Mit einem dreifachen Axel zurück ins Rampenlicht

20.01.2013 | 19:23 |   (Die Presse)

Mit einer Rundumerneuerung will Österreichs Verband sein Schattendasein beenden. Viktor Pfeifer möchte mit Erfolgen zu dieser Mission beitragen. Bei der Europameisterschaft in Zagreb ist er jedoch Außenseiter.

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Zagreb/Wien/Swi. Eiskunstlauf-Fans blicken gebannt nach Zagreb, denn dort finden ab heute die Europameisterschaften statt. Während der russische Superstar Jewgenij Pluschenko und die Italienerin Carolina Kostner um die erfolgreiche Titelverteidigung kämpfen, bleibt Österreichs Startern Viktor Pfeifer und Kerstin Frank einmal mehr nur die Nebenrolle.

Doch nicht nur im internationalen Vergleich stehen Österreichs Eiskunstläufer im Abseits, auch in der Heimat sind sie so gut wie aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Zu weit liegen die Glanzzeiten zurück, als Emmerich Danzer und Wolfgang Schwarz Weltmeisterschaften zu einem rot-weiß-roten Duell werden ließen oder Beatrix Schuba in Sapporo 1972 zu Olympiagold lief.

„Die prompte Rückkehr ins öffentliche und mediale Bewusstsein“, so lautet das Ziel der Verbandsführung. „Wir wollen wieder Primesportart werden. Das Zuschauerpotenzial ist vorhanden“, sagt Präsidentin Christiane Mörth. Seit Herbst 2011 steht die Preisrichterin dem Verband zum zweiten Mal vor und hat eine Rundumerneuerung gestartet.

 

Miteinander statt gegeneinander

Nicht nur nach außen präsentiert sich der Eiskunstlaufverband nun als „Skate Austria“ mit neuem Namen und erstmals einheitlicher Kleidung für die Athleten, auch das Innenleben hat sich verändert. Interne Streitereien wurden ausgesöhnt, Konflikte zwischen Vereinen beigelegt und der Austausch mit artverwandten Sportarten wie Eishockey forciert. „Jetzt ziehen wir alle an einem Strang“, ist Mörth überzeugt.

Der Nachwuchs bereitete der Präsidentin hingegen keine Sorgen, der generelle Zuspruch sei hoch. Ein neues Genderprojekt soll sogar verstärkt Buben begeistern. Bis die Talentiertesten jedoch in einem eigenen Leistungszentrum gefördert werden können, wird es aller Voraussicht nach noch dauern. Zwar steht die Finanzierung für den geplanten Bau am Eisring Süd, doch Kosten für den Abtransport von kontaminiertem Altmaterial lassen das Projekt vorerst unvollendet. Sport in Wien ist eben anders...

Positiv bewertet auch Viktor Pfeifer diese Entwicklungen. Der Hoffnungsträger lebt und trainiert seit 2006 in den USA. „Der Vergleich zeigt mir, dass die Betreuung und Unterstützung in Österreich top ist. Es liegt an jedem selbst.“ Worte, die sich der 25-Jährige zu Herzen nehmen will, er steht vor einer entscheidenden Karrierephase.

Dem Debüt bei der EM 2005 mit dem 18. Platz folgte ein Jahr später der Wechsel in die USA. Doch die Zusammenarbeit mit Uschi Keszler entpuppte sich als Flop, nach Unstimmigkeiten über Entsendungen trat Pfeifer 2007 aus dem Verband aus und konnte fortan nicht mehr international starten. „Ich hätte alle Gründe gehabt, aufzuhören, stattdessen habe ich meinen Traum verfolgt und dabei gelernt, mir Fehler zu verzeihen und wieder an mich zu glauben“, erzählt Pfeifer, der allen Widrigkeiten zum Trotz nie den Spaß am Sport verloren hat. 2008 engagierte er daher Priscilla Hill, söhnte sich mit dem Verband aus und etablierte sich in den Top 20 der Welt.

Nächste Saison will es Pfeifer, der in den USA als Nachwuchstrainer arbeitet, noch einmal wissen. Mit Blick auf die Olympischen Spiele in Sotschi 2014 plant Pfeifer, das Training nach dem Abschluss des Wirtschaftsstudiums an der Universität Wilmington im Mai zu intensivieren. Dann soll es auch mit Vierfachsprüngen und dem dreifachen Axel klappen. Das ist ein absolutes Muss für eine Spitzenplatzierung.

EM-Aufgebot: Viktor Pfeifer, Kerstin Frank (Einzel), Kira Geil/Tobias Eisenbauer (Eistanz), Stina Martini/Severin Kiefer (Paarlauf).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2013)

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