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Extrem-Radrennen: 1000 Kilometer non-stop

28.05.2007 | 18:08 |  KLAUS HÖFLER (Die Presse)

Ultra-Radmarathon. Der Weg zum Weltmeistertitel führt von Graz auf den Glockner und – ohne Pause – zurück.

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Graz.Am Ende waren es sieben Minuten. Nach einer Gesamtfahrzeit von 39 Stunden, die sie Rad an Rad und non-stop zusammen abgespult hatten, rollte Gernot Turnowsky beim „Glocknerman“ 2005 sieben Minuten vor seinem Zwillingsbruder Horst über die Ziellinie. Da war der Sieger schon drei Stunden fertig. Das Grazer Brüderpaar belegte damals die Plätze zwei und drei.

„Das sollte heuer wieder drinnen sein“, so Gernot Turnowsky. Am 7. Juni um 11 Uhr geht's in Graz los. 25 Fahrer haben sich laut Mitorganisator Walther Wessiak bereits angemeldet, darunter Sportler aus Italien, Dänemark, Deutschland und der Schweiz. Auf sie warten 1010 Kilometer von Graz über die Soboth nach Kärnten. Über Bleiburg, Finkenstein und Spittal/Drau führt die Strecke über Lienz, Mittersill und Zell/See hinauf auf den Großglockner. Und von dort wieder zurück nach Graz. Exakt 15.763 Höhenmeter sind von den Extremradlern zu bewältigen. Möglichst ohne Pausen. Geschlafen wird während des Rennens so gut wie nie.

„Gerade einmal im Morgengrauen, wenn die Gefahr besteht, dass die Fahrer am Rad einschlafen, legen sie sich für wenige Minuten hin“, erzählt Wessiak, der zuletzt seinen Vater als Betreuer begleitete.

Gegessen und getrunken wird während des Fahrens. Bei den Turnowskys besteht der Menüplan zu 70 Prozent aus Flüssigem: „Vor allem Babynahrung, weil sie leicht verdaulich ist“, so Gernot, der um drei Minuten ältere der beiden Marathonradler. Die 30 Prozent feste Nahrung wird je nach Gusto bestellt. Pikantes ist dabei hoch im Kurs. So wurden Fahrer auch schon mit ofenfrischer Pizza beliefert, die von den Betreuern spontan von einer Pizzeria entlang der Strecke geholt wurde.

 

„Geschlafen wird gerade
einmal im Morgengrauen“

Walther Wessiak, Mitorganisator

Mehr als zwei Kilometer entfernen sich die Betreuer aber nie von ihren Fahrern. Während der besonders zermürbenden Nachtstunden fahren die Begleitautos als Lichtspender sogar auf Tuchfühlung hinter den Radlern her. Manche haben Lautsprecherboxen am Autodach montiert, um ihren Sportler mit Musik zu motivieren (und wach zu halten). Windschattenfahren? Hinter Autos ist das verboten, sonst aber erlaubt. Dopingkontrollen? „Ich hoffe“, sagt Turnowsky.

Fragt man nach dem Warum und Wofür derartiger Strapazen, verweist Turnowsky beinahe schon lapidar auf einen „jahrelangen Entwicklungsprozess“. Sie seien eben „reine Bewegungstypen“. Das hat in den letzten 25 Jahren zu einer halben Million Kilometer am Fahrrad geführt, zwischen 28.000 und 33.000 Kilometer pro Jahr waren es zuletzt.


Weltrekordversuch bei Graz

Die Ultra-WM sehen die 37-Jährigen aber nur als Vorbereitung für ihren eigentlichen Saisonhöhepunkt: Am 30. Juni wollen sie in Rinnegg bei Graz (Gemeinde Weinitzen) einen neuen 24 Stunden-Höhenmeter-Weltrekord aufstellen. Die aktuelle Bestmarke von 19.020 Höhenmeter soll erstmals auf mehr als 20.000 geschraubt werden. Dafür müssen sich die Zwillinge die 2,1 Kilometer lange, eigens abgesperrte Bergstraße 97 Mal hinauf quälen (www.radzwillinge.at). Für Sportbegeisterten, denen das zu anstrengend ist, bietet www.glocknerman.at ein virtuelles Training per Mausklick.

www.radzwillinge.at

 

www.glocknerman.at

LEXIKON

Der „Glocknerman“, der als Ultra Radmarathon-Weltmeisterschaft gilt, startet am 7. Juni in Graz. Über 1010 Kilometer geht es non-stop auf den Großglockner und wieder zurück. Bei der Österreich-Radrundfahrt, die am 8. Juli startet, sind in acht Tagen 1246 Kilometer zurückzulegen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.05.2007)

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