New York (APA). „Ich war mein ganzes Leben ein Spätzünder“, sagt Thomas Vanek. Der österreichische Eishockeystar hat stets eine Anlaufzeit benötigt, um so richtig in Schwung zu kommen. Heuer allerdings läuft der 24-Jährige gleich zu Beginn der Saison in der National Hockey League (NHL) auf Hochtouren. Nach zwei Spielen hält Vanek bei drei Toren, in beiden Partien wurde er zum Spieler des Abends gewählt. Er befindet sich in Topform, zuletzt bekam das Thomas Pöck zu spüren, der mit den New York Islanders in eine 1:7-Heimschlappe gegen die Sabres schlitterte.
In seiner ersten NHL-Saison hatte Thomas Vanek bis zu seinem 15. NHL-Spiel auf den ersten Torjubel warten müssen, im Vorjahr hielt er nach zehn Partien bei drei Treffern. In dieser Saison ist aber alles anders. „Ich bin immer langsam gestartet, es hat einige Partien gedauert, bis ich Tore gemacht haben“, erinnert sich Vanek. „Jetzt klappt es von Anfang an, das ist gut. Ich hatte aber auch früher Chancen, nur gehen sie jetzt auch rein. Hoffentlich geht es so weiter“, freute sich der Stürmer, der von seiner neuen Aufgabe profitiert.
Denn der Torjäger kommt erstmals auch im „Penalty-killing“ zum Einsatz und damit auf mehr Spielzeit (21 Minuten). „Wir haben einen Deal“, meinte Trainer Lindy Ruff dazu. „Thomas muss sich noch mehr anstrengen und noch mehr an sich arbeiten, dann bekommt er auch mehr Unterzahl. Ich will Thomas Vanek zum besten Spieler der NHL machen!“
Vanek kann aber auch mit der Mannschaftsleistung zufrieden sein. „Wir haben sehr gut gespielt, von hinten solide raus, und vorne haben wir unsere Chancen genützt. Das Powerplay ist noch nicht optimal, aber schon besser“, analysierte der Steirer, für den es am Mittwoch im Schlager gegen die NY Rangers eine Standortbestimmung gibt. Die Rangers besiegten am Montag die New Jersey Devils mit 4:1 und stellten mit dem fünften Sieg im fünften Spiel den Clubrekord von 1983 ein. „Wir werden nicht viel ändern, unser System durchziehen und von hinten gut rausspielen. Und dann, wenn geht, unsere Chancen nützen“, so Vanek, der keineswegs in Euphorie fällt: „Man ist schnell auch wieder unten. Heute freuen wir uns, morgen haben wir Training und konzentrieren uns auf das Spiel gegen die Rangers. Das wollen wir das ganze Jahr so machen.“
„Ich will Thomas Vanek zum besten Spieler der NHL machen!“
Buffalo-Coach Lindy Ruff
Vanek jedenfalls hat auch das zweite Österreicherduell in der NHL klar für sich entschieden. 7:1 am Montag, 7:4 vor zwei Jahren ebenfalls gegen Pöck, damals noch im Dress der New York Rangers. „2:0 für Vanek“, sagte Pöck. „Zweimal gegen Buffalo, zweimal sieben Tore bekommen, das tut weh“, so der Verteidiger, der keine schlechte Partie spielte. Er erhielt in seiner zweiten Partie für die Islanders von Trainer Scott Gordon viel Eiszeit, blockte viele Schüsse ab, bereitete den Ehrentreffer vor und stieg mit plus 1 aus der Plus/Minus-Wertung als Einziger seines Teams positiv aus. Alles kein Trost für den Kärntner.
„Plus eins ist besser als minus fünf, aber 1:7, das ist zu viel. Wir haben nicht gut gespielt. Alle 18 und der Tormann waren wir nicht gut genug, um eine NHL-Mannschaft schlagen zu können. Es war eine Katastrophe, so kannst du nicht Eishockey spielen. Buffalo hat die Tore nicht gemacht, weil die unglaublich gespielt haben, sondern weil wir Fehler gemacht haben“, ärgerte sich Pöck vor allem über Defensivmängel und Undiszipliniertheit. Immerhin spielten die Islanders über 13:38 Minuten in Unterzahl. „Egal, wie gut du offensiv bist, wenn du sieben Tore bekommst, kannst du keine Partie gewinnen. In keiner Liga.“
Pöck und Vanek kamen sich auf dem Eis nur ein paar Mal in die Quere, viel voneinander mitbekommen haben sie dabei nicht. „Ich habe ihn ein paar Mal gesehen, konzentrierte mich aber auf mein Spiel“, meinte etwa Vanek. Pöck blieben zumindest zwei Treffer seines Landsmanns in „böser“ Erinnerung.
■Thomas Vanek hat mit den Buffalo Sabres nicht zuletzt dank seines Doppelpacks auch das zweite Österreicher-Duell in der NHL-Geschichte gegen Thomas Pöck souverän gewonnen. Vanek traf beim 7:1-Kantersieg bei den NY Islanders zum 3:0 und zum 5:0.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2008)

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