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Weltmeister Markus Rogan vor Karriereende?

09.09.2009 | 19:38 |  MARTINA LEINGRUBER (Die Presse)

Der Schwimmstar ist nach der Disco-Affäre in Rom untergetaucht. Selbst für Sponsor Raiffeisen ist Rogan nicht erreichbar. Dort ist man über das Testimonial verärgert. Eine Vertragsverlängerung ist unwahrscheinlich.

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WIEN. Geht eine große Sportkarriere zu Ende? Die Zukunft des Weltmeisters und Weltrekordlers über 200 Meter Rücken Markus Rogan entscheidet sich heute. Rogans Manager Ronald Leitgeb hat heute einen Termin mit Leodegar Pruschak. Der Geschäftsführer der zentralen Raiffeisen-Werbung ist für die Sponsortätigkeiten des Bankhauses verantwortlich. Und damit auch für Markus Rogan, dessen Vertrag am 30. September, also in wenigen Wochen, ausläuft. Sehr wahrscheinlich ist eine Verlängerung des Kontrakts allerdings nicht.

„Es gibt momentan nicht so viel Positives in Sachen Markus Rogan“, sagte Pruschak im Gespräch mit der „Presse“. Zum einen seien da die ausgebliebenen sportlichen Erfolge des Aushängeschildes. Bei der WM in Rom belegte Rogan über 200 Meter Rücken, seine einstige Paradedisziplin, nur Rang 27. Und zum anderen ist da natürlich die Schlägerei in einer Bar am 1. August, mit der Rogan nicht nur sich selbst, sondern auch Raiffeisen einen herben Imageschaden zugefügt hat.

 

Raiffeisen über Disco-Affäre not amused

Zur Erinnerung: Rogan gibt an, vier Türsteher der Disco „Shilling“ in Ostia hätten ihn in einem Hinterzimmer zusammengeschlagen. Dabei hatte sich Rogan Prellungen, Schwellungen sowie Gesichtsverletzungen zugezogen. Es steht allerdings Aussage gegen Aussage, denn der Betreiber der Disco gab zu Protokoll, dass sich Rogan selbst verletzt hätte. Nämlich beim Versuch, über eine Mauer zu klettern, nachdem er des Lokals verwiesen worden war. Nur zwei Mal hat sich Rogan nach dem Vorfall geäußert. Einmal in einem Radiointerview, einmal auf seiner Homepage. Danach ist der Schwimmer untergetaucht.

Seit Rom sei Rogan nicht einmal für seinen Sponsor Raiffeisen erreichbar. Pruschak zur „Presse“: „Ich habe nur ein einziges Mal mit ihm Kontakt gehabt.“ Das sei zwei Tage nach der Disco-Affäre gewesen. Seither herrsche Funkstelle.

Ob Rogan seine Karriere beenden will, konnte Pruschak nicht beantworten: „Ich weiß weder, ob er bei dem Gespräch dabei sein wird, noch wie seine Zukunftspläne aussehen.“ Von Leitgeb erwartet er sich Aufklärung. Die endgültige Entscheidung, ob Rogan und Raiffeisen getrennte Wege gehen werden, fällt kommenden Dienstag. „Ich werde der Bundessitzung alle Fakten darlegen. Und das Gremium wird dann entscheiden“, sagte Pruschak.

Rogan war am Mittwoch auch für die „Presse“ nicht zu erreichen. Für Interviews stehe Rogan derzeit nicht zur Verfügung, betonte Manager Leitgeb. „Er ist längere Zeit nicht in Österreich, leider.“ Auch die Frage nach dem etwaigen Karriereende blieb unbeantwortet. Leitgeb kurz angebunden: „In den nächsten Tagen wird es zur Zukunft von Markus Rogan eine Aussendung geben.“

Die Karten stehen für den zweimaligen Silbermedaillengewinner von Athen 2004, Weltmeister von Manchester 2008 und ehemaligen Weltrekordhalter über 200 Meter Rücken schlecht. Raiffeisen scheint mit seinem Testimonial allmählich die Geduld zu verlieren. „Rogan ist ja auch ein Vorbild. Da hätte ich mir schon eine andere Reaktion von ihm erwartet“, gesteht Marketingchef Pruschak.

 

Seit Rom nicht mehr am Arbeitsplatz

Seit 2004 schwimmt Rogan mit der gelben Raiffeisen-Badehaube. Nach dem enttäuschenden vierten Platz bei den olympischen Sommerspielen 2008 in Peking wurde der Werbevertrag um ein Jahr verlängert. Zusätzlich durfte sich Rogan von Raiffeisen im Zuge eines Trainee-Programms zum „Private Banker“ ausbilden lassen.

Ob der Schwimmer auch nach Auslaufen seines Sponsorkontrakts bei Raiffeisen als Banker arbeiten wird, ist ebenfalls ungewiss. Denn Rogan ist nach dem Disco-Vorfall in Rom nicht mehr an seinen Arbeitsplatz im Wiener Loos-Haus zurückgekehrt. „Meines Wissens hat Rogan seit der WM nicht mehr gearbeitet“, bestätigt Pruschak der „Presse“.

ZUR PERSON

Markus Rogan (* am 4. Mai 1982) ist Österreichs erfolgreichster Schwimmer. Er hat bei Großereignissen insgesamt 27 Medaillen gewonnen.

Größte Erfolge: Olympia-Silber über 100 und 200 Meter Rücken 2004 in Athen, WM-Silber über 200 Meter Rücken 2001 und 2005, Kurzbahn-WM-Gold über 200 Meter Rücken 2008 (in Weltrekordzeit). Österreichs Sportler des Jahres 2004. [APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2009)

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5 Kommentare
Gast: Valery
11.09.2009 10:24
0 0

Schlimm!

Da macht ein verdienter Sportler einmal einen (großen) Fehler und dann trampelt die Öffentlichkeit schamlos auf ihm herum bis sie ihn vernichtet hat.

Das is Widerlich. absolut widerlich.

Die Zeitungen und der Rundfunk tragen dabei die Hauptverantwortung. Was mit Rogan geschieht ist eine Schande sondergleichen.

Gast: gast
10.09.2009 11:59
0 0

Nach "haut den Rogan"....

....wird ihn auch Raiffeisen fallen lassen.
Mit so einem "Loser" wollen die nichts mehr zu tun haben, auch wenn sie selbst im Osten viele Millionen verloren haben.

Dekkard
10.09.2009 08:54
0 0

Zu beneiden ist er nicht...

Obwohl mir Rogan nie sympathisch war, beneide ich ihn nicht um seine derzeitige Lage. Aber wer in Schickimicki Lokale geht wo von Steroiden degenerierte Türsteher nur darauf warten ein reiches Bubi zu verhauen, sollte dort nicht zu sehr auffallen. Andererseits verstehe ich ohnehin nicht wie man in solche Lokale freiwillig gehen kann, außer vielleicht wenn man auf Aufriß ist.
Rogan glaubte mit den Medien gut umgehen zu können, hat aber mißverstanden das schon das bei uns das selbe gilt was schon zur Zeiten der griechischen Spiele galt: ein zweiter (oder gar dritter) Platz kann schnell als Schande gelten, auch wenn das nicht fair ist. Mit seinen Positionen war er nicht in der Lage automatisch „Everybodys Darling“ zu sein, pseudointellektuelle Interviews haben dem ganze den Rest gegeben. Und seinen Ankündigung eine Karriere als Banker anzustreben, war ja wohl zeitlich nicht gerade gut gewählt.

AlpsFlyer
09.09.2009 22:26
0 0

Kein Wunder

An seiner Stelle hätte ich auch den blanken Hass auf die erbärmliche österreichische Volksseele. Die geniert sich nicht, zuerst über den "Unsrigen" zu jubeln, im Handumdrehen aber jederzeit einem schmierigen italienischen Discokönig mehr zu glauben als ihm, obwohl die Beweislage doch mehr als deutlich ist und das Verwerflichste, das man ihm vorhalten kann, gerade mal der Umstand ist, eine etwas erhöhte Lust am Boulevard zu haben.
Es lebe die Quote und der Neid!

Man möchte manchmal auch abhauen. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis wir Dumpfbacken dem nächsten Heilsbringer huldigen?

Gast: Pips
09.09.2009 21:37
0 1

Er

wäre nicht der Erste, der es nicht verkraftet everybodys Burli zu sein. Kann sein das er labil ist und in den Suff absinkt. Oder schon abgesoffen ist.
Ist schwer wieder ins "normale" Leben zurückzukehren. Täglich morgens in die Hacke zu gehen ist nicht jedermanns Sache. Meine wär¿s auch nicht.
Aber, das ist das Los von Sportlern. Spitzensport kann man nur ein paar Jahre erfolgreich betreiben. Dann kommt ein großes Loch. Wer das nicht schon vor der Sportkarriere einkalkuliert, steht im Regen.
Kann mich noch erinnern, wie der Hansi Hinterseer ( mit anderen Skifahrern ) Ende der Achtziger mit abgehatschten Schuhen bei den diversen Sportmessen herumgelatscht ist, immer auf der Suche nach "PR"- Aktionen. Der hat halt das Glück gehabt, vom Jack White "entdeckt" und genial vermarktet zu werden. Als 1. Sänger, der überhaupt nicht singen kann und trotzdem ein Star ( in Deutschland ) ist. Aber, davon kann er bestens leben. Bravo. Das aber ist die Ausnahme.

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