WIEN. Geht eine große Sportkarriere zu Ende? Die Zukunft des Weltmeisters und Weltrekordlers über 200 Meter Rücken Markus Rogan entscheidet sich heute. Rogans Manager Ronald Leitgeb hat heute einen Termin mit Leodegar Pruschak. Der Geschäftsführer der zentralen Raiffeisen-Werbung ist für die Sponsortätigkeiten des Bankhauses verantwortlich. Und damit auch für Markus Rogan, dessen Vertrag am 30. September, also in wenigen Wochen, ausläuft. Sehr wahrscheinlich ist eine Verlängerung des Kontrakts allerdings nicht.
„Es gibt momentan nicht so viel Positives in Sachen Markus Rogan“, sagte Pruschak im Gespräch mit der „Presse“. Zum einen seien da die ausgebliebenen sportlichen Erfolge des Aushängeschildes. Bei der WM in Rom belegte Rogan über 200 Meter Rücken, seine einstige Paradedisziplin, nur Rang 27. Und zum anderen ist da natürlich die Schlägerei in einer Bar am 1. August, mit der Rogan nicht nur sich selbst, sondern auch Raiffeisen einen herben Imageschaden zugefügt hat.
Raiffeisen über Disco-Affäre not amused
Zur Erinnerung: Rogan gibt an, vier Türsteher der Disco „Shilling“ in Ostia hätten ihn in einem Hinterzimmer zusammengeschlagen. Dabei hatte sich Rogan Prellungen, Schwellungen sowie Gesichtsverletzungen zugezogen. Es steht allerdings Aussage gegen Aussage, denn der Betreiber der Disco gab zu Protokoll, dass sich Rogan selbst verletzt hätte. Nämlich beim Versuch, über eine Mauer zu klettern, nachdem er des Lokals verwiesen worden war. Nur zwei Mal hat sich Rogan nach dem Vorfall geäußert. Einmal in einem Radiointerview, einmal auf seiner Homepage. Danach ist der Schwimmer untergetaucht.
Seit Rom sei Rogan nicht einmal für seinen Sponsor Raiffeisen erreichbar. Pruschak zur „Presse“: „Ich habe nur ein einziges Mal mit ihm Kontakt gehabt.“ Das sei zwei Tage nach der Disco-Affäre gewesen. Seither herrsche Funkstelle.
Ob Rogan seine Karriere beenden will, konnte Pruschak nicht beantworten: „Ich weiß weder, ob er bei dem Gespräch dabei sein wird, noch wie seine Zukunftspläne aussehen.“ Von Leitgeb erwartet er sich Aufklärung. Die endgültige Entscheidung, ob Rogan und Raiffeisen getrennte Wege gehen werden, fällt kommenden Dienstag. „Ich werde der Bundessitzung alle Fakten darlegen. Und das Gremium wird dann entscheiden“, sagte Pruschak.
Rogan war am Mittwoch auch für die „Presse“ nicht zu erreichen. Für Interviews stehe Rogan derzeit nicht zur Verfügung, betonte Manager Leitgeb. „Er ist längere Zeit nicht in Österreich, leider.“ Auch die Frage nach dem etwaigen Karriereende blieb unbeantwortet. Leitgeb kurz angebunden: „In den nächsten Tagen wird es zur Zukunft von Markus Rogan eine Aussendung geben.“
Die Karten stehen für den zweimaligen Silbermedaillengewinner von Athen 2004, Weltmeister von Manchester 2008 und ehemaligen Weltrekordhalter über 200 Meter Rücken schlecht. Raiffeisen scheint mit seinem Testimonial allmählich die Geduld zu verlieren. „Rogan ist ja auch ein Vorbild. Da hätte ich mir schon eine andere Reaktion von ihm erwartet“, gesteht Marketingchef Pruschak.
Seit Rom nicht mehr am Arbeitsplatz
Seit 2004 schwimmt Rogan mit der gelben Raiffeisen-Badehaube. Nach dem enttäuschenden vierten Platz bei den olympischen Sommerspielen 2008 in Peking wurde der Werbevertrag um ein Jahr verlängert. Zusätzlich durfte sich Rogan von Raiffeisen im Zuge eines Trainee-Programms zum „Private Banker“ ausbilden lassen.
Ob der Schwimmer auch nach Auslaufen seines Sponsorkontrakts bei Raiffeisen als Banker arbeiten wird, ist ebenfalls ungewiss. Denn Rogan ist nach dem Disco-Vorfall in Rom nicht mehr an seinen Arbeitsplatz im Wiener Loos-Haus zurückgekehrt. „Meines Wissens hat Rogan seit der WM nicht mehr gearbeitet“, bestätigt Pruschak der „Presse“.
■Markus Rogan (* am 4. Mai 1982) ist Österreichs erfolgreichster Schwimmer. Er hat bei Großereignissen insgesamt 27 Medaillen gewonnen.
■Größte Erfolge: Olympia-Silber über 100 und 200 Meter Rücken 2004 in Athen, WM-Silber über 200 Meter Rücken 2001 und 2005, Kurzbahn-WM-Gold über 200 Meter Rücken 2008 (in Weltrekordzeit). Österreichs Sportler des Jahres 2004. [APA]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2009)

Markus Rogan: Österreichs erfolgreichster Schwimmer aller Zeiten
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