Eishockey: Die neue Eiszeit im Frühsommer

24.04.2013 | 18:14 |  MARKKU DATLER (Die Presse)

Das Nationalteam bereitet sich in Wien auf die A-WM vor, in Helsinki warten ab 4 .Mai sieben Spiele. Temperaturen, Personalfragen oder negativen Bilanzen irritieren nicht.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Wien. In Kagran blühen Bäume. Entlang der alten Donau wachsen Blumen. Viele Besucher des Einkaufszentrums tragen angesichts der warmen Temperaturen bereits kurze Hosen. Auch die Schultz-Halle strahlt, Sonnenstrahlen reflektieren von ihren Scheiben. Doch in der Halle endet jedes Frühlingsgefühl schnell. In einer Eishalle gibt es keine Sommerpause. Schon gar nicht dann, wenn sich Österreichs Eishockey-Team auf eine A-WM vorbereitet.

Im Kabinengang schwitzen Spieler auf drei Ergometer-Rädern. Daneben werkt der Zeugwart an Schlägern und Kufen, im Hintergrund surrt ein Haarfön und damit auch wirklich jeder weiß, um welches Team es sich handelt, hängt die Österreich-Fahne an der Kabinenwand. Auch von der Eisfläche dröhnen Geräusche. „Schneller, come on. Schuss“, Teamchef Manny Viveiros setzt sich in Szene. „Du musst schärfer schießen“, brüllt er einem Spieler hinterher. „Ich will harte Schüsse sehen.“

 

Erst Olympia, jetzt A-WM

Seine Assistenten Christian Weber und Rob Daum lauschen und dieser Anblick entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Weber, ein Schweizer, hatte Viveiros 2012 beim KAC als Trainer abgelöst. Vor wenigen Monaten wurde Weber beim Meister entlassen, Viveiros ist weiterhin Sportdirektor der Kärntner und im A-Team noch immer sein Chef. Daum, er betreut Linz, ist Assistent – aber der beste Trainer der Erste Bank Liga...

Dieser Personalpolitik misst im Verband niemand Bedeutung zu, das Trio hat ohnehin alle Hoffnungen übertroffen. Es führte Österreich, das seit dem Abstieg bei der Heim-WM 2005 als „Paternoster-Truppe“ zwischen Erst- und Zweitklassigkeit hin und her pendelt, in die elitäre Gruppe der Top 16 der Welt zurück. Und mit der sensationellen Qualifikation für die Winterspiele 2014 in Sotschi, Russland, haben sich Manny Viveiros, Rob Daum und Christian Weber ohnehin ein Denkmal gesetzt. Das A-Team spielt erstmals seit 2002 wieder unter den fünf Ringen.

Für die WM, die wie schon im Vorjahr in Schweden und Finnland stattfindet, wurde das Ziel des Klassenerhalts ausgelobt. Es wäre das erste Mal seit Prag 2004, würde es auf direktem Weg gelingen. Dafür darf Österreich in seiner Achtergruppe aber nicht Letzter werden. Allerdings, das wusste auch der 2011 nach internen Differenzen in Ungnade gefallene, aber von Viveiros nun ins Team zurückgeholte Oliver Setzinger, „wird das wirklich nicht leicht. Es gibt einen neuen Modus, es sind sieben harte Spiele in zwölf Tagen. Da brauchst schon ordentlich Kraft.“

 

Nur gegen Frankreich erfolgreich

Auch gibt es auf diesem Niveau „keine leichten Gegner“ mehr. Und die Bilanz vor den WM-Spielen spricht zudem Bände: Von 28 Spielen gegen die USA wurden 24 verloren (51:152 Tore). Gegen Frankreich gab es in 54 Spielen 30 Siege (230:146). Lettland hielt sich in 16 Spielen zwölfmal schadlos (40:55). Deutschland konnte von 39 Duellen 25 gewinnen (63:124), verlor aber zuletzt das entscheidende Spiel um die Olympia-Tickets. Die Slowakei siegte in 28 Partien 22-mal (50:121), Finnland feierte neun Siege aus zehn Spielen (17:60) und Titelverteidiger Russland spielt ohnehin in einer ganz anderen Liga. Österreich gewann nur ein einziges Mal in 18 Anläufen (30:129) – es war ein Freundschaftsspiel in Zell/See.

Viveiros legt daher gesondertes Augenmerk auf Taktik, auch will er technische Mängel, die sich nach einer langen Saison bei manchen eingeschlichen haben, beheben. Testspiele, unter anderem am Freitag (18 Uhr) in Wien gegen Slowenien, sollen bei der Abstimmung der „mindestens drei, wenn nicht sogar vier Linien“ helfen.

Kader im Trainingslager, Wien

Tor: Starkbaum (Modo, Swe), Swette (KAC), Weinhandl (Capitals).

Verteidigung: Altmann (VSV), Iberer (KAC), Klimbacher, A. Lakos (Capitals), R. Lukas (Linz), Reichel, Schumnig (KAC), Unterluggauer (VSV).

Angriff: Baumgartner, Oberkofler (Linz), Geier, Herburger, Hundertpfund, Koch, Schuller (KAC), Iberer (Graz), Kristler, Latusa, Welser (Salzburg), Peintner (VSV), Raffl (Leksands, Swe), Schiechl (Capitals), Setzinger (Lausanne, Sui).

Auf einen Blick

Österreichs Eishockey-Team trifft bei der A-WM in Helsinki in Gruppe H auf Russland, Finnland, die Slowakei, USA, Deutschland, Lettland und Frankreich. Das erste Spiel ist am 4. Mai gegen die USA (11.15 Uhr).
In Stockholm spielt die Gruppe S: Tschechien, Schweden, Kanada, Norwegen, Schweiz, Dänemark, Weißrussland und Slowenien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

AnmeldenAnmelden