Fußball-Wetten: Epizentrum im Reich der Mitte

Mafia, dunkle Netzwerke und Websites machen illegale Wetten in China zum Milliardengeschäft. Gewettet wird nicht nur auf Sieg oder Niederlage.

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(c) GEPA pictures (GEPA pictures Christian Ort)

Wien/Apa. Dass die Spur von Europol in dem bisher größten europäischen Fußballwettskandal nach Singapur führt, überrascht Branchenkenner nicht. Es liegt nicht allein an der Fußballbegeisterung der Menschen in dem Stadtstaat, sondern an seiner Bedeutung als Steuerparadies und Finanzdrehscheibe. „Singapur ist definitiv das Epizentrum, weil dort das Geld aus ganz Asien zusammenfließt“, sagt der italienische Journalist und Experte Antonio Talia, der für europäische Medien die Wettindustrie in Asien beobachtet.

„Es gibt ein weitverzweigtes System von Wettorganisationen im Untergrund, das perfekt dazu geeignet ist, Spiele zu manipulieren.“ Spielabsprachen sind wie ein Finanzprodukt. Es fließe auch Schwarzgeld aus China nach Singapur, das in Wetten und Spielabsprachen reinvestiert werde. Die Banden seien auch an Spielen der dritten oder vierten Liga interessiert, weil sie – schon wegen der niedrigen Gehälter für die Spieler – leichter zu manipulieren seien. Es gebe Gerüchte, dass hier ganze europäische Mannschaften gekauft sein könnten. Dazu passt es auch, dass im Februar 2011 der Singapurer Wilson Raj Perumal im finnischen Rovaniemi verhaftet wurde. Als einer der berüchtigtsten Wettbetrüger soll er versucht haben, das örtliche Team zu unterwandern. Er gilt als Drahtzieher von Wettskandalen in Europa, Asien und Afrika und bekam zwei Jahre Haft.

Gewettet wird nicht nur auf Sieg oder Niederlage. Auf illegalen Websites, die fast wöchentlich ihre Adresse ändern, werden Spiele in jeweils zehn oder 15 Minuten aufgeteilt: Wer schießt das nächste Tor? Wer bekommt einen Freistoß? Gewinne werden für künftige Spieleinsätze oder einfach auf der Kreditkarte gutgeschrieben. Auf die Buchmacher sei Verlass, berichtet Talia. Zumindest in diesem Punkt wollen sie vertrauenswürdig erscheinen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2013)

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