wien. Was „Die Presse“ in ihrer Donnerstags-Ausgabe berichtet hat, ist nun auch offiziell bestätigt: Markus Rogan und Raiffeisen gehen getrennte Wege. Österreichs erfolgreichster Schwimmer wird seine Bankerausbildung bei der Raiffeisen Landesbank Ende September beenden. Das bestätigte Raiffeisen-Sprecher Peter Wessely gegenüber der „Presse“.
Das Traineeprogramm war Teil von Rogans Sponsorvertrag mit Raiffeisen, der am 30. September ausläuft. Seit November 2008 wurde der Wiener in Sachen Finanzberatung geschult. Nach nicht einmal einem Jahr muss der 27-Jährige, der auch ein Bachelorstudium für „International Relations and Economics“ an der Stanford-Universität vorweisen kann, seinen Sessel räumen. In „beiderseitigem Einverständnis“, wie Wessely bestätigte. Rogans Manager, Ronnie Leitgeb, war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Mithilfe von Raiffeisen konnte sich Rogan ein zweites Standbein aufbauen. Denn zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses vor gut einem Jahr stagnierte seine sportliche Karriere. Als Weltmeister und Weltrekordler war Rogan zu den Olympischen Sommerspielen nach Peking gereist. Doch in seiner Paradedisziplin über 200 Meter Rücken reichte es „nur“ für den undankbaren vierten Platz.
Gemeinsam mit Skistar Hermann Maier steht Rogan in der ersten Reihe der Raiffeisen-Werbeträger. Seinem Testimonial Rogan schneiderte der Konzern auch einen atypischen Sponsorvertrag zurecht. Er enthält neben den üblichen leistungsbezogenen Zahlungen auch eine Ausbildung zum Banker.
Zugunsten der Bankerausbildung leitete Rogan eine sportliche Veränderung in die Wege. Nach den Sommerspielen in Peking kehrte er den zeitintensiven Distanzen über 100 und 200 Meter den Rücken und wechselte auf die Sprintstrecke über 50 Meter. Die Prioritäten waren ab diesem Zeitpunkt anders verteilt. „Bis Peking war ich Vollprofi, Vollzeitschwimmer. Jetzt mach ich noch eine Ausbildung nebenbei“, sagte Rogan damals. An alte Erfolge konnte der Wiener nicht mehr anschließen. In Rom ging er über 50 Meter Rücken mit Rang 33 unter. Was das Vertragsende mit Raiffeisen für Rogans sportliche Laufbahn bedeutet, ist unklar. Noch im Februar bezeichnete der Rückenschwimmer die Olympischen Sommerspiele in London 2012 als sein Fernziel. „Wenn ich verletzungsfrei bleibe, könnte ich dort über 50 Meter Kraul starten“, sagte er.
Disco-Affäre: Keine Sanktionen
Paul Schauer, Präsident des österreichischen Schwimmverbandes, hofft jedenfalls, dass Rogan seine Karriere nicht beendet. Er stehe mit Rogans Management in regelmäßigem Kontakt, ob Österreichs Schwimmaushängeschild auch in Zukunft um Medaillen schwimmen wird, konnte Schauer aber nicht beantworten: „Es ist gänzlich seine Entscheidung, im OSV ist er aber jederzeit willkommen.“
Gute Nachrichten gibt es in Sachen Disco-Affäre. Vonseiten des Verbandes hat Rogan keine Sanktionen zu befürchten. Am letzten Abend der WM in Rom wurde Rogan von Türstehern einer Disco zusammengeschlagen. Die Barbetreiber bestritten den Vorfall, Rogan ist seither nicht mehr öffentlich aufgetreten. „Nach Prüfung aller Fakten sind wir zum Schluss gekommen, dass Markus keine aggressiven Handlungen gesetzt hat“, sagte Schauer zur „Presse“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2009)

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