Wien-Marathon: Jubiläum mit Rekord gekrönt

27.04.2008 | 18:43 |  MARKKU DATLER UND MICHAEL KÖTTRITSCH (Die Presse)

Der Kenianer Abel Kirui lief bei der 25. Auflage des Wien-Klassikers Streckenrekord in 2:07:38 Stunden. Gigantisch war auch der Zuschauerandrang. Weit über 300.000 Menschen säumten die Straßen.

WIEN. Die zuletzt gebeutelte heimische Leichtathletik-Welt schien zumindest für einen Sonntag in Ordnung: 30.072 Läufer hatten für die Bewerbe des Vienna City Marathon genannt, davon 8003 für den Marathon. Beides bedeutete Rekord. Gigantisch war auch der Zuschauerandrang. Weit über 300.000 Menschen säumten die Straßen.

Und dann lieferte Abel Kirui aus Kenia beim Jubiläums-Marathon auch noch einen neuen Streckenrekord. Er lief die 42,195 Kilometer in 2:07:38 Stunden, einer Zeit, mit der der Vienna City Marathon auch in spitzensportlicher Hinsicht zu Europas Top-Veranstaltungen zählt.

Dabei hätte der 25-Jährige das Zeug für eine Zeit unter 2:07 Stunden gehabt. Bis Kilometer 30 war er auf Kurs gewesen, im Finale aber konnte er seinen Zeitplan nicht mehr einhalten. Das „negative splitting“, also den Plan, die zweite Streckenhälfte schneller als die erste zu laufen, konnte er nicht umsetzen.

„Aber er ist noch ein Kind“, meinte sein deutscher Manager Volker Wagner, „er muss noch reifen.“ Taktische Spielchen und Tempoverschärfungen, um Marathon-Debütant Duncan Kibet abzuschütteln, hatten letztlich zu viel Kraft gekostet. Und, bedauerte sein Manager Volker Wagner, „ich hatte gehofft, dass mehr Leute länger an der Spitze laufen und Tempo machen“. Alles zusammen hatte eine noch bessere Zeit verhindert.


Weltklassemann von morgen

Dennoch lieferte der Kenianer einmal mehr eine starke Vorstellung. Der Dritte des Vorjahres, der 2007 in Berlin seine persönliche Bestzeit von 2:06:51 Stunden fixiert hat, matchte sich auch schon mit Haile Gebreselassie. „Er ist ein absoluter Weltklasseläufer“, verspricht Wagner, der rund 40 Läufer aus Kenia und Tansania unter Vertrag hat, „Zeiten um 2:05, 2:04 hat er sicherlich drauf.“ Der Läufer, der Ende Mai erstmals Vater werden wird, traut sich noch mehr zu. Früher oder später, sagte er, werde er einen Weltrekord laufen. Das spüre er schon jetzt.

Bis es soweit ist, muss er aber noch deutlich zulegen. Vor allem sein Training, in dem er sich zuletzt stark ausgepowert hatte, müsse er noch erheblich verbessern, sagt Wagner, der sich wünscht, dass Kirui öfter als bisher im deutschen Stützpunkt Detmold trainiert.

Das Umfeld, aus dem Kirui kommt, bot in den vergangenen Monaten keine guten Trainingsbedingungen, stammt er doch aus der von Unruhen nach den Wahlen geplagten Läuferhochburg Eldoret, er ist mit einer Lehrerin verheiratet. Auf ihn aufmerksam geworden ist übrigens mit Rogers Rop ein anderer Marathonläufer aus Kenia, der ihn dann Wagner empfohlen hat. Wagner bezeichnet Kirui als „Heimkind“. Am liebsten sei er in Kenia, wo er zuletzt auch trainiert habe.

„Für seinen Marktwert“, sagte Wagner, „bringt ihm der Wien-Sieg aber rein gar nichts. Da muss er schon bei Klassikern in Berlin rennen oder Boston.“ Nur eine Weltklassezeit oder ein Sieg in einem „international gewichtigen Marathon“ lässt die Kassa klingeln. Den Marktwert seines Schützlings beziffert Wagner mit 100.000 Dollar (64.119 Euro). Es entspricht dem Startgeld, das er zuletzt in Tokio erhalten hat.

Ihren Marktwert steigern konnte hingegen die Siegerin des Damenfeldes: Die Rumänin Luminita Talpos konnte ihren Vorjahressieg wiederholen und bekommt daher die Chance, ihr Können bei den Olympischen Spielen in Peking einzulösen. Talpos verwies die stärker eingeschätzte Japanerin Tomo Morimoto auf Platz zwei.


Hohenwarter überraschte

Aus österreichischer Sicht gab es eine kleine Überraschung: Roman Weger, der eine Zeit um 2:15 angepeilt hatte, musste nach 34 Kilometern aufgeben: „Ich bin leer“, hatte er gemeint. Davon profitierte sein Klubkollege Markus Hohenwarter, der bis dahin im Paarlauf mit Weger unterwegs gewesen war. Der 28-Jährige kam als bester heimischer Läufer nach 2:18:13 Stunden als Zwölfter ins Ziel. Dabei hatten in schon vor der Halbzeit Blasen, später Magenprobleme gequält. Nicht ohne Probleme war das Rennen auch für Ingrid Eichberger (7., 2:47:07) verlaufen. Sie hatte nach einem Sturz in der Vorwoche Schmerzen, biss sich aber durch und kam – nach der Suspendierung von Susanne Pumper nach einem positiven Doping-A-Test – als beste Österreicherin ins Ziel.

AUF EINEN BLICK

Den 25. „Vienna City Marathon“ gewann der Kenianer Abel Kirui mit neuem Streckenrekord. Er siegte in 2:07:38 Stunden. Kirui erhält 15.000 € Siegesprämie und 10.000 € für den Rekord.

Bester Österreicher wurde Markus Hohenwarter als Zwölfter mit 2:18:13 Stunden.

Im Damenrennen wiederholte in 2:26:43 die Rumänin Luminita Talpos ihren Vorjahreserfolg. Ingrid Eichberger wurde Siebente (2:47:07 Stunden).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2008)


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1 Kommentar
 
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Von Gast: hmx am 28.04.2008 um 12:37

nicht nur Rekorde 2008...

Eines ist kein Rekord: Die 8003 Nennungen für den Marathon heuer. 2001 waren es nämlich über 11.000 Starter beim Marathon, und über 9.000 kamen auch ins Ziel über die gesamte Marathondistanz. Auch im Jahr 2000 und 2002 waren mehr Marathonläufer am Start.
Die hohe Gesamtanzahl der Starter 2008 steigt hauptsächlich durch Halbmarathon und Staffelmarathon.
Siehe auch
http://www.vienna-marathon.com/download/de_AT/press/statistik_84_07.pdf
und
http://www.vienna-marathon.com/?url=geschichte/03_1984_2007/20_2001

 
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