Eishockey-WM: Vanek appelliert an den Teamgeist

03.05.2013 | 16:39 |  Von Markku Datler (Die Presse)

Für die USA zählen nur NHL und Olympia. Österreich schlug daraus noch nie Kapital. Ausnahmslos alle Spiele bei Weltmeisterschaften gingen stets mit zumindest drei Toren Differenz verloren.

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Helsinki/Wien. Eishockey ist in Amerika ein Volkssport. Läuft der Spielbetrieb der National Hockey League, sind Partien sehr oft ausverkauft. Merchandising, Sponsoring und TV-Verträge garantieren Umsätze in Milliardenhöhe. Die einzelnen Aufstellungen vieler Klubs haben Fans im Kopf und es verdeutlicht, wie sehr sich die Amerikaner mit dem Puck assoziieren. Ein bezeichnendes Bild bietet sich aber dem Beobachter, sobald das US-Nationalteam bei einer Weltmeisterschaft auf dem Eis steht – es weckt keinerlei Interesse in der Heimat.

Das Desinteresse der Amerikaner an einer WM ist den NHL-Play-offs geschuldet. Die Profiliga pausiert nur für Winterspiele, die jährlich ausgetragene und damit inflationär auf den TV-Markt einwirkende WM erreicht keinen Stellenwert. Da auch Erfolge ausbleiben – Amerika wurde seit 1920 nur zweimal Weltmeister (1933, 1960) –, steht Team USA auf dem Eisrink fortlaufend im Abseits.

Und dennoch, die USA sind WM-Stammgast und im Hinblick auf das Auftaktspiel am Samstag in Helsinki gegen Österreich haben beide Teams etwas gemein: Ihre letzte Medaille gewannen die Amerikaner bei der WM 2004 in Prag. Just bei jenem Turnier gelang Österreich mit einem 2:2 gegen Kanada die Überraschung und der bis dato letzte direkt geschaffte Klassenerhalt. Zwei NHL-Neueinsteiger trumpften damals im A-Team auf: Thomas Pöck und Thomas Vanek.

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„Das System stimmt wieder“

2013 stehen sie wieder gemeinsam auf dem Eis. Vanek, der in Helsinki seine dritte WM bestreitet, hat an 2004 nur „positive Erinnerungen“. Der damals 20-Jährige überzeugte mit starken Antritten, Schüssen und Checks. Nun, neun Jahren später, hat er über 500 NHL-Spiele in den Beinen, kennt alle Tücken und Tiefs des Geschäfts. Der Schock, mit Buffalo die Play-offs verpasst zu haben, sitzt tief. Doch bei der WM will sich der dreifache Familienvater beweisen. Er sagt: „Seit Manny Viveiros Teamchef ist, habe ich nur Positives gehört. Man hat bei der Olympiaqualifikation gesehen, dass das System wieder stimmt. Wir müssen das bestätigen und sofort aggressiv spielen.“

Der neue Modus mit zwei Achtergruppen (jeweils eine in Stockholm und in Helsinki) statt vier Vierergruppen sei ein Vorteil, sagt Vanek. Man habe mehr Chancen, Gedeih oder Verderb obliegen nicht nur einem Spiel. Um aber gegen USA, Frankreich (Sonntag, 11.15 Uhr), Lettland, Deutschland, Vizeweltmeister Slowakei, Finnland und Weltmeister Russland überhaupt bestehen zu können, müssten Tore gelingen und die Abwehr sollte „optimal stehen“. Das Ziel, nicht Gruppenletzter zu werden und abzusteigen, sei „machbar, aber verdammt schwer“.

Obwohl Amerika aus den zuvor genannten Gründen in Helsinki „kein All-Star-Team“ stellt, besteht keinerlei Anlass zu voreiligem Jubel. Seit 1996 war das US-Team fünfmal der Kontrahent im ersten oder zweiten WM-Spiel. Ausnahmslos alle Spiele gingen stets mit zumindest drei Toren Differenz verloren.

Für Thomas Pöck erhält der WM-Auftakt auch noch eine persönliche Note. Er will US-Teamchef Joe Sacco beweisen, dass er einen kapitalen Fehler begangen hat. Sacco war bis vor Kurzem noch Coach der Colorado Avalanche. Er hat Pöck zu Saisonbeginn noch kurzerhand aussortiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2013)

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