Der österreichische Sport wird wieder einmal von der Causa Walter Mayer überschattet. Der Trainer des österreichischen Skiverbandes, der bei Olympia in Turin 2006 mit seiner Anwesenheit die Dopingrazzia bei den Langläufern und Biathleten ausgelöst haben soll, ist nun offenbar neuerlich bereit, über die Vergangenheit zu plaudern. Das hat Mayer schon mehrmals getan, ausführlich vor einigen Monaten in der „Kleinen Zeitung“; nur zwei Tage nach der Veröffentlichung des Interviews hat der Bundesheerangehörige damals seine Aussagen zurückgezogen.
Schon damals spielte ein gewisser Erwin Roth den Vermittler – jener Roth, der zuletzt als Strategieberater für Salzburgs Olympiabewerbung für die Winterspiele 2014 ins Gerede gekommen ist. Der Verleger, der mittlerweile eine erbitterte Kampagne gegen Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden reitet, ist ein Taktiker, der es bestens versteht, mit den Medien zu spielen. Die entscheidende Frage, die sich immer wieder stellt, lautet: Cui bono?
Zweites Kapitel soll folgen
Erwin Roth ist im Jänner 2007 mit Walter Mayer ins Geschäft gekommen. Der Verleger hat dem Trainer 290.000 Euro für „Exklusivrechte“ abgekauft, gedacht war an eine brisante Publikation über die wahren Hintergründe und Praktiken bei den Spielen 2002 in Salt Lake City (Blutbeutelaffäre) und 2006 in Turin.
Walter Mayer hat wenige Tage nach Erhalt der Geldsumme die Klagen gegen den Präsidenten des Internationalen Olympischen Comites, Jaques Rogge, und den damaligen Präsidenten der Welt-Antidoping-Agentur WADA, Dick Pound, fallengelassen.
Strategieberater Roth ist nach einem Bericht der Tageszeitung „Österreich“ im Besitz eines 92-Minuten-Videos, auf dem Mayer schwere Vorwürfe gegen das österreichische Bundesheer erhebt. Aufgenommen worden sein soll das Video am vergangenen Donnerstag in Salzburg im Beisein eines Notars. Den zweiten Teil der Mayer-Ausführungen will Erwin Roth am Mittwoch veröffentlichen lassen. Der Verleger ist der Meinung, dass die Zeit jetzt reif für „das erste Kapitel“ sei – zeitaktuell und zeitkritisch.
Der ehemalige ÖSV-Trainer belastet nun in diesem Video erneut seinen Arbeitgeber. Das Heer, so heißt es, habe ihn dazu gedrängt, die Klagen gegen Rogge und Pound fallenzulassen. „Besonders zwischen der Nationalratswahl 2006 und der Angelobung der neuen Regierung soll der Druck immer stärker geworden sein, berichtet „Österreich“. Weiters heißt es: „Das grenzte an Telefonterror.“
Der Chef der Heeressport- und Nahkampfschule, Oberst Eckelsberger, hat bereits vor Monaten auf Rückfrage der „Presse“ zugegeben, dass es nach der Doping-Affäre von Turin zu einem Treffen mit Walter Mayer gekommen ist. Der Herr Oberst, der auf die Infohotline des Ministeriums verweist, wollte gestern nichts mehr sagen. Obendrein hätte er Walter Mayer nur getroffen, um ihm persönliche Ratschläge (Warnung vor hohen Prozesskosten etc.) zu geben. Ein Schriftführer war vor drei Jahren dennoch anwesend.
In der Tageszeitung „Österreich“ wird Walter Mayer so zitiert: „Einmal sagte Oberst Eckelsberger in einem Gespräch, dass der neue Verteidigungsminister, der auch Sportminister werden sollte, sich als Saubermann des Sports profilieren will und deshalb unbedingt die Klagen zurückgezogen werden sollen.“
Interne Untersuchungen
„Wir stehen jetzt wieder genau dort, wo wir im Februar gestanden sind“, meint Stefan Hirsch, Pressesprecher von Verteidigungsminister Norbert Darabos. „Der Vorwurf ist nicht neu. Das Ministerium hat die Angelegenheit auch umgehend im März 2009 untersucht. Bei dieser internen Untersuchung hat sich der Vorwurf aber als falsch herausgestellt.“ Man habe diese Ermittlungsergebnisse auch der Staatsanwaltschaft übermittelt.
Minister Darabos weilte am Sonntag bei der Tischtennis-EM in Stuttgart und erinnerte daran, im Jahr 2006 noch nicht Minister gewesen zu sein. Und er geht dann sogar in die Offensive: „Ich habe aus dem Umfeld von Herrn Roth erfahren, dass diese Geschichten schon länger vorbereitet sind. Mayer hat gegenüber einem Anwalt behauptet, Roth hätte ihn zu den Aussagen animiert.“
Cui bono? Gegen Erwin Roth ermittelt in Sachen Olympia 2014 die Staatsanwaltschaft Salzburg, gegen Walter Mayer war die Soko Doping aktiv. Für beide gilt die Unschuldsvermutung.
■Die Doping-Affäre von Turin überschattete auch Salzburgs erfolglose Olympia-Bewerbung 2014. Zwei Namen tauchen dabei immer wieder auf: Ex-ÖSV-Trainer Walter Mayer und Erwin Roth.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2009)

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