ROM. Ein gutes Hollywood-Drehbuch braucht vieles, unverzichtbar sind aber folgende Ingredienzien: schier übermenschliche Erfolge, Liebeswirren, Drama und eine blonde Diva. Federica Pellegrini vereint all diese Dinge. Bei der Schwimm-WM in Rom ist die 20-jährige Venezianerin der Star, Michael Phelps muss sich hinten anstellen.
Zwei Goldmedaillen und zwei Weltrekorde hat Pellegrini schon erschwommen. Über 400 Meter Kraul blieb sie als erste Frau überhaupt unter vier Minuten. Über 200 Meter Kraul zertrümmerte sie schon im Semifinale ihren eigenen Weltrekord, selbiges wiederholte sie im Endlauf. Ganz Italien liegt „Fede d'Oro“, der Gold-Federica, zu Füßen.
Liebling des Boulevards
Die aparte Schwimmerin weiß das. Und sie weiß sich und ihr Leben gekonnt in Szene zu setzen. Vor allem in den italienischen Boulevardgazetten. Pünktlich zum Beginn der Heim-WM im römischen Foro Italico zierte die 1,77 Meter große Blondine die Titelseite der italienischen „Vanity Fair“. Nackt, nur mit etwas Goldfarbe besprüht. Aufnahmen, die bestens zu ihrem Image passen. Pellegrini gibt gern die Diva.
Und sie hält sich ganz nebenbei für die beste italienische Sportlerin aller Zeiten. „Darüber dürfte es keinen Zweifel mehr geben“, sagte Pellegrini nach dem Triumph über 200 Meter Kraul. Und widmete ihr Gold gleich darauf sich selbst: „Weil ich es mir verdient habe.“ Ganz unrecht hat sie damit nicht. Sie ist die erste italienische Schwimmerin, die bei Olympischen Spielen Gold gewinnen konnte: in Peking über 200 Meter Kraul. Und zum nationalen Idol hat es auch noch keine ihrer Vorgängerinnen gebracht.
Ihr Training absolviert Pellegrin ausschließlich mit Männern. Und das, seit sie 14 Jahre alt ist. „Ich denke zwar nicht, dass ich im Wettkampf die Männer besiegen könnte, aber ich nähere mich ihren Zeiten immer mehr an.“
Hin und wieder gibt sich die Übermächtige auch verletzlich. Ansonsten würde sie sich wohl zu sehr von ihren Anhängern entfernen. Dramen würden sich vor jedem Rennen in ihrem Kopf abspielen, erzählt Pellegrini. Immer habe sie den gleichen Albtraum. „Ich stehe auf dem Startblock, aber ich schaffe es nicht, meinen Bademantel auszuziehen. Also werfe ich mich mit dem Ding ins Wasser. Bei jedem Zug wird er schwerer, aber ich mache weiter.“
Um gegen Panikattacken vor dem Start gerüstet zu sein, steht Pellegrini nicht nur ihr Trainer, sondern auch ein Psychologe zur Seite. „Es klingt verrückt, aber ich habe wirklich eine Urangst zu ertrinken.“ Ihren Konkurrentinnen hat sich diese Todesangst wohl noch nie offenbart. Denn pflügt Pellegrini einmal durchs Wasser, „entwickle ich einen Killerinstinkt“.
Diesen bekam auch Frankreichs Pellegrini-Pendant Laure Manaudou zu spüren. Allerdings außerhalb des Beckens. „Fede“ spannte ihrer Erzfeindin vor den Olympischen Spielen in Peking den Verlobten Luca Marin, auch Schwimmer von Beruf, aus. Die beiden Schwimmdiven lieferten sich eine Schlammschlacht via Boulevardmedien, samt pikanten Interviews, Bildern und Videos.
Nach der WM in Rom will das Glamourpärchen übrigens für ein halbes Jahr nach Los Angeles ziehen. Pellegrini, um dort zu trainieren, Marin, um Schauspieler zu werden. Wie passend.
Nadarajah ausgeschieden
Von Österreichs Schwimmern gab es gestern keine Heldentaten zu berichten. Enttäuschend war vor allem der Auftritt von Fabienne Nadarajah. Im Delfin-Sprint belegte die Wienerin in 26,55 Sekunden nur Rang 22, 19 Hundertstel fehlten für den Halbfinalaufstieg. Jördis Steinegger verpasste über 800 Meter Kraul den Einzug ins Semifinale ebenso wie Nina Dittrich.
WM-Vorläufe: 50 m Delfin: 22. Fabienne Nadarajah 26,55. 800 m Kraul: 16. Jördis Steinegger 8:36,82, 33. Nina Dittrich 8:51,65. 50 m Kraul: 66. Martin Spitzer 23,30, 71. Dominik Koll 23,42. 100 m Delfin: Bernhard Wolf 53,98.
■Federica Pellegrini
(* 5. August 1988 in Mirano) siegte bei der WM in Rom in Weltrekordzeit über 200 und 400 Meter Kraul. 2008 holt sie als erste Italienerin Olympia-Gold in einer Schwimmdisziplin (200 m Kraul).
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2009)

Yigg
Webnews
Mr. Wong
Delicious
Facebook
Scoop
Google
Eintagsfliegen im ÖFB-TeamEinmal Nationalteam und zurück
Neun Spiele, fünf NiederlagenDas war das ÖFB-Länderspieljahr 2009
SchnappschussDie besten Sportbilder











