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Doping: Wie üblich ein Missverständnis

15.06.2009 | 18:19 | MARTINA LEINGRUBER (Die Presse)

Zwischen Vertuschen und Hysterie bleibt die Wahrheit oft auf der Strecke: Das zeigt der Fall Kate Allen: Bei den verbotenen Mitteln handelte es sich um Asthma-Medikamente.

Wien. Eigentlich wollte Kate Allen ihre Karriere in dieser Saison in aller Ruhe ausklingen lassen. Einzig und alleine gute Ergebnisse sollten für Schlagzeilen sorgen. Nun ist die Aufregung um Österreichs Aushängeschild im Triathlonsport dieser Tage zwar riesengroß. Der Grund ist aber keineswegs positiv. Kate Allen soll bei ihrem Triathlon-Triumph bei den olympischen Sommerspielen in Athen 2004 Substanzen im Blut gehabt haben, die auf der Dopingliste stehen.

Bei den verbotenen Mitteln handelte es sich um Medikamente, welche die gebürtige Australierin aufgrund ihrer Asthmaerkrankung einnehmen musste. Weil diese aber aber nicht korrekt angemeldet waren, soll Allen kurz vor der Disqualifikation gestanden sein. Warum sorgt diese Episode fünf Jahre später für so großen Wirbel? Ist es ein Zufall, dass so viele Spitzensportler an Asthma leiden? „Die Presse“ gibt Antworten auf Fragen rund um die Dopingvorwürfe.

1. Wie ist die Dopingkontrolle nach Allens Olympiasieg abgelaufen?

Am 25. August 2004 hat Kate Allen in Athen olympisches Gold im Triathlon gewonnen. Wenige Minuten später musste sie zur Dopingkontrolle antreten. „Dort hat Kate ordnungsgemäß jene Medikamente angegeben, die sie wegen ihrer Asthmaerkrankung einnehmen muss“, schildert ihr Trainer und Ehemann Marcel Diechtler im Gespräch mit der „Presse“. Auch angeführt hat Allen ihr Attest bzw. ihre Ausnahmegenehmigung, die ihr Asthmaleiden nachweisen und ihr erlauben, Medikamente, die eigentlich auf der Dopingliste stehen, einzunehmen. Der Dopingtest fiel negativ aus. Es wurden keine erhöhten Werte festgestellt.

2. Welche Probleme gab es mit der Ausnahmegenehmigung?

Zwar hatte die Triathletin diese Ausnahmegenehmigung bei der Österreichischen Anti-Doping-Kommission (ÖADC), dem internationalen sowie dem nationalen Triathlonverband (ITU, ÖTRV) 2004 angemeldet, nicht aber beim IOC, dem Internationalen Olympischen Komitee. „Wir stehen zu dem Formalfehler. Wir haben ihn auch nie verheimlicht. Kate hat während ihrer ganzen Karriere sonst nichts falsch gemacht oder gedopt“, sagt Diechtler. Laut „profil“ soll Allen wegen des fehlenden Attests vor der Disqualifikation gestanden sein. Nach Interventionen des ÖOC durfte Allen einen Provokationstest absolvieren. Dabei wurde die „schwere Asthmaerkrankung ohne Zweifel nachgewiesen“, so Diechtler.

Für den Leiter der Abteilungen für Pulmologie bzw. Sportmedizin am Wiener AKH, Paul Haber, ist ohnehin alles klar: „Wenn der Dopingtest negativ war, dann war Kate Allen zu diesem Zeitpunkt nicht gedopt.“ Hätte Allen die Medikamente und ihre Erkrankung verschwiegen, hätte es auch keine Aufregung gegeben. In dem Fall wäre Schweigen wortwörtlich (sicheres) Gold gewesen.

3. Kann man mit Asthmamedikamenten seine Leistung steigern?

„Nein“, sagt Haber. „Bei richtiger Dosierung sind die Mengen zu gering, um die Leistung eines Sportlers zu beeinflussen. Man müsste schon ein Vielfaches der verschriebenen Dosis einnehmen, um eine leistungssteigernde Wirkung zu erzielen.“

Eine Überdosierung würde allerdings sofort bei einem Test auffallen. Auch bei gesunden Menschen würden sich normale Dosierungen nicht zum Dopen eignen, sagt Haber. Er betont auch, dass Asthmamedikamente nicht zur Verschleierung anderer Dopingmittel eingesetzt werden können.

4. Wieso leiden so viele Spitzensportler an Asthma?

Ausdauersportler wie Läufer, Schwimmer oder Radfahrer leiden aufgrund extremer physikalischer und atemphysiologischer Belastungen häufiger an Asthma als der Bevölkerungsdurchschnitt. Vor allem Wintersportler sind öfter von dieser Atemwegserkrankung betroffen. „Durch häufiges, intensives Training bei niedrigen Temperaturen werden die Bronchien stark belastet und Asthma begünstigt“, erklärt Haber.

5. Kann man als Asthmatiker gefahrlos Spitzensport betreiben?

„Ja“, ist Haber überzeugt. „Asthma ist mittlerweile so gut behandelbar, dass medizinisch gesehen nichts dagegen spricht, Spitzensport auszuüben.“


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