vorstellen?

Ich bin bereits in den 90er Jahren für eine kleine Tour in Japan gebucht worden. Seit 2010 bin ich regelmäßig, ca. eine Woche pro Monat, in Asien. Ein europäischer Wrestlingkollege hat mich vorgeschlagen - Bookings erfolgen zumeist über persönliche Empfehlungen - und ich habe gut dorthin gepasst. Mittlerweile sind es schon an die zwölf Tourneen, die ich in Japan gemacht habe. Es ist einer der wenigen Plätze auf der Welt, wo man noch besseres Geld verdienen kann. Im kommenden Jahr werde ich erstmals für All Japan Pro Wrestling, einer der beiden größten Wrestling-Organisationen des Landes, antreten.

Sind Sie so etwas wie ein Star in Japan?

Eigentlich schon. Ich glaube, dass ich in Japan berühmter bin als in Österreich. Es ist schon seltsam, Tokio hat mehr als 13 Millionen Einwohner und ich werde dort auf der Straße erkannt und um Autogramme gefragt. Japan ist für mich eines der besten Länder der Welt. Dort wird Wrestlern sehr viel Respekt entgegengebracht, was hier teilweise nicht der Fall ist.

Wie sieht es mit der Karriere nach dem Wrestling aus, könnten Sie sich vorstellen als Schauspieler ihre Brötchen zu verdienen? Einen ersten Auftritt in der Horror-Komödie “Saturday Night Horror” hatten Sie ja schon.

Nunja, was den Film betrifft, war ich vorher schon in Kontakt mit der Produktionsfirma Bonusfilm. Wenn sich weitere Nebenrollen ergeben, würde ich mich freuen. Besondere Ambitionen eine Schauspielkarriere habe ich aber nicht.

Wie lange planen Sie noch im Ring zu stehen?

Ich bin jetzt 40. Spätestens mit 50 sollte man als Wrestler den Schlussstrich ziehen. Ich will nicht mit 60 noch im Ring stehen. Die Wrestlingschule, in der viel Herzblut steckt, will ich weiter betreiben. Auch selbst Wrestlingshows zu veranstalten, kann ich mir vorstellen. Ein Leben ganz ohne Wrestling hingegen nicht.

Vor dem Jahreswechsel ist Michael Kovac (40) noch einmal in Österreich im Ring zu sehen. Bei EWA Catch-Wrestling wird er seinen Europameistertitel verteidigen. Termin: 23. November, 19.30 Uhr, Haus der Begegnung (Angererstraße 14, 1210 Wien).

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