Ringen droht Streichung aus dem Olympia-Programm

12.02.2013 | 18:38 |   (DiePresse.com)

Bei der nächsten IOC-Vollversammlung muss die traditionelle Sportart, die seit 1896 olympisch ist, aller Voraussicht nach einer Trendsportart weichen.

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Ringen soll aus dem Programm der Olympischen Spiele 2020 gestrichen werden. Diese Empfehlung wurde am Dienstag von der Exekutiv-Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Lausanne abgegeben. Die Entscheidung muss bei der nächsten IOC-Vollversammlung im September in Buenos Aires bestätigt werden. Dieser Schritt gilt jedoch nur noch als Formalakt.

Die Sportart würde dadurch einen Kandidaten-Status erhalten, den aktuell auch sieben andere Sportarten innehaben (Baseball, Klettern, Karate, Rollschuhsport, Squash, Wakeboarding und Wushu). Die Chancen auf eine Wiederaufnahme von Ringen ins Olympische Programm ab 2024 werden jedoch als sehr gering eingestuft. Bereits seit 1896 olympisch, ist die Disziplin ohne die Unterstützung des IOC nur noch schwer überlebensfähig.

Die IOC-Exekutive begründete ihre Empfehlung unter anderem mit den niedrigen Werten, die das Ringen bei einer detaillierten Analyse aller 26 olympischen Sommersportarten bekam. Dabei hatte die Programm-Kommission des IOC insgesamt 39 Kriterien wie TV-Quoten, Zuschauerzahlen, Ticketverkäufe, Verbreitung, Mitgliederzahlen und Attraktivität für Jugendliche untersucht.

Entsetzen und Unverständnis in Ringerszene

Entsetzen herrschte beim österreichischen Ringsportverband (ÖRSV) über die Entscheidung des IOC. "Den ÖRSV trifft diese Entscheidung aus heiterem Himmel. Für mich ist das ein absoluter Schock, mit dieser Entscheidung stirbt ein Stück olympischer Gedanke. Es war nie die Rede über die Streichung aus dem Olympischen Programm, im Gegenteil, ab 2016 sollten die Frauen möglicherweise in allen sieben Gewichtsklassen starten dürfen (bisher vier)", erklärte ÖRSV-Präsident Thomas Reichenauer in einer Aussendung.

Der internationale Ringer-Verband (FILA) hat mit "großem Erstaunen" auf die Entscheidung der IOC-Exekutive reagiert, den Traditionssport von 2020 an aus dem Olympia-Programm streichen zu lassen. "FILA wird alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, die IOC-Exekutive und IOC-Mitglieder vom Irrtum ihrer Entscheidung gegen eine der ursprünglichen Sportarten der antiken und modernen Olympischen Spiele zu überzeugen", hieß es in einer Pressemitteilung vom Dienstag.

Der Sport habe stets alle Regeln des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) eingehalten und sei in 180 Ländern vertreten. Auf seiner Sitzung am 17. und 18. Februar in Phuket/Thailand will der FILA-Vorstand die nächsten Schritte besprechen.

(ag)

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2 Kommentare

Natürlich

Bei den olympischen Spielen geht es schon lange nicht mehr um den Sport, sondern rein ums Geld!

Ich schlage eine Namensänderung vor, statt Olympische Spiele Olympische Geldvermehrung!

Re: Natürlich

Genau so sehe ich es ebenfalls! Neben anderen traditionellen Sparten zählte auch das Ringen von Anfang an zu den "klassischen" olympischen Disziplinen. In diesem Zusammenhang möchte ich auch an diverse berühmte antike Skulpturen erinnern, welche Ringer im Kampf zeigen. Nun sind ja die olympischen Sommerspiele im Laufe vieler Jahrzehnte geradezu ins Groteske aufgebläht worden, was sie selbst für ausgewiesene Sportfans nahezu unübersichtlich machte. Allen Bewerbe konseqzuent zu verfolgen, ist nahezu ein Ding der Unmöglchkeit geworden. Und da will wirklich jemand ernsthaft behaupten, ausgerechnet das Ringen sei kein Publikumsrenner? Von unzähligen anderen Bewerben weiß man oft gar nicht, daß es sie überhaupt gibt!

Mein Eindruck ist in diesem Zusammenhang eher der, daß die Ringer-Verbände einfach nicht gut genug beim IOC lobbyisierten; sprich: Nicht genügend "überzeugende Argumente" in gewissen Taschen verschwinden ließen. Da erwiesen sich andere offenbar als"großzügiger"! Und weil statt Ringen vermutlich eine andere Sparte kommt, die derzeit noch auf der "Kandidatenliste" steht, wird diese Riesenveranstaltung kaum "billiger". Auch daran sollte die tollkühne Wiener Lokalpolitik denken, wenn sie sich ernsthaft um eine Olympia-Vergabung für das nächste Jahrzehnt bemüht...

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