Für Körper, Geist und die Geldbörse

01.01.2013 | 18:24 |   (Die Presse)

Am 1. Jänner jährte sich Baron Pierre de Coubertins Geburtstag zum 150. Mal. Der Gründer der Olympischen Spiele der Moderne setzte stur auf das „Frauenverbot“.

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Wien/Ag/Fin. Baron Pierre de Coubertin schenkte der Welt die modernen Olympischen Spiele. Am 1. Jänner jährte sich sein Geburtstag zum 150. Mal. Auf Coubertins Initiative hin wurden die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen ausgetragen, damals unter Frauenverbot mit 295 Sportlern aus 13 Ländern.

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Aus den ursprünglich nichtkommerziellen Spielen ist mittlerweile ein Milliardenunternehmen geworden. Von Coubertins Initiative zeugen in der Gegenwart aber immer noch die fünf Ringe.

Als Generalsekretär des französischen Sportverbandes gründete er 1894 das Internationale Olympische Komitee (IOC) und prägte von da an dessen Entscheidungen über drei Jahrzehnte. Nach zweijähriger Amtszeit als IOC-Generalsekretär wurde Coubertin 1896 als Nachfolger des Griechen Demetrius Vikelas zum Präsidenten gewählt. 1925 gab er das Amt an den Belgier Henri de Baillet-Latour ab. Am 10.September2013 wählt das IOC in Buenos Aires den Nachfolger von Jacques Rogge als neunten Präsidenten innerhalb von 119 Jahren – und erstmals könnte es mit der Marokkanerin Nawal El Moutawakel eine Frau werden.

 

Verarmt, allein und überholt

Nach einem Studium der Kunst, Philosophie und Rechtswissenschaften an der Pariser Sorbonne widmete sich Coubertin der Pädagogik, bildete sich auf Studienreisen nach Kanada, England und in die USA weiter und kam dabei zu einem ganzheitlichen Menschenbild: Erziehung junger Menschen müsse durch sportliche Ausbildung in der Einheit von Körper, Geist und Seele erfolgen.

Angeregt durch archäologische Ausgrabungen im griechischen Olympia setzte sich der Franzose ab 1880 für die Wiederbelebung Olympischer Spiele ein, denen er Frieden stiftende und Grenzen überwindende Eigenschaften zumaß. Gemäß dem antiken Vorbild sollte die Teilnahme jedoch auf – männliche – Einzelkämpfer beschränkt bleiben.

Um die Zusammenhänge des Sports mit Kultur und Wissenschaften zu dokumentieren, vergab das IOC auf seine Initiative hin olympische Kunstpreise, das endete jedoch nach den Spielen 1948 in London. Unter einem Pseudonym wurde Coubertin 1912 mit einer „Ode an den Sport“ Olympiasieger in der Disziplin Literatur.

Gestorben ist der Franzose am 2.September1937 in Genf. Verarmt und durch die Realität dieser Welt eingeholt – und überholt.

Ein halbes Jahrhundert danach erwirtschaftet das Ringe-Unternehmen in der Kommerz-Olympiade 2009 bis 2012 einen Umsatzrekord von sieben Milliarden Dollar (5,4 Milliarden Euro). TV-Stationen, Industrie und IOC sind die Gewinner. Dem einzelnen Sportler bleibt zumeist nur der Augenblick.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.01.2013)

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