Super Bowl: Größte Football-Party der Welt

Das Footballfinale zwischen den San Francisco 49ers und den Baltimore Ravens im aufgemotzten Superdome, verdrängt sogar den Mardi Gras, den weltberühmten Karneval. Das Spiel selbst verkommt zur Nebensache.

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(c) GEPA pictures (GEPA pictures US Presswire)

Golden glitzert die Hülle des Superdome in der Abendsonne, wuchtig ragt die monumentale Sportarena am Rande der Innenstadt neben der auf filigranen Stelzen aufgebockten Stadtautobahn empor. Aus Anlass der Vergabe der Super Bowl, des US-Sportevents der Superlative, ließ Großsponsor Mercedes Benz dem Footballstadion in New Orleans im Vorjahr einen neuen Anstrich verpassen. Die Generalsanierung sollte nicht nur die letzten Spuren des Hurrikans Katrina kaschieren, sondern auch den Skandal des Heimteams übertünchen.

Die Saints, die Sportheroen der Stadt am Mississippi, hatten eine Kopfprämie für mutwillige Fouls an Schlüsselspielern der Gegner ausgesetzt, was prompt Sanktionen der NFL – der National Football League – und eine Sperre des Coachs zur Folge hatte. Dabei hatte die Stadt vor drei Jahren den sensationellen Super-Bowl-Triumph der Saints in Miami wie eine Auferstehung zelebriert: New Orleans lag im Taumel, sie feierte ihre Wiedergeburt.

Wenn in der Nacht zum Montag 73.000 Fans zum Finale der San Francisco 49ers gegen die Baltimore Ravens in die Arena pilgern werden, sind indes die Szenen nicht vergessen, die im August 2005 die Nation und die Welt aufgerüttelt und die an Zustände in der Dritten Welt gemahnt haben: Die Krisenmanager pferchten 30.000Hurrikan-Opfer, obdachlos geworden durch eine Flut biblischen Ausmaßes, in die Katakomben des Stadions, wo sie eine Woche, wie Hausvieh gehalten, vegetierten.

„Wir sind zurück auf der Bühne“, jubelte jetzt Bürgermeister Mitch Landrieu. Und er meldete gleich den Anspruch an, auch die Super Bowl 2018 auszurichten – zum 300. Geburtstag von New Orleans. Gegen Ray Nagin, seinen Vorgänger, hat die Staatsanwaltschaft indes gerade erst Anklage wegen Korruption erhoben.

Vor dem Eingang zur Bourbon Street im historischen French Quarter ruft ein Straßenprediger per Megafon zur Umkehr und zur Reue auf, vor dem Superdome joggt ein schmaler Schwarzer im Superman-Kostüm herum. Sein Slogan: „Vertraut auf Jesus.“ Auf dem schwarzen T-Shirt eines heimischen Footballfans prangt der Spruch „Saints und Sinners“, „Heilige und Sünder“ – wobei sich „Saints“ auf die Sportidole aus New Orleans bezieht.

Dicht gedrängt flanieren die Anhänger der Gastgeber in ihren schwarz-goldenen Trikots, die Fans der Ravens in Violett und der 49ers in Rot – einige mit der Nummer ihres legendären Quarterbacks Joe Montana aus den 1980er-Jahren – durchs Viertel, einen Plastikbecher mit Bier in der Hand oder einen „Shot“, eine Eprouvette gefüllt mit Tequila. Auf offener Straße Alkohol zu trinken, in den Lokalen ungehemmt zu rauchen – all dies gleicht einer Unerhörtheit in den USA.

New Orleans, der „Big Easy“, versteht sich aufs Feiern wie keine andere Stadt in den USA, und in der Bourbon Street herrscht permanenter Ausnahmezustand – jedoch unter Aufsicht der berittenen Polizei, die hoch zu Ross die Ausschweifung unter Kontrolle hat. Vom Balkon des „Krazy Korner“ wird das Partyvolk in Karnevalstradition mit bunten Ketten beworfen. Doch sogar der Mardi Gras, der weltberühmte Karneval von New Orleans, legt in der Super-Bowl-Woche eine Pause ein, die Paraden sind aufgeschoben. Das TV-Network CBS hat den Jackson Square vor der Kathedrale in Beschlag genommen, aus den rauchschwangeren Spelunken des French Quarter lärmen Blues, Jazz und Rock Dutzender Combos, in den Türen und Fenstern des „Vodoo Vibe“ räkeln sich lasziv Go-Go-Girls und Stripteasetänzerinnen. Straßenmusiker, Maler, Gaukler, Artisten, Wahrsagerinnen, Freaks und Selbstdarsteller suchen hier ihr Publikum.


Spiel der Spiele. Im Vorfeld des Spiels der Spiele sorgte Präsident Obama für eine Kontroverse, als er darüber sinnierte, ob es angesichts der Gefahr von Gehirnerschütterungen nicht zu riskant sei, die Söhne zum Football zu schicken. Auch ein VW-Werbespot, zu 3,8 Millionen Dollar für 30 Sekunden, geriet in die Schlagzeilen. Jennifer Hudson wird mit Schülern der Sandy-Hook-Schule „America the beautiful“ schmettern, Alicia Keys die Nationalhymne – und Beyoncé wird, anders als bei der Obama-Inauguration, in der Halbzeitpause live singen. „Noch Fragen?“, sagte sie, nachdem sie vor der Presse die US-Hymne intoniert hatte.

Das Sportereignis selbst verkommt darüber immer mehr zur Nebensache. Für die US-Medien lautet die wichtigste Frage im „Bro-Bowl“, im Duell der Trainerbrüder, welcher der Harbough Brothers die Trophäe am Ende davonträgt: Jim, 15 Monate jünger und ein früherer Star-Quarterback, gilt als Coach der 49ers als Favorit; oder John, der Außenseiter aus Baltimore.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2013)

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