Super Bowl: „Das chaotischste Finale aller Zeiten“

Ein Stromausfall im Superdome von New Orleans unterbrach das Endspiel der National Football League zwischen Baltimore und San Francisco für 34 Minuten, verlieh dem Spiel aber neue Energie. Baltimore siegte mit 34:31.

Schließen
(c) GEPA pictures (GEPA pictures US Presswire)

New Orleans. Der Super Bowl ist das größte und teuerste Sportereignis der Welt. Das Finale der National Football League setzt Dollarmilliarden in Bewegung – und dann stürzt ein Stromausfall das Event ins Chaos. 71.024 Zuschauer im Superdome von New Orleans und knapp eine Milliarde TV-Zuschauer in 180 Ländern waren mit beiden Mannschaften, den Baltimore Ravens und den San Francisco 49ers, für knapp eine halbe Stunde zum Warten gezwungen.

Die Unterbrechung – die Ursachen werden schadhaften Aggregaten aus der Halbzeitshow von Popstar Beyoncé zugeschrieben – verlieh dem 47. Super Bowl nach Wiederbeginn jedoch erst die richtige Spannung. Die Ravens gewannen den Thriller mit 34:31 und krönten sich damit erstmals nach 2000 wieder mit dem NFL-Titel. Amerikas Reporterlegende Peter King („Sports Illustrated“) war verblüfft: „Das war das chaotischste, aber auch abwechslungsreichste Endspiel, das ich je erlebt habe.“

Die „Verlängerung“ dieser Partie dürfte aber wohl vor Gericht erfolgen. TV-Sender CBS kassierte für jeden 30 Sekunden dauernden Werbespot 2,79 Millionen Euro. Und Bürgermeister Mitch Landrieu verlangte vom Stromversorger „einen detaillierten Bericht“. Der Strom war sogar in weiten Teilen der ganzen Stadt ausgefallen.

Makellose Würfe von Joe Flacco

Am Ende der Footballparty, deren Ausläufer sogar die Bourbon Street in Ausnahmezustand versetzten, konnte es aber nur einen Sieger geben. Baltimore-Coach John Harbaugh streckte im Konfettiregen die Vince-Lombardi-Trophäe empor, sein 15 Monate jüngerer Bruder Jim machte sich still und heimlich auf den Weg zurück in die Kabine. Der Große hatte das erste Brüderduell der Super-Bowl-Historie für sich entschieden.

Die bei den Buchmachern als Außenseiter gehandelten Ravens landeten in der ersten Hälfte einen Touchdown („Big Play“) nach dem anderen. San Francisco, bei bisher fünf Finalteilnahmen ebenso oft erfolgreich, brachte kein Bein auf den Boden. Quarterback Colin Kaepernick zeigte Nerven. Joe Flacco, Widerpart der Ravens, agierte fehlerlos. Zur Halbzeit führten die Ravens mit 21:6.

Unmittelbar nach der Pause retournierte Jacoby Jones einen Kick-off über das komplette Spielfeld, es war sein zweiter Touchdown des Abends: 28:6, das Spiel schien entschieden – doch dann fiel der Strom aus. 34 Minuten, in denen Jim Harbough seiner Mannschaft neue Anweisungen gab, und ein ungewolltes „Time-out“, von dem sich die Zuschauer aber nicht die Laune verderben ließen. Die Laola-Welle rollte durchs Stadion, und die Cheerleader tanzten.

Die unbelohnte Aufholjagd

Als die Lichter wieder angingen, ging den 49ers das Licht auf. Sie kämpften sich zurück, knapp zwei Minuten vor dem Ende stand es nur noch 29:34. Doch der letzte Pass landete im Nirgendwo. Durch eine aus taktischen Gründen absichtlich in Kauf genommene Strafe („Safety“) gegen die Ravens gab es zwar noch zwei Punkte für San Francisco, 31:34. Zu wenig . . .

„Dieses Jahr war ein wilder Ritt für uns, voller Highlights und Lowlights“, sagte John Harbaugh. Als Super-Bowl-Champion aber waren alle Rückschläge schnell vergessen. Quarterback Joe Flacco wurde zum besten Spieler (Most Valuable Player) gewählt, doch im Rampenlicht stand auch der umstrittene Star-Verteidiger Ray Lewis. Der 13-fache Pro-Bowler, der am Beginn seiner Laufbahn sogar noch unter zweifachem Mordverdacht gestanden war, beendete seine Karriere als zweifacher Champion.

Auch New Orleans dürfte das Kapitel als Super-Bowl-Veranstalter wohl abhaken müssen. Ein Stromausfall ist für Amerika genug. Dabei bat Ravens-Star Jacoby Jones, der in New Orleans geboren wurde, sogar mehrmals um Nachsicht: „Unsere Stadt ist bekannt für Karneval. Da gehört Chaos dazu.“

Auf einen Blick

Der 47. Super Bowl in New Orleans wurde von einem Stromausfall überschattet. Nicht wie vermutet ein Aggregat aus der Halbzeitshow von Popstar Beyoncé war schuld, sondern ein Systemfehler in der Zufuhr des Stromlieferanten Entergy soll die halbstündige Pause verursacht haben.
Die Baltimore Ravens besiegten San Francisco 49ers mit 34:31. Es ist der zweite Titel nach 2000.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.02.2013)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Kommentar zu Artikel:

Super Bowl: „Das chaotischste Finale aller Zeiten“

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen